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Politiker
- 1894
- 17. April (nach dem nachrevolutionären Kalender): Nikita Sergejewitsch
Chruschtschow wird in Kalinowka/Ukraine als Bergmannssohn geboren.
Er absolviert eine Lehre als Maschinenschlosser und arbeitet später
als Monteur und Mechaniker in Bergwerksbetrieben des Donezgebietes.
- 1918
-
Eintritt in die KP und in die Rote Armee für die er im Bürgerkrieg an der Südfront kämpft.
- 1921
-
Tod seiner Frau Galina Chruschtschowa, mit der er zwei Kinder hat.
- 1922-1925
-
Besuch der Arbeiterfakultät in Charkow, an der er auch aktiv politisch tätig wird.
- 1924
-
Heirat mit Nina Petrowna Kuchartschuk. Aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor.
- 1929-1932
-
Studium an einer Parteihochschule in Moskau.
- 1934
- Wahl zum Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der KPdSU.
- 1935
- Chruschtschow wird erster Sekretär der Parteikomitees von Stadt
und Gebiet Moskau. In diesem Zusammenhang ist Chruschtschow auch für
die Städteplanung zuständig. Für seine Verdienste beim Bau der Moskauer
Untergrundbahn erhält er seinen ersten Lenin-Orden.
- 1938
- Ernennung zum 1. Parteisekretär der Ukraine.
- 1939-1964
- Mitglied des Politbüros der KPdSU. Chruschtschow steht politisch
fest hinter der Linie Josef Stalins
und übersteht sämtliche "Säuberungsaktionen" in der Partei.
- 1941-1945
-
Im
Zweiten Weltkrieg leitet Chruschtschow als Politikkommissar bei den Streitkräften
u.a. den Abtransport des industriellen und landwirtschaftlichen Maschinenparks der Ukraine und organisiert den
ukrainischen Partisanenkampf, ab 1943 im Rang eines Generalleutnants.
- 1945-1949
- Nach Kriegsende baut Chruschtschow die Kommunistische Partei der
Ukraine wieder auf. 1947 wird er als Parteichef abgelöst, bleibt
jedoch Regierungschef der Ukraine.
- 1949
- Sekretär des ZK der KPdSU in Moskau.
- 1953
- 14. März: Nach dem Tod des sowjetischen Staats- und Parteichefs
Josef Stalin am 5. März, wird Chruschtschow unter dem neuen Regierungschef
Georgi M. Malenkow (1902-1988) zu einem der vier Sekretäre der
KPdSU ernannt.
13. September: Wahl zum 1. Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU.
- 1955
- Januar: Chruschtschows kritisiert öffentlich den "Neuen Kurs"
Malenkows.
8. Februar: Auf einer Sitzung des Obersten Sowjet wird ein Brief Malenkows
verlesen, in dem dieser Selbstkritik übt und seinen Rücktritt
erklärt. Der bisherige Verteidigungsminister Nikolai I. Bulganin
(1895-1975) wird zum neuen Regierungschef gewählt.
Juli: Nach Abschluss der Genfer
Gipfelkonferenz, an der er gemeinsam mit Bulganin teilnahm, trifft
Parteichef Chruschtschow zu einem zweitägigen Besuch in Ost-Berlin
ein. Auf einer Kundgebung verkündet er die sowjetische Zweistaatentheorie
für Deutschland, die von einer Teilung Deutschlands ausgeht. Chruschtschow
sagt, dass eine Wiedervereinigung Sache der Deutschen selbst sei
und zunächst eine Annäherung der Bundesrepublik und der DDR
voraussetze. Eine Beseitigung der sozialen Errungenschaften der DDR
komme nicht in Frage.
- 1956
-
25. Februar: Auf einer Geheimsitzung des XX. Parteitages der KPdSU enthüllt Parteichef Chruschtschow die vom ehemaligen
Staats- und Parteichef
Stalin begangenen Verbrechen und übt
vernichtende Kritik an Stalin als Mensch und Staatsmann. Damit beginnen die ersten Ansätze der
Entstalinisierung.
Seine Angriffe auf den Stalinismus und den Personenkult um Stalin haben weitreichende innenpolitische Folgen, die in diesem Umfang nicht erwünscht sind.
Infolge der Aufstände in Polen (Juni 1956) und
Ungarn (Oktober 1956)
kehrt Chruschtschow zu einem harten politischen Kurs zurück.
- 1957
-
Juni/Juli: Nach einem missglückten Versuch, Chruschtschow
zu stürzen, werden politische Gegner, wie Molotow
und Malenkow sämtlicher Partei- und Regierungsämter enthoben.
26. Oktober: Auf Anordnung Chruschtschows wird auch der Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Roten Armee im
Zweiten Weltkrieg
Georgi K. Schukow aus seinen Ämtern entlassen und politisch entmachtet.
Chruschtschow hat nun die beherrschende Stellung in der sowjetischen Politik erlangt.
Sein innenpolitischer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung der Landwirtschaft.
Die Versuche, die Dezentralisierung der Wirtschaftsorganisationen durchzusetzen,
muß er 1962 aus innenpolitischen Gründen wieder revidieren.
- 1958
-
27. März: Bulganin tritt das Amt des Ministerpräsidenten an Chruschtschow ab.
Damit sind die höchsten sowjetischen Staats- und Parteiämter wieder in einer Person vereinigt.
In der Außenpolitik
propagiert Chruschtschow die Maxime der "friedlichen Koexistenz" ohne zu größeren Konzessionen bereit zu sein. In der
Deutschen Frage
zeigt er eine zunehmend harte Haltung, die durch jährliche Besuche in der DDR unterstrichen wird.
10. November: Auf einer Kundgebung in Moskau fordert Chruschtschow eine Revision des
Potsdamer Abkommens
und kündigt an, die Sowjetunion werde ihren Teil der Kontrolle über Berlin an die DDR Übertragen.
Damit löst Chruschtschow die sogenannte
Berlin-Krise aus.
27. November: In Noten an die drei Westmächte, die Bundesrepublik und die DDR fordert Chruschtschow, Berlin
binnen sechs Monaten zu entmilitarisieren
und als freie Stadt in eine "selbständige politische Einheit" umzuwandeln. Bei Nichterfüllung dieses
"Berlin-Ultimatums" würde die Sowjetunion ihre Berlin-Rechte auf die DDR übertragen.
31. Dezember: In gleichlautenden Noten an die sowjetische Regierung lehnen die USA, Frankreich und Großbritannien
Chruschtschows Forderungen mit Bezug auf Berlin vom 27. November ab - die Sowjetunion dürfe nicht einseitig
bestehende Verträge aufkündigen.
- 1959
-
19. März: In einer Presseerklärung erkennt Chruschtschow die Berlin-Rechte der früheren
westalliierten Besatzungsmächte an und nimmt das
Berlin-Ultimatum
von 1958 zurück.
15.-27. September: Auf Einladung von US-Präsident
Dwight D. Eisenhower trifft
Chruschtschow als erster sowjetischer Regierungschef zu einem Besuch in den USA ein. Nach Begrüßung auf dem
Washingtoner Luftwaffenstützpunkt Andrews durch Präsident Eisenhower
tritt er eine zweiwöchige Rundreise durch die USA an. Die letzten drei Tage des Besuches sind Gesprächen
zwischen Chruschtschow und Eisenhower in der abgeschiedenen Atmosphäre von Camp David/Maryland vorbehalten.
Das Gipfeltreffen wird als versöhnlicher Schritt gewertet. Chruschtschow propagiert erneut die friedliche Koexistenz von
Ost und West. Eine Annäherung in der Berlin- und
Deutschlandfrage
kann allerdings nicht entwickelt werden.
- 1960
-
1. Mai: Ein US-amerikanisches Aufklärungsflugzeug wird über sowjetischem
Territorium abgeschossen. Der Zwischenfall liefert den Beweis für US-Luftspionage. Auf der
Gipfelkonferenz der vier Großmächte am 16./17. Mai in Paris, greift Chruschtschow die USA wegen des Vorfalls an, was zum
Scheitern der Gipfelkonferenz führt: Während die westlichen Regierungschefs den Pariser Gipfel zu retten versuchen,
unternimmt Chruschtschow am 17. Mai eine Landpartie durch die Provence.
14. Oktober: Chruschtschow nimmt an der UN-Vollversammlung teil. Im Verlauf einer
stürmischen Debatte um die Entkolonialisierung zerbricht dem Konferenzvorsitzenden der
Ordnungshammer. Der sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow nutzt die
Gelegenheit, seinem Protest Ausdruck zu verleihen, hämmert mit seinem Schuh auf das
Rednerpult und verläßt anschließend die Versammlung.
- 1961
-
3. Juni: Chruschtschow und der amerikanische Präsident
John F. Kennedy treffen in Wien zu einem
zweitägigen Meinungsaustausch über Abrüstungsfragen und das
Berlin-Problem zusammen.
Trotz einer betont freundlichen Atmosphäre bleibt das Treffen ergebnislos.
4. Juni: Chruschtschow überreicht Kennedy in Wien ein Memorandum zur Deutschlandpolitik, das sogenannte Berlin-Memorandum.
Darin schlägt er die Umwandlung West-Berlins in eine entmilitarisierte und
neutrale Stadt vor und fordert den Abschluß eines Friedensvertrages. Das Memorandum wird erst am 11. Juni veröffentlicht.
Bundeskanzler Adenauer lehnt eine Entmilitarisierung Berlins ab; auch die drei Westmächte zeigen eine ablehnende Haltung.
13. August: Bewaffnete Volkspolizisten der DDR riegeln Ost-Berlin gegen West-Berlin ab. Der
Mauerbau beginnt.
In der Folgezeit zeigen sich deutliche Risse im Ostblock, besonders im Verhältnis zu Albanien und der Volksrepublik China, die
sich zu einem heftigen ideologischen Konflikt zwischen der chinesischen und der sowjetischen Kommunistischen Partei ausweiten.
- 1962
- September: Chruschtschow entschließt sich zur offenen Unterstützung
Fidel Castros auf Kuba und sagt die Versorgung mit Waffen und militärischen
Ausbildern zu. Kurz darauf warnt er die USA vor einem Angriff auf Kuba,
da dies den Ausbruch des 3. Weltkrieges zur Folge hätte. Daraufhin
ermächtigt der US-amerikanische Senat Präsident Kennedy, "notfalls
mit Waffengewalt gegen Versuche vorzugehen, von Kuba aus den Kommunismus
auf andere lateinamerikanische Länder zu übertragen". Präsident
Kennedy erklärt, dass die USA Kernwaffen einsetzen werden,
wenn sie von Kuba aus angegriffen würden oder wenn West-Berlin
in Gefahr geriete.
Oktober: Nachdem Luftaufnahmen die Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen
auf Kuba bestätigt haben, beginnen die USA mit eine Seeblockade
gegen sowjetische Frachter auf Kuba. Der kubanische Staatschef Fidel
Castro erklärt die Mobilmachung.
28. Oktober: Aufgrund des außenpolitischen Drucks ordnet Chruschtschow den Abzug der sowjetischen Angriffswaffen aus Kuba an.
Die sogenannte Kuba-Krise ist damit beigelegt.
- 1963
- Juni: Als Reaktion auf die Kuba-Krise beschließen die USA und
die UdSSR die Errichtung einer direkten Fernschreibleitung zwischen
den Amtssitzen des US-Präsidenten in Washington und des sowjetischen
Staatschef in Moskau. Der sogenannte "heiße Draht" wird am 31.8.
von Chruschtschow und Kennedy in Betrieb genommen.
August: Als weiteres Zeichen einer Verständigung der Großmächte
gilt die Vereinbarung zwischen den USA, Großbritannien und der
Sowjetunion über eine begrenzte Einstellung der Atomtests, dem
sogenannten Atomteststopp-Abkommen, in Moskau.
- 1964
- 14. Oktober: Chruschtchow wird durch das Zentralkomitee der KPdSU
vom Amt des Staats- und Parteichefs enthoben. Als Hintergrund der Aktion
wird der sich verschärfende Konflikt mit China und der wirtschaftliche
Misserfolg betrachtet. Neuer Regierungschef wird der bisherige
Erste stellvertretende Ministerpräsident, Alexej N. Kossygin (1904-1980),
neuer Parteichef der bisherige Vorsitzende des Präsidiums des Obersten
Sowjet und einstiger Schützling Chruschtschows, Leonid I. Breschnew
(1906-1982).
- 1966
-
Verlust des Sitzes im ZK, seinem letzten ihm verbliebenen Amt.
Chruschtschow lebt danach zurückgezogen auf einer Datscha bei Moskau.
- 1971
-
Veröffentlichung seiner Memoiren unter dem deutschen Titel "Chruschtschow erinnert
sich".
11. September: Nikita S. Chruschtschow stirbt in Moskau an Herzversagen.
(iz/reh)
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