1945-49

 

Hunger nach Kultur: Musik

Plakat: Ankündigung eines Symphoniekonzerts zur Begrüßung der Roten Armee, 1945

Mit Enthusiasmus, Energie und Improvisationstalent wird in Deutschland innerhalb kürzester Zeit das Musikleben neu belebt. Von allen Künsten tritt die Musik als erste wieder an die Öffentlichkeit. Im tristen, sorgenvollen Nachkriegsalltag bedeutet sie für die Deutschen vor allem Trost und Erbauung.
Die Besatzungsmächte unterstützen aktiv das musikalische Leben in ihren Zonen, helfen bei der Beschaffung von Instrumenten und Noten, bei der Organisation von Konzerten oder sorgen für eine bessere Ernährung der Musiker in der Hungerzeit.

Das Musikleben findet zunächst in Provisorien statt, denn die Konzertsäle und Opernhäuser sind weitgehend zerstört. Vielschichtig und bunt präsentiert sich das Bild des musikalischen Neuanfangs. Klassische Musik steht auf der Wunsch- und Werteskala der Konzertbesucher weit oben. Doch neben dem altvertrauten Repertoire werden nun auch Werke der während des NS-Regimes verbotenen deutschen wie ausländischen Komponisten aufgeführt.

Die jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) und Gustav Mahler, die avantgardistischen Künstler der Zwanziger Jahre, Paul Hindemith, Arnold Schönberg und Anton von Webern, die während des "Dritten Reiches" verfemt waren, werden wieder gespielt, ausländische Komponisten wie Igor Strawinsky, Sergej Prokofjew oder Bela Bartók werden bekannt gemacht.

Die Operettenkomponisten Jacques Offenbach (1819-1880), Robert Stolz und Emmerich Kalman, allesamt von den Nationalsozialisten verboten, finden ein ebenso zahlreiches wie dankbares Publikum. Und auch der Jazz feiert ein überzeugendes Comeback in Deutschland.

(ab/reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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