1945-49 |
Hunger nach Kultur: Theater |
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Unter weitgehender Wahrung
institutioneller und personeller Kontinuität finden nach der Kapitulation
erste Theateraufführungen statt. Der Nachholbedarf ist groß,
da viele Stücke im "Dritten
Reich" nicht aufgeführt werden durften und auf Erlass des Reichspropagandaministers
Joseph
Goebbels am 1. September 1944 der Spielbetrieb der deutschen Bühnen
beendet wurde. Allein in Berlin finden von Juni bis Dezember 1945 121 Premieren
statt. Zahlreiche deutsche Theater
spielen die während der NS-Zeit verbotenen Klassiker wie Gotthold Ephraim
Lessings "Nathan der Weise", ein Lehrstück für die Toleranz zwischen
Menschen und Religionen, oder Hugo von Hofmannsthals "Jedermann". Auch der Nachholbedarf an ausländischen Stücken, die unter den Nationalsozialisten nicht gespielt werden durften, wird mit alliierter Unterstützung gestillt. Am häufigsten gelangen zeit- und gesellschaftskritische französische Dramen, wie Jean Anouilhs "Antigone", Jean-Paul Sartres "Die schmutzigen Hände" und "Die Fliegen" sowie Albert Camus' "Die Pest" zur Aufführung. Von angelsächsischer Seite sind die Familienstücke J.B. Priestleys sowie T.S.Eliots "Mord im Dom" besonders beliebt. Die anfänglich auch in der SBZ zugelassenen Autoren werden dort ab 1948/49 als Paradebeispiel für westliche Dekadenz attackiert und verboten. (db) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |