1945-49

 

Hunger nach Kultur

Druckschrift: Befehl Nr.1 des Chefs der Besatzung der Stadt Berlin, 1945
Plakat: Werbeplakat Circus Aeros, 1947
Plakat: "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert, 1947
Ausstellungszenerie: Dauerausstellung Haus der Geschichte
Filmplakat: Die Mörder sind unter uns, 1946
Zeitschrift: Der Spiegel, 1. Jahrgang Nr.1, 1947

Trotz Hunger und Wohnungsnot regt sich in den Besatzungszonen erstaunlich rasch nach dem Krieg ein bescheidenes kulturelles Leben unter Lizenz und Kontrolle der Besatzungsmächte. Erste Konzerte und Theateraufführungen finden statt, obwohl im Westen die Hälfte aller Bauten im Krieg zerstört wurde. Museen zeigen von den Nationalsozialisten als "entartet" verbotene Kunst und Werke der klassischen Moderne. Neue deutsche und ausländische Filme laufen in den Kinos. Zeitungen und Zeitschriften erscheinen wieder. Der Rundfunk wird neu organisiert.

Obwohl ein großer Teil der Theater zerstört ist, wird der Spielbetrieb sofort nach dem Krieg wiederaufgenommen. Der Nachholbedarf ist groß, da zahlreiche Stücke und Autoren des Auslands unter den Nationalsozialisten nicht gespielt werden durften.
Auch Arbeiten deutscher Autoren, die im "Dritten Reich" verfemt waren, kommen (wieder) auf die Bühnen. Zentrale Themen des deutschen Nachkriegstheaters sind Not und Probleme der Zeit.

Am schnellsten erholt sich das Musikleben von den Nachwirkungen des Krieges. Schon wenige Tage nach der Kapitulation können erste Konzerte veranstaltet werden.
Der Jazz, unter den Nationalsozialisten als "Negermusik" verfemt, erfährt vor allem in den Großstädten ein überzeugendes Comeback.

Internationale Einflüsse gewinnen an Bedeutung und prägen zunehmend die Bildende Kunst. Der "befreiten Kunst" legt die sowjetische Militärregierung allerdings 1948/49 Fesseln an und gibt Stilrichtungen vor.

Der Film wird ein wichtiges Medium zur Thematisierung von Krieg und NS-Verbrechen. Erste deutsche Nachkriegsproduktionen wie Wolfgang Staudtes "Die Mörder sind unter uns" stellen die Frage nach der Schuld. Die sogenannten Trümmerfilme versuchen, Heimkehrerschicksale oder die Lebensumstände im Trümmer-Alltag zu erfassen. Mehr als deutsche "Problemfilme" schätzt das Publikum jedoch Produktionen des Auslands.

Die Wiederanfänge der Presse sind angesichts des Papier- und Maschinenmangels schwierig. Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, auch Schallplatten und Veranstaltungen müssen von der jeweils zuständigen Besatzungsmacht genehmigt werden. Die Berichterstattung wird kontrolliert. Eine Lizenz der Besatzungsmächte ist Voraussetzung, um eine Zeitung herausgeben zu können.

Die Besatzungsmächte organisieren den Rundfunk in seinen Grundzügen neu. Das Rundfunkmonopol des Staates, von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken missbraucht, wird gebrochen. Um eine Machtkonzentration zu vermeiden, entstehen mehrere Rundfunkanstalten, die im Westen öffentlich-rechtlich organisiert sind. Gesellschaftliche und politische Gruppen sind in den Aufsichtsgremien vertreten. Der staatliche Einfluss soll möglichst gering gehalten werden. In der sowjetischen Besatzungszone dagegen wird der Rundfunk bald zentral gelenkt.

(ab) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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