1945-49

 

Hunger nach Kultur: Theater

Plakat: "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert, 1947
Plakat: "Des Teufels General" von Carl Zuckmayer, 1947

Unter weitgehender Wahrung institutioneller und personeller Kontinuität finden nach der Kapitulation erste Theateraufführungen statt. Der Nachholbedarf ist groß, da viele Stücke im "Dritten Reich" nicht aufgeführt werden durften und auf Erlass des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels am 1. September 1944 der Spielbetrieb der deutschen Bühnen beendet wurde. Allein in Berlin finden von Juni bis Dezember 1945 121 Premieren statt.
Im Sinne der Reeducation beseitigen die Alliierten das nationalsozialistische Repertoire von Dramen, lassen "unbelastete" Klassiker zu und sorgen vor allem für die rasche Übersetzung von Stücken aus dem eigenen Sprachbereich.

Zahlreiche deutsche Theater spielen die während der NS-Zeit verbotenen Klassiker wie Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise", ein Lehrstück für die Toleranz zwischen Menschen und Religionen, oder Hugo von Hofmannsthals "Jedermann".
Zu den erfolgreichsten Stücken der Nachkriegszeit gehören "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert und Carl Zuckmayers "Des Teufels General", die sich beide mit Krieg und Nationalsozialismus auseinander setzen. Die Dramen Bertolt Brechts, die dieser nach seiner Rückkehr aus der Emigration im Jahre 1948 selbst inszeniert, werden zunächst fast ausschließlich in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) aufgeführt.

Auch der Nachholbedarf an ausländischen Stücken, die unter den Nationalsozialisten nicht gespielt werden durften, wird mit alliierter Unterstützung gestillt. Am häufigsten gelangen zeit- und gesellschaftskritische französische Dramen, wie Jean Anouilhs "Antigone", Jean-Paul Sartres "Die schmutzigen Hände" und "Die Fliegen" sowie Albert Camus' "Die Pest" zur Aufführung. Von angelsächsischer Seite sind die Familienstücke J.B. Priestleys sowie T.S.Eliots "Mord im Dom" besonders beliebt. Die anfänglich auch in der SBZ zugelassenen Autoren werden dort ab 1948/49 als Paradebeispiel für westliche Dekadenz attackiert und verboten.

(db) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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