1990/91 -heute

 

Folgen der deutschen Einheit: Wirtschaftlicher Kraftakt

Photo: Letzter Trabi, 1991
Verpackung: Kaffee Ersatz Mischung, 1980-1990
Schild: Gemeinschaftswerk Aufschwung Ost, 1991

Warten auf das " Wirtschaftswunder": Ende Juni 1990 transportieren schwer bewachte und hermetisch verriegelte Lastwagen 25 Milliarden DM Bargeld - mehr als 6.000 Tonnen Geldscheine - in die DDR. Ab 1. Juli 1990 gilt die Währungsunion. In den Wahlveranstaltungen Bundeskanzler Helmut Kohls zu den ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen 1990 ist vom "neuen Wirtschaftswunder" die Rede, das den Osten sehr bald in "blühende Landschaften" verwandeln werde. Aber vierzig Jahre Mißwirtschaft lassen sich nicht von heute auf morgen überwinden. Die Umstellung von der Plan- zur Marktwirtschaft verläuft weitaus schwieriger als 1990 angenommen.

Die Schwächen der ostdeutschen Unternehmen sind nach der Wiedervereinigung schonungslos offengelegt. Die Unternehmen sind nicht halb so produktiv wie ihre westdeutsche Konkurrenz, sie produzieren mit zu hohen Kosten und verfügen größtenteils nicht über marktfähige Produkte. Nahezu sämtliche Waren DDR-eigener Herstellung verschwinden aus den Regalen. Die angestammten Absatzmärkte der DDR-Wirtschaft in Osteuropa brechen zusammen. West-Waren drängen auf den Markt und finden reißenden Absatz. Die westdeutschen Betriebe erleben einen Nachfrageboom - doch ohne positive Auswirkungen auf ihre Investitionstätigkeit in die ostdeutsche Wirtschaft. Die wachsende Nachfrage aus der DDR decken sie fast ausschließlich aus Fabriken im Westen.

Ein Neubeginn scheitert in vielen Fällen auch an den unklaren Eigentumsverhältnissen. Das Vermögensgesetz mit seinem Prinzip "Rückgabe vor Entschädigung" blockiert die Investitionstätigkeit. Nach starken wirtschaftlichen Einbrüchen setzt 1992 ein nur allmähliches Wachstum in den neuen Ländern ein. Der "Aufbau Ost" wird als Gemeinschaftsleistung von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft getragen. In einem Solidarpakt vereinbaren am 13. März 1993 die Bundesregierung, die Ministerpräsidenten der Bundesländer sowie die Spitzen der politischen Parteien ein 10-Punkte-Programm zur Finanzierung der deutschen Einheit.

(ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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