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Politiker
- 1914
- 14. Dezember: Karl Carstens wird als Sohn eines protestantischen
Studienrates in Bremen geboren. Der Vater fällt bei Beginn des
Ersten Weltkrieges
noch vor der Geburt des Sohnes.
- 1933
- Nach dem Abitur beginnt Carstens ein Studium der Rechtswissenschaften
und der politischen Wissenschaften an den Universitäten Frankfurt/Main,
Dijon/Frankreich, München, Königsberg und Hamburg.
- 1936-1939
- Carstens absolviert die Erste (1936) und Zweite (1939) juristische
Staatsprüfung sowie 1937/38 seine Promotion zum Dr. jur. mit dem
Thema "Der gutgläubige Erwerb von Pfandrechten an Grundstücksrechten"
in Hamburg.
- 1939-1945
- Kriegsdienst bei der Flakartillerie im Zweiten
Weltkrieg.
- 1940
- Dem Aufnahmeantrag in die NSDAP,
den er als Referendar auf Veranlassung des Landgerichtspräsidenten
und unter Androhung beruflicher Nachteile gestellt hatte, wird stattgegeben.
Einer aktiven Mitgliedschaft in der Partei geht Carstens nicht nach.
- 1944
- Heirat mit Veronika Prior, einer Rotkreuzschwester im Lazarettdienst.
Veronika Carstens studiert ab 1956 Medizin und wird später Fachärztin
für innere Medizin.
- 1945
- Eintritt in eine renommierte Anwalts-Sozietät in Bremen.
- 1946-1958
- Diakon an der St.-Petri-Domkirche in Bremen.
- 1948/1949
- Mit einem Jahresstipendium studiert Carstens an der amerikanischen
Yale-Universität in New Haven/Connecticut. Er erwirbt 1949 den
Grad eines Master of Law.
- 1949-1954
- Rechtsberater des Bremer Senats und Bevollmächtigter Bremens
beim Bund.
- ab 1950
- Carstens lehrt an der Universität Köln.
- 1952
- Habilitation an der Universität Köln. Als Privatdozent
hält er Vorlesungen über Staatsrecht und Völkerrecht.
- 1954
- Veröffentlichung der Habilitationsschrift "Grundgedanken der
amerikanischen Verfassung und ihre Verwirklichung".
- 1954-1966
- Tätigkeit im Auswärtigen Dienst.
- 1954/55
- Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland beim Europarat
in Straßburg.
- 1955
- Aufgrund seiner Beschäftigung mit Europafragen wird Carstens
als Experte für Europafragen ins Auswärtige Amt nach Bonn
berufen.
Eintritt in die Christlich
Demokratische Union (CDU).
- 1956
- Veröffentlichung der Schrift "Das Recht des Europarates".
- 1958-1960
- Stellvertretender Leiter und kurz darauf Leiter der politischen Abteilung
West I Europa im Auswärtigen Amt.
- 1960
- Juli: Carstens wird Staatssekretär im Auswärtigen Amt.
Berufung zum Professor für Staats und Völkerrecht an der Universität
Köln.
- 1961
- Juli: Ernennung zum ständigen Vertreter des Bundesaußenministers
Heinrich von Brentano (1904-1964)(CDU) und dessen Nachfolger Gerhard
Schröder (1910-1989)(CDU).
- 1967
- Nach Bildung der Großen
Koalition wird Bundesaußenminister Gerhard Schröder neuer
Bundesverteidigungsminister. Carstens folgt ihm und wird Staatssekretär
im Verteidigungsministerium.
- 1968/69
- Chef des Bundeskanzleramtes bei Kurt
Georg Kiesinger und Staatssekretär der Bundesregierung.
- 1969
- Mit Bildung der sozial-liberalen
Koalition scheidet Carstens aus dem Staatsdienst aus.
- 1970-1972
- Leiter des Forschungsinstituts der Deutschen Gesellschaft für
Auswärtige Politik in Bonn.
- 1971
- Veröffentlichung der Schrift "Politische Führung - Erfahrungen
im Dienst der Bundesregierung".
- 1972-1979
- Mitglied des Bundestages für die CDU.
- 1973
- Februar: Als Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im
Bundestag erregt Carstens mit seiner ersten Rede in der Debatte
um den Grundlagenvertrag
Aufsehen.
Mai: Nach dem Rücktritt von Rainer
Barzel aufgrund der Abstimmungsniederlage im Zusammenhang mit dem
Beitritt
der Bundesrepublik zur UNO wird Carstens neuer Vorsitzender der
CDU/CSU-Fraktion im Bundestag (bis 1976).
- 1976
- Nach dem knappen Wahlsieg der sozial-liberalen Koalition bei den
Bundestagswahlen
wird Carstens im Dezember zum neuen Bundestagspräsidenten gewählt.
- 1979
- Januar: Die CDU/CSU-Fraktion schlägt Carstens gegen starken
Widerstand der SPD und F.D.P. für das Amt des Bundespräsidenten
vor. In Pressekampagnen wird Carstens seine frühere NSDAP-Mitgliedschaft
vorgeworfen.
23. Mai: Wahl zum fünften Bundespräsidenten
der Bundesrepublik Deutschland. Carstens stellt sich in seinen Reden
als Fürsprecher von Leistungswillen, Einsatzwillen und Pflichtbewusstsein
dar. Er bemüht sich um strenge Objektivität und beweist bei
vielen Gelegenheiten Würde, Stil und politische Sensibilität.
Er sucht verstärkt den Dialog zur Jugend und führt die großen
Jugendtreffen in der Villa Hammerschmidt ein.
- 1980
- Staatsbesuche in Irland und Portugal.
- 1981
- Januar: Bei der nationalen Auftaktveranstaltung in der Dortmunder
Westfalenhalle eröffnet Bundespräsident Carstens das "Jahr
der Behinderten".
Staatsreisen nach Indien, Spanien, Rumänien sowie zur EG und zur
Vertretung der NATO in Brüssel, wo er sich gegen eine einseitige
Abrüstung ausspricht.
- 1982
- Januar: Etwa 2.000 Menschen begleiten Bundespräsident Carstens
auf seiner Wanderung in einem Waldgebiet zwischen Hattingen und Essen.
Seit Beginn seiner Amtszeit 1979 hat Carstens die Bundesrepublik bereits
von der Ostsee bis zu den Alpen zu Fuß durchquert.
Staatsreisen führen Carstens nach Jamaika, in die Schweiz, in die
Volksrepublik China sowie nach Italien, wo er unter anderem mit Papst
Johannes Paul II. zusammentrifft.
Im November nimmt er an den Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen
sowjetischen Staats- und Parteichef Leonid Breschnew (geb. 1906) teil
und trifft dort auch mit dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich
Honecker zusammen.
Gründung der Karl und Veronica Carstens-Stiftung mit dem Ziel der
Förderung der Wissenschaft und Forschung von Naturheilkunde und
Homöopathie.
- 1983
- 7. Januar: Als Bundespräsident verfügt Carstens die Auflösung
des Bundestages und setzt Neuwahlen
an, nachdem die Regierung Schmidt durch ein konstruktives
Misstrauensvotum der CDU/CSU und der F.D.P. abgelöst wird.
Carstens rechtlich nicht unumstrittene Entscheidung wird im Februar
1983 vom Bundesverfassungsgericht
bestätigt.
Carstens besucht als erster deutscher Bundespräsident Jugoslawien.
Im gleichen Jahr nutzt er einen Besuch in den USA zu Reden vor dem amerikanischen
Kongress und vor der UN-Vollversammlung.
Herausgeber der Anthologie "Deutsche Gedichte".
- 1984
- Februar: Sein letzter Staatsbesuch führt ihn nach Indonesien.
23. Mai: Wahl von Richard
von Weizsäcker zu seinem Nachfolger als Bundespräsident.
Unter Hinweis auf sein Alter hatte sich Carstens schon früh gegen
eine zweite Amtsperiode ausgesprochen. Nach seinem Ausscheiden aus dem
Amt hält sich Carstens aus politischen Aktivitäten heraus.
Auszeichnung mit dem Karlspreis der Stadt Aachen und der Ehrenbürgerwürde
der Städte Bonn und West-Berlin sowie der Universität Köln.
- 1986
- Juli: Wahl zum Vorsitzenden des "Rates der Älteren" in der CDU.
- 1987
- Auszeichnung mit dem Hanns-Martin-Schleyer-Preis
und der Goldenen Medaille der Humboldt-Gesellschaft.
- 1990
- Verleihung der Goldmedaille der Fondation Jean
Monnet pour l'Europe.
- 1991
- Auszeichnung mit dem Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen
Landsmannschaft.
- 1992
- 30. Mai: Karl Carstens stirbt im Alter von 77 Jahren in Meckenheim
bei Bonn.
- 1993
- Veröffentlichung der autobiographischen Schrift "Erinnerungen
und Erfahrungen".
(iz)
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