1945-49 |
Hunger nach Kultur: Jazz |
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Nach dem Krieg erfasst eine Jazzwelle die deutschen Großstädte. Vor allem Frankfurt am Main und München werden neben Berlin, der ehemals "swinging capital", zu Zentren des Jazz im Nachkriegsdeutschland. Die nationalsozialistische Kulturpolitik hatte auch den Jazz nicht verschont. Er wurde als "Negermusik" diffamiert und durfte nicht gespielt werden. Dementsprechend groß ist der musikalische Nachholbedarf. Überall formieren sich Jazzbands, die sich an amerikanischen Vorbildern orientieren. Nur wenige Bands erreichen allerdings deren hohes Niveau wie etwa das Orchester Kurt Widmann oder das Lubo D'Orio Orchester, welche die amerikanischen Erfolgsnummern gekonnt darbieten. Mit Vorliebe werden Stücke von Glenn Miller, Tommy Dorsey oder Benny Goodman gespielt. Da das ehemals blühende Nachtleben der Großstädte fast gänzlich erloschen ist, treten die Bands hauptsächlich in den Clubs der Alliierten auf. Später berühmte Orchester wie das von Kurt Edelhagen oder Max Greger beginnen ihre Karriere in den Offizierkasinos der amerikanischen und britischen Militärregierung. Entscheidende Impulse für das deutsche Jazzleben gehen von den neu gegründeten Rundfunkanstalten aus. Sie bauen eigene Big-Bands auf, die den Wunsch der Hörer nach moderner Musik befriedigen sollen. Das Radio-Berlin Tanzorchester unter Leitung von Michael Jary ist als erstes - nur 14 Tage nach Kriegsende - im Radio zu hören. (ab) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |