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Schriftsteller und Drehbuchautor
- 1937
- 30. September: Jurek Becker wird in Lódz/Polen in eine jüdische
Familie geboren. Sein Vater, Mieczyslaw Becker, ist Prokurist in einer
Textilfabrik, seine Mutter Anette (Geburtsname: Lewin) Näherin.
Beckers Geburtsurkunde ging im Krieg verloren. Das Jahr 1937 wird von
seinem Vater als Geburtsjahr angegeben. Vermutlich hat er seinen Sohn
"älter gemacht", um ihn vor der Deportation aus dem Ghetto
zu bewahren.
- 1939-1945
- Becker wächst im Ghetto in Lódz auf und wird später zusammen
mit seiner Mutter in den Konzentrationslagern
Ravensbrück und Sachsenhausen inhaftiert. Seine Mutter stirbt kurz
nach der Befreiung an Unterernährung, seinen Vater, der nach Auschwitz
deportiert worden war, findet er mithilfe einer amerikanischen Suchorganisation
wieder.
- 1945
- Übersiedlung nach Ost-Berlin, wo Becker Deutsch lernt.
- 1955-1957
- Nach dem Abitur wird Becker Mitglied der Freien Deutschen Jugend
(FDJ) und 1957 auch der Sozialistischen
Einheitspartei Deutschlands (SED). Außerdem dient er zwei
Jahre freiwillig bei der Kasernierten
Volkspolizei (KVP). Hier lernt er Manfred
Krug kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbindet.
- 1957-1960
- Studium der Philosophie an der Humboldt-Universität Berlin.
1960 wird Becker aus politischen Gründen vom Studium ausgeschlossen.
- 1960
- Becker beginnt ein Studium an der Filmhochschule Babelsberg.
- 1961-1977
- Ehe mit der Dekorateurin
Erika Hüttig. Aus der Verbindung gehen zwei Söhne hervor.
- 1962-1977
- Tätigkeit als DEFA-Drehbuchautor und anschließend als
freiberuflicher Schriftsteller in Ost-Berlin. Becker schreibt unter
anderem Texte für das Kabarett "Die Distel" und für die Filme
"Wenn ein Marquis schon Pläne macht" (1962), "Gäste im Haus"
(1963), "Zu viele Kreuze" (1963/64) und "Immer um den März" (1967).
- 1968
- Veröffentlichung seines ersten Romans "Jakob der Lügner".
Becker erzählt darin die Geschichte von Jakob, der in einem jüdischen
Ghetto während des Zweiten Weltkrieges
vorgibt, ein Radio zu besitzen. Mit erfundenen Nachrichten über
die bevorstehende Befreiung weckt er den Überlebenswillen seiner
Leidensgefährten. Der Roman wird weit über die DDR hinaus
bekannt.
- 1971
- Auszeichnung mit dem Charles-Veillon-Preis und dem Heinrich-Mann-Preis.
- 1972
- Becker wird Mitglied im PEN-Zentrum (Internationale Schriftstellervereinigung)
der DDR.
- 1973
- Verleihung des Bremer Literaturpreises für seinen zweiten Roman
"Irreführung der Behörden", der das Leben eines jungen Schriftstellers
in der DDR beschreibt.
Becker wird Mitglied des Vorstandes des Schriftstellerverbandes.
- 1975
- Verleihung des Nationalpreises der DDR.
- 1976
- Veröffentlichung des Romans "Der Boxer", der das mühselige
Ringen eines ehemaligen Konzentrationslagerinsassen um eine neue Existenz
schildert.
Becker protestiert öffentlich gegen den Ausschluss Rainer
Kunzes aus dem Schriftstellerverband der DDR und ist Mitinitiator
des Protestbriefes gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf
Biermann. Daraufhin wird er aus der SED und auch aus dem Schriftstellerverband
ausgeschlossen.
- 1977
- Becker verlässt die DDR mit einem Zweijahresvisum, das 1979
auf zehn Jahre verlängert wird. Nach einem sechsmonatigen Aufenthalt
in den USA, wo er verschiedene Gastprofessuren innehat, arbeitet Becker
zunächst als Gastprofessor an der Gesamthochschule Essen, anschließend
siedelt er nach West-Berlin über.
- 1978
- Veröffentlichung seines Romans "Schlaflose Tage" in einem westdeutschen
Verlag. Das Buch wird in der DDR nicht verlegt.
- 1979 und 1982
- Verfilmung der Bücher "Der Boxer" und "Schlaflose Tage" für
das Fernsehen.
- 1980
- Veröffentlichung des Romans "Nach der ersten Zukunft".
- 1981
- Gastprofessor an der Universität Augsburg.
- 1983
- Veröffentlichung des Romans "Aller Welt Freund" in dem Becker
seine persönlichen Erfahrungen nach seiner Übersiedlung in
den Westen verarbeitet.
Becker wird Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt.
- 1986
- Becker schreibt die Drehbücher für die ARD-Erfolgsserie
"Liebling Kreuzberg" mit Manfred Krug in der Hauptrolle. Krug, Becker
und Heinz Sirk wird der Adolf-Grimme-Preis in Gold verliehen. Veröffentlichung
des Romans "Bronsteins Kinder", der das Thema Selbstjustiz im Hinblick
auf NS- Verbrechen thematisiert.
Heirat mit der Studentin Christine Harsch-Niemeyer. Aus der Ehe geht
ein Sohn hervor.
- 1989
- Becker hält Poetikvorlesungen an der Universität Frankfurt/Main.
- 1990
- Der Film "Neuner", eine Ehe-Tragikomödie, nach dem Drehbuch
von Becker kommt in die Kinos und wird 1991 mit dem Deutschen Filmpreis
"Filmband in Gold" ausgezeichnet.
Becker wird Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin.
- 1992
- Veröffentlichung des Romans "Amanda herzlos", der sich mit dem
Alltag in der DDR der späten 80er Jahre beschäftigt.
- 1994
- Die Fernsehsatire "Wir sind auch nur ein Volk" wird in der ARD gesendet.
Der Film zu dem Becker das Drehbuch liefert, thematisiert eine "Wende-geschädigte"
DDR-Familie.
- 1996
- Veröffentlichung des Bandes "Ende des Größenwahns",
in dem Aufsätze und Vorträge aus den Jahren 1971 bis 1995
zusammengestellt sind.
- 1997
- 14. März: Jurek Becker stirbt nach einem langen Krebsleiden
in seinem Haus in Sieseby/Schleswig Holstein.
(iz)
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