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Im August 2002 kommt es
nach anhaltenden, extremen Niederschlägen zu einer dramatischen Hochwassersituation
in Bayern, Österreich, Tschechien und Ostdeutschland. Besonders an
der Elbe und ihren Nebenflüssen hinterlässt die Flut eine Schneise
der Verwüstung. Zahlreiche Städte und Dörfer werden überschwemmt,
Betriebe, industrielle Anlagen, Straßen und Brücken zerstört.
In Dresden überflutet die Weißeritz den Hauptbahnhof und einen
Teil der Innenstadt. Der Schaden allein an der Semperoper beläuft sich
auf 27 Millionen Euro. In vielen betroffenen Regionen Ostdeutschlands wird
die Aufbauarbeit der letzten zehn Jahre weitgehend vernichtet.
Unmittelbare Ursache für
die sintflutartigen Regenfälle und Überschwemmungen ist ein
seltener Wetterablauf, der stark mit Feuchtigkeit angereicherte Luftmassen
über die Alpen nach Norden transportiert. Die tieferliegenden Ursachen
sind in der Klimaerwärmung zu sehen, die zu häufigen Wetterextremen
führt. Hinzu kommen die verringerte Wasseraufnahmefähigkeit
durch versiegelte Böden, Erosion, Abholzung und Waldsterben sowie
die Begradigung von Flussläufen, Trockenlegung von Auenlandschaften
und Überflutungsflächen.
Massenevakuierungen und gebrochene Dämme halten die Helfer in Atem.
Die "Jahrhunderflut" löst eine unerwartet große Welle
der Hilfsbereitschaft und Solidarität in ganz Deutschland aus. Zahlreiche
freiwillige Helfer aus der ganzen Bundesrepublik unterstützen Feuerwehr,
Technisches Hilfwerk (THW), Deutsches Rotes Kreuz (DRK) und Bundeswehr.
Die Spendenbereitschaft ist hoch - insgesamt 500 Millionen Euro gehen
auf die Spendenkonten ein. In der Öffentlichkeit wird diese Solidaritätsaktion
als Beitrag zur Überwindung der "Mauer in den Köpfen"
angesehen. Bund und Länder verschieben die für 2003 vorgesehene
Stufe der Steuerreform und füllen so den "Fonds Aufbauhilfe"
mit 7,1 Milliarden Euro.
Nach dem Hochwasser ist die
Elbe, deren verbesserte Wasserqualität noch im Juli von Politikern
und Umweltschützern mit einem "Elbebadetag" gefeiert worden
war, stark durch Diesel und Heizöl, Fäkalcolibakterien und Salmonellen
belastet. Auf großen Strecken sind die Konzentrationen der Schwermetalle
wie Quecksilber um das Fünf- bis Zehnfache erhöht. Durch den
reduzierten Sauerstoffgehalt ist der Fischbestand gefährdet. Chemikalien,
die sich mit dem Schlamm in den Feldern festsetzen, stellen eine Gefahr
für Grundwasser und Landwirtschaft dar.
Nach der Flut werden die zerstörten Deiche saniert. Nach Ansicht
von Umweltschutzverbänden und zahlreichen Politikern wird jedoch
der vorbeugende Hochwasserschutz (z.B. durch Schaffung von Überflutungsflächen)
nach wie vor vernachlässigt - eine Einschätzung, die sich im
Frühjahr 2006 bestätigt: Wieder werden zahlreiche Städte
an der Elbe überflutet.
(reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |