1990/91 -heute

 

Folgen der deutschen Einheit: Jahrhundertflut



Im August 2002 kommt es nach anhaltenden, extremen Niederschlägen zu einer dramatischen Hochwassersituation in Bayern, Österreich, Tschechien und Ostdeutschland. Besonders an der Elbe und ihren Nebenflüssen hinterlässt die Flut eine Schneise der Verwüstung. Zahlreiche Städte und Dörfer werden überschwemmt, Betriebe, industrielle Anlagen, Straßen und Brücken zerstört. In Dresden überflutet die Weißeritz den Hauptbahnhof und einen Teil der Innenstadt. Der Schaden allein an der Semperoper beläuft sich auf 27 Millionen Euro. In vielen betroffenen Regionen Ostdeutschlands wird die Aufbauarbeit der letzten zehn Jahre weitgehend vernichtet.

Unmittelbare Ursache für die sintflutartigen Regenfälle und Überschwemmungen ist ein seltener Wetterablauf, der stark mit Feuchtigkeit angereicherte Luftmassen über die Alpen nach Norden transportiert. Die tieferliegenden Ursachen sind in der Klimaerwärmung zu sehen, die zu häufigen Wetterextremen führt. Hinzu kommen die verringerte Wasseraufnahmefähigkeit durch versiegelte Böden, Erosion, Abholzung und Waldsterben sowie die Begradigung von Flussläufen, Trockenlegung von Auenlandschaften und Überflutungsflächen.
Massenevakuierungen und gebrochene Dämme halten die Helfer in Atem. Die "Jahrhunderflut" löst eine unerwartet große Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität in ganz Deutschland aus. Zahlreiche freiwillige Helfer aus der ganzen Bundesrepublik unterstützen Feuerwehr, Technisches Hilfwerk (THW), Deutsches Rotes Kreuz (DRK) und Bundeswehr. Die Spendenbereitschaft ist hoch - insgesamt 500 Millionen Euro gehen auf die Spendenkonten ein. In der Öffentlichkeit wird diese Solidaritätsaktion als Beitrag zur Überwindung der "Mauer in den Köpfen" angesehen. Bund und Länder verschieben die für 2003 vorgesehene Stufe der Steuerreform und füllen so den "Fonds Aufbauhilfe" mit 7,1 Milliarden Euro.

Nach dem Hochwasser ist die Elbe, deren verbesserte Wasserqualität noch im Juli von Politikern und Umweltschützern mit einem "Elbebadetag" gefeiert worden war, stark durch Diesel und Heizöl, Fäkalcolibakterien und Salmonellen belastet. Auf großen Strecken sind die Konzentrationen der Schwermetalle wie Quecksilber um das Fünf- bis Zehnfache erhöht. Durch den reduzierten Sauerstoffgehalt ist der Fischbestand gefährdet. Chemikalien, die sich mit dem Schlamm in den Feldern festsetzen, stellen eine Gefahr für Grundwasser und Landwirtschaft dar.
Nach der Flut werden die zerstörten Deiche saniert. Nach Ansicht von Umweltschutzverbänden und zahlreichen Politikern wird jedoch der vorbeugende Hochwasserschutz (z.B. durch Schaffung von Überflutungsflächen) nach wie vor vernachlässigt - eine Einschätzung, die sich im Frühjahr 2006 bestätigt: Wieder werden zahlreiche Städte an der Elbe überflutet.

(reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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