1945-49

 

Hunger nach Kultur: Nachkriegsmode

Bekleidung: Aus Stoffresten zusammengenähtes Damenkleid, 1947
Photo: Kostüm "Bar" von Christian Dior, 1947

Vor dem Hintergrund der Materialknappheit entwickelt sich die Nachkriegsmode zunächst unter der Devise: "aus Alt mach Neu": Alte Kleider werden aus den Schränken geholt, Frauen trennen die Anzüge ihrer gefallenen Männer auseinander, um sich daraus warme Jacken zu schneidern. Kissenbezüge, Vorhangstoffe, Handtücher, Bettdecken und vieles mehr wird zu Kleidern umgearbeitet. Auch militärische Textilien wie Fliegeroveralls oder Wehrmachtsmäntel finden Verwendung, müssen aber auf Grund einer Verordnung des Alliierten Kontrollrats vom 1. Dezember 1945 umgefärbt werden.

Dieser sogenannte Trümmer-Look bestimmt das Bild der gesamten Nachkriegsjahre. Als Christian Dior am 12. Februar 1947 eine neue Linie präsentiert, die unter dem Namen "New Look" die Damenbekleidung der 50er Jahre bestimmen wird, macht sich vor allem in Deutschland zunächst heftiger Protest gegen dieses Pariser Modediktat breit. Zum einen stellt die neue Linie Frauen vor das Problem, genügend Stoff zu beschaffen, zum anderen repräsentiert der "New Look" für viele nichts anderes als eine modische Variante des überkommenen Frauenbildes.
Nach und nach erfreut sich die neue Linie jedoch zunehmender Beliebtheit, und deutsche Designer wie Heinz Oestergaard bemühen sich, den "New Look" trotz Materialknappheit umzusetzen: Fallschirmseide, Decken und Fahnenstoffe aus Lagerbeständen der Wehrmacht werden ebenso zur neuen Linie umgearbeitet wie Flickenstoffe, Bettzeug und alte Kleider. Modezeitschriften und Illustrierte liefern Anregungen, wie aus gefärbten und gewendeten Uniformen Kostüme geschneidert werden können.

(db) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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