geb. 1948

 

Gregor Gysi

Photo: Gregor Gysi, 1991

Politiker und Rechtsanwalt

1948
16. Januar: Gregor Gysi wird in Berlin als Sohn einer alteingesessenen Familie mit jüdischen Vorfahren geboren. Sein Vater Klaus Gysi wird später Kulturminister, Botschafter und schließlich Staatssekretär für Kirchenfragen der DDR.
1954-1966
Besuch der Polytechnischen Oberschule (POS) und ab 1962 der Erweiterten Oberschule (EOS).
Schulabschluss mit dem Abitur und Lehrabschluss als Facharbeiter für Rinderzucht.
1962
Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ).
1963
Mitglied des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB).
1966-1970
Studium der Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin.
1967
Aufnahme in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED).
1970/71
Assistentenausbildung am Stadtbezirksgericht Berlin-Friedrichshain und im Rechtsanwaltskolleg.
ab 1971
Gysi wird zum Rechtsanwalt zugelassen. Er verteidigt unter anderem die Systemkritiker Rudolf Bahro, Robert Havemann, Ulrike Poppe und Bärbel Bohley.
1976
Promotion an der Humboldt-Universität zum Dr. jur. mit einer Dissertation über den sozialistischen Rechtsverwirklichungsprozess.
1988/89
Vorsitzender des Kollegiums der Rechtsanwälte Berlin und des Rates der Vorsitzenden der Anwaltskollegien der DDR.
1989
November: Gysi beteiligt sich an der Vorlage eines Gegenentwurfs der Rechtsanwälte zum Reisegesetzentwurf der DDR-Regierung.
Er erwirkt die Genehmigung zur Großdemonstration am 4. November in Berlin, bei der er auch als Redner auftritt und ein neues Wahlrecht sowie ein Verfassungsgericht fordert.
Dezember: Gysi ist Mitglied des Arbeitsausschusses zur Vorbereitung des außerordentlichen Parteitages der SED und verantwortlich für die Untersuchung von Amtsmissbrauch und Korruption.
1989-1993
Vorsitzender der SED-PDS, die 1990 in "Partei des Demokratischen Sozialismus" (PDS) umbenannt wird.
1989/90
Vertreter der PDS am Runden Tisch.
1990
März-Oktober: Abgeordneter der Volkskammer und Vorsitzender der PDS-Fraktion. In dieser Position kritisiert er den Staatsvertrag über die Währungs-, und Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik und der DDR und plädiert für eine Vereinigung unter den Bedingungen des Artikels 146 des Grundgesetzes, der eine neue Verfassung für beide Staaten vorsieht.
1990-2002
Mitglied des Deutschen Bundestages.
1990-1998
Vorsitzender der Abgeordnetengruppe Linke Liste/ PDS im Deutschen Bundestag.
1992
Gysi widerspricht dem Verdacht inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit gewesen zu sein.
November: Verzicht auf eine erneute Kandidatur für den PDS-Vorsitz.
ab 1993
Gysi verzichtet auf eine erneute Kandidatur zum Parteivorsitz. Nachfolger wird Lothar Bisky.
1995
Januar: Zusammen mit Lothar Bisky und Hans Modrow stellt Gysi ein Strategiepapier zur Abgrenzung von stalinistischen Auffassungen vor. Gysi bemüht sich verstärkt um eine Anerkennung der PDS in den alten Bundesländern.
1996
Februar: Der Bundestag hebt die Immunität von Gysi auf. Gegen ihn laufen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Hausfriedensbruch im Zusammenhang mit der Besetzung von Räumen der "Unabhängigen Kommission für das DDR-Parteivermögen" in Berlin. Im April 1998 wird Gysi für schuldig befunden und zu 8.000 D-Mark Strafzahlung verurteilt.
Juli: In einem Interview betont Gysi die Bereitschaft der PDS, mit der SPD zusammenzuarbeiten.
1997
Januar: Gysi scheidet aus dem Vorstand der PDS aus.
März: Die Gauck-Behörde legt dem Bundestag eine Stellungnahme vor, in der sie den Schluss zieht, Gysi habe entgegen seinen Behauptungen von 1978 bis 1989 als inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gearbeitet. Gysi weist diese Anschuldigungen entschieden zurück. Der Vorstand der PDS erklärt sich mit ihm solidarisch.
Veröffentlichung seiner Autobiographie unter dem Titel "Das war's. Noch lange nicht".
1998
Mai: Der Immunitätsausschuss des Deutschen Bundestages stellt fest, dass Gysi für das MfS gearbeitet habe. Die PDS und die FDP stimmen dem Papier nicht zu. Gysi legt erneut Klage gegen die Feststellung ein. Die PDS wählt ihn zum Spitzenkandidaten für die Landesliste zur Bundestagswahl.
September: Gysi zieht als PDS-Fraktionsvorsitzender in den Bundestag ein.
2000
April: Auf dem Parteitag der PDS in Münster/Westfalen kündigen Parteichef Lothar Bisky (geb. 1941) und Bundestagsfraktionsvorsitzender Gysi den Rückzug aus ihren Ämtern an.
3. Oktober: Gysi zieht sich als Vorsitzender der PDS-Bundestagsfraktion zurück.
2001
Veröffentlichung des Buches "Ein Blick zurück, ein Schritt nach vorn", in dem er sich mit dem deutschen Einigungsprozess und der Berliner Republik befasst.
2002
17. Januar: Gysi wird zum Berliner Bürgermeister und Senator für Wirtschaft, Arbeit und Frauen in einer SPD-PDS-Koalition gewählt.
1. Februar: Gysi gibt sein Bundestagsmandat ab.
31. Juli: Rücktritt vom Amt des Wirtschaftssenators und Bürgermeisters wegen seines Fehlverhaltens in der sogenannten Flugmeilen-Affäre. Nachfolger wird der bisherige Chef der Berliner PDS-Fraktion Harald Wolf (geb.1956).
Gysi betätigt sich in den folgenden Jahren wieder als Anwalt.
2003
Veröffentlichung des Buches "Was nun? Über Deutschlands Zustand und meinen eigenen".
2004
Gysi muss sich einer Herz- und einer Gehirnoperation unterziehen.
2005
September: Bei der Bundestagswahl 2005 ist er Spitzenkandidat der PDS, die sich in "Die Linkspartei.PDS" umbenennt. Das Wahlbündnis "Die Linke." mit der neu gegründeten Partei WASG erzielt 8,7 Prozent der Wählerstimmen. Gysi wird erster Fraktionsvorsitzender, sein Stellvertreter ist Oskar Lafontaine.
Dezember: Gysi wird Mitglied der WASG ("Arbeit und soziale Gerechtigkeit - die Wahlalternative").

(iz/nc/reh) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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