
|
Politiker
- 1927
- 21. März: Hans-Dietrich Genscher wird als Sohn von Kurt Genscher,
eines Syndikus des Landwirtschaftsverbandes, und seiner Frau Hilda (Geburtsname:
Kreime) in Reideburg/Saalkreis geboren.
- 1933
- Umzug der Familie Genscher nach Halle an der Saale.
- 1937
- Tod des Vaters.
- ab 1937
- Besuch des Realgymnasiums in Halle.
- ab 1942
- Mitgliedschaft in der Hilterjugend
(HJ).
- 1943/44
- Genscher wird Flakhelfer und später zum Reichsarbeitsdienst eingezogen.
- 1945
- Noch in den letzten Monaten des Zweiten
Weltkrieges zur Wehrmacht eingezogen, kommt Genscher zuerst in amerikanische,
anschließend in britische Gefangenschaft.
- 1946
- Abitur an der Friedrich-Nietzsche-Oberschule in Halle.
Eintritt in die Liberal-Demokratische Partei (LDPD).
- 1946-1949
- Studium der Rechtswissenschaften in Halle und in Leipzig.
- 1949-1952
- Referendarexamen in Leipzig und anschließend Referendar im
Oberlandesgerichtsbezirk Halle.
- 1952
- Genscher verlässt die DDR und siedelt in die Bundesrepublik
nach Bremen über.
Eintritt in die Freie
Demokratische Partei (FDP).
- 1952-1954
- Arbeit als Referendar im Oberlandesgerichtsbezirk Bremen. Abschluss
der Ausbildung mit der zweiten juristischen Staatsprüfung in Hamburg.
- 1954
- Wahl zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der Jungdemokraten
in Bremen.
- 1954-1956
- Anwaltsassessor und Rechtsanwalt in Bremen.
- 1956-1959
- Wissenschaftlicher Assistent der Bundestagsfraktion der FDP in Bonn.
- 1958-1966
- Verheiratet mit Luise Schweizer. Aus der Ehe geht eine Tochter hervor.
- 1959-1965
- Fraktionsgeschäftsführer der FDP im Bundestag, ab 1962
gleichzeitig Bundesgeschäftsführer der FDP.
- 1965-1998
- Mitglied des Bundestages.
- 1965-1969
- Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion.
- 1966
- Mitglied des Landesvorstandes der FDP von Nordrhein-Westfalen.
- 1968-1974
- Stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender.
- 1969-1974
- Bundesminister des Inneren im ersten und zweiten Kabinett der sozial-liberalen
Koalition unter Bundeskanzler Willy
Brandt.
- 1969
- 24./25. Juli: Genscher reist zusammen mit Walter
Scheel und Wolfgang Mischnick (geb. 1921) zu Gesprächen mit dem
sowjetischen Ministerpräsidenten Alexej N. Kossygin (1904-1980) nach
Moskau.
Oktober: Heirat mit Barbara Schmidt.
- 1972
- 13. September: Genscher teilt mit, dass eine Spezialtruppe des Bundesgrenzschutzes
(GSG 9) aufgestellt werden soll, um Terroranschlägen, wie sie in München
bei den Olympischen Spielen stattgefunden haben, begegnen zu können.
- 1974-1982
- Bundesminister des Auswärtigen und Vizekanzler im dritten, vierten
und fünften Kabinett der sozial-liberalen Koalition unter Bundeskanzler
Helmut Schmidt. Genscher steht
für eine Ausgleichspolitik zwischen Ost und West und entwickelt
eigene Strategien für eine aktive Entspannungspolitik.
- 1974-1985
- Bundesvorsitzender der FDP als Nachfolger von Walter Scheel. 1985
verzichtet Genscher auf das Amt des Bundesvorsitzenden und schlägt
Martin Bangemann zu seinem Nachfolger vor.
- 1974
- Genscher beteiligt sich maßgeblich an den Verhandlungen über
den Text der KSZE-Schlussakte
in Helsinki.
- 1975
- Auszeichnung mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern
und Schulterband.
- 1976
- Dezember: Die Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York nimmt
den Vorschlag von Genscher über eine Anti-Terrorismus-Konvention an.
Darin wird unter anderem festgelegt, auf Forderungen von Geiselnehmern
unter keinen Umständen einzugehen.
- 1978
- Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst.
- 1980
- 30. Juni-1. Juli: Bundeskanzler Schmidt und Genscher reisen zu Gesprächen
nach Moskau. Die sowjetische Führung erklärt sich bereit, über die vom
NATO-Doppelbeschluss
Mittelstreckenwaffen (Intermediate Nuclear Forces/INF) mit den USA zu
verhandeln.
- 1982
- Nach dem Austritt der FDP-Mitglieder aus dem Kabinett Schmidt tritt
Genscher - ungeachtet der Proteste des linksliberalen Flügels der
FDP - für Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU
ein. Genscher unterstützt das
konstruktive Misstrauensvotum gegen Schmidt und setzt sich für
den Kanzlerwechsel
ein.
- 1982-1992
- Bundesminister des Auswärtigen und Vizekanzler im ersten, zweiten
und dritten Kabinett der christlich-liberalen Koalition unter Bundeskanzler
Helmut Kohl. Zu seinen erklärten
Zielen zählen die Weiterführung der Entspannungspolitik und
des Ost-West-Dialogs mit der sich wandelnden UdSSR, sowie das Zusammenwachsen
der EG. Besonders ab 1987 wirbt Genscher für eine "aktive Entspannungspolitik"
als Antwort des Westens auf die sowjetischen Bemühungen.
- 1984
- 21. Juli: Genscher trifft zu einem zweitägigen Besuch in der iranischen
Hauptstadt Teheran ein. Genschers Besuch, der erste eines westeuropäischen
Außenministers seit der islamischen Revolution von 1979, stößt vielfach
auf Kritik.
- 1984-1985
- Präsident des NATO-Rates
und Präsident des Ministerrates der Westeuropäischen
Union.
- 1986
- Auszeichnung mit dem Großkreuz der französischen Ehrenlegion.
- 1988
- Januar: Genscher trifft im Rahmen seines Polenbesuchs mit dem Vorsitzenden
der verbotenen Gewerkschaft "Solidarnosc", Lech Walesa (geb. 1943),
zusammen. In dem Gespräch sichert Genscher der polnischen Opposition
Unterstützung bei ihrem Eintreten für demokratische Reformen zu.
Februar: In einer Rede vor der in Genf tagenden UN-Abrüstungskonferenz
fordert Genscher ein weltweites Verbot chemischer Waffen.
- 1989
- Einsatz für eine wirksame Unterstützung der politischen
Reformprozesse in Polen und Ungarn.
30. September: Genscher verkündet nach Verhandlungen mit Vertretern
Ost-Berlins und Prags, dass alle DDR-Flüchtlinge,
die sich in den deutschen Botschaften in Prag und Warschau befinden,
ausreisen dürfen.
26. Dezember: Genscher und sein tschechischer Amtskollege Jiri Dienstbier
(geb. 1937) schneiden in einem symbolischen Akt den Grenzzaun zwischen
beiden Staaten am Übergang Waidhaus-Roßhaupt durch.
- 1990
- Genscher beteiligt sich an dem ersten (Bonn), zweiten (Berlin) und
dritten (Paris) Außenministertreffen der "2
+ 4"-Gespräche über die äußeren Aspekte
der deutschen Einheit.
November: In Warschau unterzeichnen Genscher und sein polnischer Amtskollege
Krzysztof Skubiszewski (geb. 1926) den deutsch-polnischen Grenzvertrag
über die Festlegung der Oder-Neiße-Linie als polnische Westgrenze.
- 1991
- Infolge der Bemühungen Genschers ist Deutschland das erste EG-Land,
das Slowenien und Kroatien anerkennt.
- 1992
- Auf eigenen Wunsch Rücktritt als Außenminister und Vizekanzler.
Ernennung zum Ehrenvorsitzenden der FDP.
Wahl zum Präsidenten der Europäischen
Bewegung Deutschland.
Verleihung des Großen Verdienstkreuzes Polens und Ungarns.
- 1994/95
- Honorarprofessor am Fachbereich Politische Wissenschaften der FU
Berlin.
- 1998
- Aufsichtsratsvorsitzender der WMP EUROCOM AG Berlin (Kommunikationsberatung
in den Bereichen Wirtschaft, Medien und Politik).
April: Genscher hält seine Abschiedsrede im Bundestag und wird
mit stehendem Applaus aller Parteien verabschiedet.
- 1999
- Wiederaufnahme der anwaltlichen Tätigkeit in der Sozietät
Büsing, Müffelmann & Theye, Büro Berlin.
- 2000
- Geschäftsführender Gesellschafter der Hans-Dietrich Genscher
Consult GmbH.
- 2001-2003
- Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige
Politik (DGAP).
- 2002
- Ehrendoktorwürde der Universität Stettin.
- 2003
- Genscher erhält die Ehrendoktorwürde der Universität
Leipzig.
Ehrenmitglied des "Club of Budapest", einer Nichtregierungsorganisation,
die sich für ganzheitliches, global verantwortliches Denken einsetzt.
Genscher gehört zu den 17 ehemaligen europäischen Spitzenpolitikern,
die nach dem Irak-Krieg in einem offenen Brief zur Einigkeit mit den
USA aufrufen.
- 2004
- Verleihung des Erich-Kästner-Preises.
- 2006
- Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung.
(iz)
© Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
|