1945-49

 

Ende als Anfang: Kriegsgefangene

Photo: Kriegsgefangener nach der Heimkehr, 1946

Als die Waffen schweigen, befinden sich noch über zehn Millionen deutsche Soldaten in den Kriegsgefangenenlagern der Alliierten. Die meisten werden ein Jahr später wieder frei sein. Die letzten Kriegsgefangenen kehren jedoch erst im Januar 1956 aus der UdSSR zurück. Der Zufall spielt Schicksal, denn viel hängt davon ab, wo die Soldaten in Gefangenschaft geraten sind.
Vor allem in der Sowjetunion, Jugoslawien, Polen und der Tschechoslowakei sterben in den letzten Kriegsmonaten und in dem Jahr nach Kriegsende Hunderttausende an Hunger, Kälte und Erschöpfung durch Zwangsarbeit. Etwa 1,3 Millionen kommen allein in sowjetischer Kriegsgefangenschaft um oder bleiben vermisst. Die Bedingungen in westlichen Ländern sind in der Regel besser. Aber auch hier sterben Tausende.

"Wir dürfen frei und ohne Begleitung das Lager verlassen", schreibt ein deutscher Soldat mit Schönschrift in sein Tagebuch. "Die bisher abgehaltenen Zählungen entfallen (...) Das ganze Leben nimmt großzügigere Formen an." Er ist in britische Kriegsgefangenschaft geraten. Sein Kamerad im Osten kritzelt heimlich und in winziger Schrift, was er als Erinnerungen festhalten und vielleicht eines Tages in die Heimat schmuggeln möchte: Werden die Notizen entdeckt, riskiert er, dass er später entlassen oder sogar zur Haft im Arbeitslager oder Gefängnis verurteilt wird.

In den Lagern setzen Hunger, Krankheit und Zwangsarbeit den Kriegsgefangenen zu. Vielfach geflickte Kleidungsstücke und gebastelte Notbehelfe von Kriegsgefangenen zeugen von harten Lebensbedingungen. Die Kriegsgefangenen kehren oft erst nach vielen Jahren zurück. Dies erschwert die Wiedereingliederung in das Familien- und Berufsleben zusätzlich.

[Kollektives Gedächtnis] Robert Gehrmann: Kriegsgefangenenlager Dwjri a.d. Kura

(ab) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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