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Journalistin und Widerstandskämpferin
- 1909
- 2. Dezember: Marion Hedda Ilse Gräfin Dönhoff wird auf
dem Familiensitz Schloss Friedrichstein in Ostpreußen geboren.
Ihr Vater, August Karl Graf Dönhoff, ist ein Mitglied des Preußischen
Herrenhauses und Reichstagsabgeordneter, ihre Mutter Ria von Lepel eine
Palastdame der Kaiserin Auguste Viktoria. Marion Gräfin Dönhoff
wächst als jüngstes von sieben Kindern in einer halb-feudalen
Gesellschaft auf.
- ab 1932
- Volkswirtschaftsstudium in Frankfurt/Main. Die Wahl des Studienfachs
erwächst aus den Erfahrungen der Wirtschaftskrise während
der 20er Jahre: "...ich wollte einfach mehr begreifen von den Zusammenhängen,
auch für Friedrichstein."
- 1933
- Nach der Machtergreifung
zeigt Marion Gräfin Dönhoff öffentlich ihre Ablehnung
des NS-Regimes. Sie
versucht die Hakenkreuzfahne vom Dach der Universität zu entfernen
und reißt Plakate, die Dozenten als Juden und Linke anprangern,
von den Wänden. Sie verteilt Flugblätter gegen die Nationalsozialisten
und wird wegen ihrer Sympathien für die Linken als die "rote Gräfin"
bekannt. Um einer Verfolgung zu entgehen, wechselt sie nach Basel.
- 1935
- Promotion über die Entstehung und Verwaltung des Dönhoffschen
Familienbesitzes.
- ab 1935
- Gräfin Dönhoff entzieht sich durch längere Reisen,
u.a. nach Afrika, dem nationalsozialistischen Deutschland.
- 1937
- Rückkehr nach Ostpreußen und Einarbeitung in die Verwaltung
der Familiengüter.
- 1939
- Bei Kriegsbeginn wird ihr ältester Bruder Heinrich eingezogen.
Marion Gräfin Dönhoff übernimmt allein die Gutsverwaltung.
- 1940-45
- Marion Gräfin Dönhoff führt das Doppelleben einer
regimetreuen Gräfin und Widerstandskämpferin.
Sie beteiligt sich am Widerstand unter Helmuth
James Graf von Moltke, Peter
Graf Yorck von Wartenburg und Claus
Schenk Graf von Stauffenberg. Sie leitet Mitteilungen an ausländische
Diplomaten in der Schweiz weiter, hält die Verbindung zwischen
den Mitgliedern des Widerstandes und knüpft Kontakte zu weiteren
Sympathisanten.
- 1944
- 20.
Juli: Graf Stauffenbergs Attentat auf Hitler scheitert. Rund 200
Menschen werden hingerichtet, darunter fast alle Beteiligten des 20.
Juli. Im Zuge zahlloser Verhaftungen gerät auch Marion Gräfin
Dönhoff unter Verdacht. Die Gestapo lässt sie aber nach einem
Verhör wieder frei.
- 1945
- 24. Januar: Beim Einmarsch der sowjetischen Streitkräfte muss
Marion Gräfin Dönhoff die Güter in Ostpreußen verlassen
und in den Westen fliehen. Schloss Friedrichstein wird vollständig
zerstört.
In zwei Memoranden an die britischen Besatzungskräfte will sie
über die Hintergründe des Nationalsozialismus aufklären.
Sie finden bei den Briten keine Beachtung.
Oktober: Marion Dönhoff reist nach Nürnberg, um den Nürnberger
Prozessen beizuwohnen. Sie kritisiert das einseitige Deutschlandbild
der Alliierten, das die Existenz eines deutschen Widerstands leugnet.
- ab 1946
- Die Redaktion der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT wird auf die Verfasserin
der zwei Memoranden aufmerksam. Marion Gräfin Dönhoff wird
als freie Mitarbeiterin aufgenommen. Sie wird für ihre kritischen
Artikel bekannt. Überwiegend basieren sie auf ihren Erfahrungen
im Widerstand, dem Verlust der Heimat und dem Wunsch nach Frieden und
internationaler Zusammenarbeit.
- 1955
- Gräfin Dönhoff wird Ressortleiterin für Politik und
stellvertretende Chefredakteurin der ZEIT. Als scharfe Kritikerin Konrad
Adenauers tritt sie für eine versöhnende Ost-Politik und
die deutsche Wiedervereinigung ein.
- 1961
- 13. August: Beginn des Berliner Mauerbaus.
Marion Gräfin Dönhoff gelingt es, die Grenze nach Ost-Berlin
zu übertreten und verfasst einen Kommentar über die Vorgänge:
"Wir sind dem Abgrund ein gut Stück näher gerückt".
- 1962
- Das Buch "Namen, die keiner mehr kennt: Ostpreußen, Menschen
und Geschichte" erscheint. In dem Bestseller berichtet sie von ihrer
Flucht im Jahr 1945.
- 1964
- Marion Gräfin Dönhoff setzt ihr Engagement für eine
aktive deutsche Ostpolitik fort und beteiligt sich an der Publikation
"Reise in ein fernes Land - Wirtschaft und Politik in der DDR".
- 1968
- Marion Gräfin Dönhoff wird Chefredakteurin der ZEIT.
- 1970
- Dezember: In Anerkennung ihres Einsatzes zur Versöhnung zwischen
Ost und West lädt Bundeskanzler
Willy Brandt Marion Gräfin
Dönhoff ein, ihn zur Unterzeichnung des Warschauer
Vertrags zu begleiten. Vor dem Hintergrund der persönlichen
Verluste in Ostpreußen sagt sie mit großem Bedauern ab.
Brandt bringt ihrem Entschluss tiefen Respekt entgegen.
- 1971
- Für ihr Engagement für Frieden und Versöhnung mit
den osteuropäischen Ländern wird Marion Gräfin Dönhoff
der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen.
- 1972
- Marion Gräfin Dönhoff wird Herausgeberin der ZEIT. Auch
weiterhin veröffentlicht sie Artikel, widmet sich nun aber stärker
eigenen Publikationen.
- 1976
- In dem Buch "Menschen, die wissen, worum es geht" legt sie am Beispiel
von 17 Persönlichkeiten die politischen Auswirkungen auf das Leben
der Menschen zwischen den Jahren 1916 und 1976 dar.
- 1983
- Gräfin Dönhoffs Kommentare zu 40 Jahren amerikanischer
Außen- und Innenpolitik erscheinen unter dem Titel "Amerikanische
Wechselbäder".
- 1985
- Eine weitere Sammelpublikation auf Basis ihrer ZEIT-Artikel erscheint
unter dem Titel "Weit ist der Weg nach Osten".
- 1987
- In dem Buch "Preußen - Maß und Maßlosigkeit" lässt
sie neben historischen Beobachtungen auch persönliche Erfahrungen
einfließen.
- 1988
- "Kindheit in Ostpreußen" ist eine autobiographische Schrift,
in der sie ihre Kindheit und Jugend schildert.
Marion Gräfin Dönhoff wird der Heinrich-Heine-Preis der Stadt
Düsseldorf verliehen. In ihrer Dankesrede kritisiert sie das gegenseitige
Töten in den besetzten israelischen Gebieten und ruft damit heftige
Kritik beim Zentralrat
der Juden in Deutschland hervor, der ihr einen "Mangel an Sensibilität"
vorwirft.
- 1991
- Marion Gräfin Dönhoff befasst sich in "Polen und Deutsche"
mit dem schwierigen Verhältnis zwischen den beiden Ländern.
- 1992
- Das von Marion Gräfin Dönhoff gestiftete neue Kant-Denkmal
wird in Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg, enthüllt.
- 1994
- "Um der Ehre willen" wird veröffentlicht: Vor dem Hintergrund
ihrer persönlichen Erlebnisse und Beziehungen zu den Attentätern
vom 20.
Juli zeichnet sie die geschichtlichen Abläufe bis zum gescheiterten
Attentat nach.
- 1996
- Alice Schwarzer veröffentlicht
eine Biographie über das Leben Marion Gräfin Dönhoffs:
"Marion Dönhoff - Ein widerständiges Leben".
- 1999
- Gräfin Dönhoff erhält den Bruno-Kreisky-Preis. Hannes
Swoboda, Leiter der SPÖ-Delegation im Europäischen Parlament,
hebt bei der Verleihung ihre prägende Rolle in der 50jährigen
Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hervor.
- 2002
- Marion Gräfin Dönhoff
verstirbt am 11. März im Alter von 92 Jahren.
(br/nc)
© Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
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