1897-1977

 

Ludwig Erhard

Photo: Ludwig Erhard stellt sein Buch "Wohlstand für alle" vor, 1957
Plakat: Wahlplakat mit Ludwig Erhard,1957

Politiker

Ludwig Erhard ist von 1963 bis 1966 der zweite Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Der promovierte Ökonom gelangt nach dem Krieg rasch in hohe politische Ämter und ist besonders erfolgreich als Bundesminister für Wirtschaft (1949-1963) in den Kabinetten von Bundeskanzler Adenauer. Mit seiner Unterstützung der Sozialen Marktwirtschaft und dem Ziel „Wohlstand für alle“ ist Erhard eine der zentralen Figuren des deutschen Wirtschaftswunders.


1897

4. Februar: Ludwig Erhard wird in Fürth als Sohn des Textilwarenhändlers Wilhelm Philipp Erhard und seiner Frau Augusta, (Geburtsname: Hassold) geboren.
1913-1916
Nach dem Besuch der Realschule absolviert Erhard eine kaufmännische Lehre in Nürnberg.
1916-1918
Erhard nimmt als Artillerist am Ersten Weltkrieg teil und wird 1918 bei Ypern an der Westfront schwer verwundet.
1919-1922
Studium an der Handelshochschule Nürnberg.
1922-1925
Studium der Betriebswirtschaft, Nationalökonomie und Soziologie an der Universität Frankfurt/Main. Promotion zum Dr. rer. pol. über das währungspolitische Thema "Die Bedeutung der Welteinheit".
1923
Heirat mit Luise Schuster. Aus der Ehe geht eine Tochter hervor.
1925-1928
Erhard arbeitet als Geschäftsführer im elterlichen Betrieb.
1928-1942
Wissenschaftlicher Assistent und später Stellvertretender Leiter des "Instituts für Wirtschaftsbeobachtung der deutschen Fertigware" in Nürnberg. Das Institut betreibt in erster Linie Konsumforschung.
1940-1945
Im Auftrag der deutschen Zivilverwaltung betreut Erhard die lothringische Glasindustrie.
1942
Erhard verlässt das "Institut für Wirtschaftsbeobachtung" und gründet mit dem "Institut für Industrieforschung" ein eigenes Konsumforschungsinstitut, das von der Reichsgruppe Industrie finanziert wird.
1944
März: Fertigstellung der Denkschrift "Kriegsfinanzierung und Schuldenkonsolidierung", in der Erhard von der Voraussetzung eines für Deutschland verlorenen Krieges ausgeht.
Juli: Unmittelbar vor dem Attentat vom 20. Juli übersendet er die Denkschrift Carl Friedrich Goerdeler, der im Zentrum des zivilen Widerstandes gegen das NS-Regime steht. Noch auf der Flucht verfasst Goerdeler ein Memorandum, in dem er seinen Freunden Erhard als Berater empfiehlt.
1945/46
Mitglied des bayerischen Kabinetts unter Wilhelm Hoegner als Wirtschaftsminister.
1947
Als Leiter der Expertenkommission "Sonderstelle Geld und Kredit" bei der Verwaltung der Finanzen der britisch-amerikanischen Bizone ist Erhard mit der Vorbereitung der Währungsreform betraut.
Erhard wird Honorarprofessor für Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität München.
1948
März: Der Wirtschaftsrat der Bizone wählt Erhard zum Direktor der Verwaltung für Wirtschaft.
April: Bei einer Programmrede vor dem Wirtschaftsrat akzentuiert Erhard stark die Konsumgüterindustrie.
Juni: Parallel zur Währungsreform leitet Erhard in den westlichen Besatzungszonen die Aufhebung der Bewirtschaftung und die Freigabe der Preise ein.
1949
Juni: Erhard erklärt sich bereit, als Kandidat der Christlich Demokratischen Union (CDU) in Württemberg-Baden für die ersten Bundestagswahlen anzutreten, ohne Mitglied der CDU zu sein.
Juli: In den "Düsseldorfer Leitsätzen" macht sich die CDU der britischen Besatzungszone Erhards wirtschaftspolitisches Konzept der Sozialen Marktwirtschaft zu eigen.
September: Nach den Wahlen zum 1. Deutschen Bundestag wird Erhard Wirtschaftsminister im 1. Kabinett Adenauer
1950
Erhard wird Honorarprofessor für Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Bonn.
1951
6. März: Der amerikanische Hohe Kommissar John McCloy verlangt von der Bundesregierung zur Bewältigung der Folgen des Korea-Krieges eine "bedeutsame Modifizierung der Marktwirtschaft". Nach Rücksprache mit Erhard lehnt Bundeskanzler Adenauer in seiner Antwort vom 27. März den Übergang zu einer rüstungsbezogenen staatlichen Wirtschaftslenkung ab.
1952
25. Juli: Mit Inkrafttreten der Montanunion wird Erhard Mitglied des Ministerrates der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS).
14. August: Die Abkommen über den Beitritt der Bundesrepublik zur Weltbank sowie zum Internationalen Währungsfond werden unterzeichnet und treten damit für Deutschland in Kraft. Erhard wird deutscher Gouverneur der Weltbank.
Oktober: Erhard beruft den Wirtschaftsexperten Alfred Müller-Armack ins Bundeswirtschaftsministerium.
1953
Veröffentlichung seines Buchs "Deutschlands Rückkehr zum Weltmarkt".
Nach den Wahlen zum 2. Deutschen Bundestag wird Erhard erneut Bundeswirtschaftsminister im Kabinett Adenauer.
1955
13. September: Ansprache Erhards bei der 10. Jahresversammlung der Weltbank und des IWF (Internationaler Währungsfond) in Istanbul über Entwicklungshilfe.
19. Oktober: Regierungserklärung Erhards zum Konjunkturprogramm der Bundesregierung, das konjunkturelle Dämpfungsmaßnahmen zur Preisstabilisierung vorsieht.
1956
23. Mai: Adenauer kritisiert in einer Rede vor dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) im Kölner Gürzenich die Konjunkturpolitik der Bank Deutscher Länder, Wirtschaftsminister Erhards und Finanzminister Fritz Schäffers.
1957
21. Januar: Der Bundestag verabschiedet die Rentenreform, die rückwirkend zum 1. Januar in Kraft tritt. Erhards am Produktivitätsfortschritt orientierte dynamische Rentenformel kommt darin nicht zum Zuge.
Februar: Erhards programmatische Schrift "Wohlstand für alle" erscheint.
29. Oktober: Nach den Wahlen zum 3. Deutschen Bundestag wird Erhard im 3. Kabinett Adenauer Vizekanzler und Wirtschaftsminister.
1959
24. Februar: Adenauer schlägt gegen den Willen Erhards dessen Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten vor.
3. März: Erhard lehnt eine Kandidatur für die Bundespräsidentenwahl endgültig ab.
1960
27. September: Erhard fordert vor der Weltbank eine Entwicklungshilfe-Politik im Sinne der "Hilfe zur Selbsthilfe".
1961
10. Oktober: Bei den Beratungen des EWG-Ministerrats über einen britischen EWG-Beitritt in Paris betont Erhard als amtierender Präsident den Zwang zum Erfolg und den Zusammenhang von europäischer Integration und atlantischer Gemeinschaft.
14. November: Nach den Wahlen zum 4. Deutschen Bundestag wird Erhard erneut Vizekanzler und Wirtschaftsminister.
1962
Erhards Buch "Deutsche Wirtschaftspolitik" erscheint.
1963
29. Januar: Den Abbruch der EWG-Beitrittsverhanbdlungen mit Großbritannien kommentiert Erhard im deutschen Fernsehen mit den Worten "Eine schwarze Stunde Europas".
23. April: Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion nominiert mit 159 zu 47 Stimmen Erhard zum Kanzlerkandidaten.
16. Oktober: Nach dem Rücktritt Adenauers wählt der Deutsche Bundestag Erhard mit 279 zu 180 Stimmen zum Bundeskanzler.
18. Oktober: In seiner Regierungserklärung vor dem Bundestag kündigt Erhard eine "Politik der Mitte und der Verständigung" und einen "neuen politischen Stil" an.
21.-23. November: Erster Arbeitsbesuch Erhards als Bundeskanzler bei dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle.
28./29. Dezember: Erhard besucht den amerikanischen Präsidenten Lyndon B. Johnson (1908-1973) in Texas.
1964
4. November: Das Bundeskabinett lehnt eine Verlängerung der Verjährungsfristen für NS-Verbrechen gegen die Stimme Erhards ab.
1965
7. März: Bundeskanzler Erhard kündigt die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel und die Einstellung der Wirtschaftshilfe für Ägypten an.
13. Mai: Nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel am 12. Mai brechen die arabischen Staaten mit Ausnahme Tunesiens, Marokkos und Libyens die diplomatischen Beziehungen zur Bundesrepublik ab.
20. Oktober: Nach den Bundestagswahlen vom 19. September wählt der Deutsche Bundestag Ludwig Erhard erneut zum Bundeskanzler.
10. November: In seiner Regierungserklärung vor dem Bundestag präsentiert Erhard ein "Programm der Sparsamkeit und Nüchternheit" um den Konjunkturschwankungen entgegenzuwirken.
1966
23. März: Die CDU wählt Erhard zu ihrem Bundesvorsitzenden.
24.-28. September: Erhard verhandelt in Washington erfolglos mit Präsident Johnson über einen Zahlungsaufschub beim Devisenausgleich (Stationierungskosten).
27. Oktober: Der Minister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit Walter Scheel tritt aus Protest gegen die am Vortag getroffenen Haushaltsentscheidungen von seinem Amt zurück, die übrigen FDP-Minister schließen sich auf Druck der FDP-Bundestagsfraktion an.
10. November: Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion nominiert Kurt Georg Kiesinger zum Kanzlerkandidaten.
1. Dezember: Rücktritt Ludwig Erhards als Bundeskanzler. Sein Nachfolger wird Kiesinger mit einer Regierung der Großen Koalition.
1967
Mai: Wahl Kiesingers zum CDU-Vorsitzenden; Erhard wird Ehrenvorsitzender.
1969
9. Mai: Bundeskanzler Kiesinger entscheidet sich gegen eine D-Mark Aufwertung, die der Wirtschaftsminister Karl Schiller (SPD) und Erhard befürworten.
28. September: Bei den Wahlen zum 6. Deutschen Bundestag wird Erhard erneut in den Bundestag gewählt.
1972
19. November: Bei den Wahlen zum 7. Deutschen Bundestag erringt Erhard erneut ein Mandat für die CDU-Fraktion. Im vorhergehenden Wahlkampf erregte seine gemeinsam mit dem kurz zuvor aus der SPD ausgetretenen Karl Schiller veröffentlichte Presseanzeigenserie zur Politik der freien Marktwirtschaft Aufsehen.
13. Dezember: Erhard eröffnet als Alterspräsident den 7. Deutschen Bundestag.
1976
3. Oktober: Bei den Wahlen zum 8. Deutschen Bundestag wird Erhard als Spitzenkandidat der baden-württembergischen CDU wiedergewählt.
14. Dezember: Erhard eröffnet erneut als Alterspräsident den Deutschen Bundestag.
1977
4. Februar: Zu seinem 80. Geburtstag erhält Erhard zahlreiche Ehrungen als "Vater des Wirtschaftswunders".
5. Mai: Ludwig Erhard stirbt in Bonn an Herzversagen.
11. Mai: Staatsakt aus Anlass des Todes Ludwig Erhards im Plenarsaal des Deutschen Bundestages.
12. Mai: Nach dem Trauergottesdienst in Tegernsee wird Erhard auf dem Bergfriedhof in Gmund beigesetzt.

(db/iz) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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