1974-89

 

Weltwirtschaftskrise: Rationalisierung

Zeitschrift: "Metall" zur Rationalisierung, 1980
Photo: Volkswagen-Produktion am Fließband, 1949
Karikatur: Peter Leger zur Rationalisierung, 1979

Rationalisierung in Unternehmen und Behörden bedeutet, dass herkömmliche Verfahren durch Methoden ersetzt werden, welche die technische Effektivität und die wirtschaftliche Rentabilität mi Hilfe des gezielten Einsatzes von Arbeits- und Sachmitteln erhöhen. Im technischen Bereich führt Rationalisierung vielfach zur Mechanisierung und Automatisierung des Produktionsprozesses. Im organischen Bereich zielt sie auf eine zweckmäßige Umgestaltung des Arbeits- und Verwaltungsablaufes. Rationalisierung fördert zwar den technischen Fortschritt und die Produktivität der Unternehmen, ist jedoch auch häufig mit Arbeitsplatzverlusten verbunden.

Arbeitsteilung und Spezialisierung gelten seit der industriellen Revolution als ein Mittel zur Steigerung der Arbeitsproduktivität. Eine extreme Form der Unterteilung von Arbeitsvorgängen entsteht mit der Einführung des Fließbandes durch Henry Ford (1863-1947) nach der Jahrhundertwende, das zur technisch-organisatorischen Grundlage der modernen, auf Massenfertigung beruhenden Industriearbeit wird. Dass die monotone Fließbandfertigung vielfach auch zu einer sinkenden Motivation der Arbeiter führt, wird bei der Einführung neuer Produktionstechniken zunächst nicht berücksichtigt. Erst seit den 50er Jahren reagiert man mit neuen Arbeitsformen wie Jobrotation und Gruppenarbeit auf die große Fluktuation und die hohen Fehlzeiten bei unzufriedenen Mitarbeitern.

Mit der mikroelektronischen Revolution übernehmen zunehmend Roboter die gleichförmigen Arbeitsprozesse, zugleich steigt aber auch die Arbeitslosigkeit an. Nicht nur in der industriellen Fertigung, auch im Druckgewerbe und im Büroalltag wird der Ersatz menschlicher Arbeitskraft durch moderne Computer möglich. Mit der Einführung neuer Technologien führen die Unternehmen umfangreiche Rationalisierungsmaßnahmen durch, die ihre Konkurrenzfähigkeit und Produktivität sichern sollen. Die Gewerkschaften fordern daher, dass die Einführung neuer Technologien sozial abgefedert wird. Tarifverträge, wie sie 1978 erstmals in der Druckindustrie abgeschlossen werden, sollen den Arbeitnehmer vor den Folgen einer unternehmerischen Rationalisierungsentscheidung schützen.

(ahw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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