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Chemiker und Politiktheoretiker
- 1910
- 11. März: Robert Hans Günther Havemann wird als Sohn eines
Lehrers in München geboren.
- 1929-1933
- Studium der Chemie an den Universitäten München und Berlin.
- 1932
- Eintritt in die Kommunistische
Partei Deutschlands (KPD) und Tätigkeit für die Kommunistische
Internationale (Komintern).
- 1933-1935
- Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Krankenhaus Moabit.
Abschluss mit der Promotion zum Dr. phil an der Berliner Universität
mit einer Arbeit über "Ideale und reale Eiweißlösungen".
Mitglied der Widerstandsgruppe
"Neu-Beginnen".
- 1934
- Heirat mit Antje Hasenclever. Die Ehe wird 1947 wieder geschieden.
- 1936/37
- Mitarbeiter der Militärärztlichen Akademie und 1937 Assistent
am Pharmakologischen Institut der Berliner Universität.
- 1942
- Gründungsmitglied und Leiter der Widerstandsgruppe "Europäische
Union".
- 1943
- März: Habilitation an der Universität Berlin mit einer
Arbeit über "Methämoglobinverbindungen".
September: Zusammen mit seiner Widerstandsgruppe wird Havemann durch
die Gestapo verhaftet.
Dezember: Havemann wird durch den Volksgerichtshof wegen Hochverrats
zum Tode verurteilt.
- 1944/1945
- Die Vollstreckung des Todesurteils wird immer wieder aufgeschoben.
Havemann wird ein Labor im Zuchthaus eingerichtet, damit er "kriegswichtige
Forschungen" betreiben kann.
- 1945
- Befreiung aus dem Zuchhaus durch die Rote Armee.
Nach Kriegsende wird Havemann zunächst Verwaltungsdirektor des
Krankenhauses Neukölln und Leiter der Kaiser-Wilhelm-Institute
in Berlin-Dahlem.
- 1946
- Havemann erhält eine Professur für Kolloidchemie am Physikalisch-Chemischen
Institut der neu eröffneten Ost-Berliner Humboldt-Universität.
Schwerpunkte seiner Tätigkeit liegen auf Eiweißforschung,
Fotochemie und bei der Entwicklung neuer physikalisch-chemischer Messgeräte.
- 1948
- Havemann wird als Leiter der Kaiser-Wilhelm-Institute in West-Berlin
abgelöst, bleibt aber vorerst Abteilungsleiter am Instiut für
Physikalische Chemie und Elektrotechnik in Berlin-Dahlem.
- 1949
- Havemann wird in den dritten deutschen Volkskongress, die spätere
Volkskammer
der DDR, als Abgeordneter des Kulturbundes gewählt und bleibt bis
1963 Volkskammermitglied.
Heirat mit Karin von Trotha. Die Ehe wird 1966 wieder geschieden.
- 1950
- Februar: Der West-Berliner Senat entlässt Havemann fristlos
aus seiner Stelle bei den Kaiser-Wilhelm-Instituten.
Ernennung zum kommissarischen Direktor des Physikalisch-Chemischen Institutes
der Humboldt-Universität.
Vorsitzender des Berliner Friedenskomitees. In West-Berlin wird Havemann
nach einer Aktion des Komitees kurzzeitig verhaftet.
- 1950-1954
- Studentendekan beziehungsweise Prorektor für Studentenangelegenheiten
an der Humboldt-Universität Berlin.
- 1951
- Aufnahme in die Sozialistische
Einheitspartei Deutschlands (SED).
- 1952
- Ernennung zum Professor für angewandte physikalische Chemie
und zum Direktor des gleichnamigen Institutes an der Humboldt-Universität.
- seit 1956
- Havemann vertritt in Aufsätzen, Vorlesungen und Diskussionen
Ansichten, die der Parteidoktrin widersprechen. Sein Aufsatz "Meinungsstreit
fördert die Wissenschaften" stößt auf offene Kritik
durch das SED-Parteiorgan "Neues Deutschland".
- 1957-62
- Prodekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität.
- 1959
- Auszeichnung mit dem Nationalpreis II. Klasse der DDR.
- 1960
- Gründer und nebenamtlicher Leiter der "Arbeitsstelle für
Photochemie" an der Deutschen Akademie der Wissenschaften (DAW) in Ost-Berlin.
- 1961
- Wahl zum Korrespondierenden Mitglied der DAW in Berlin.
- 1962
- Havemann hält in Leipzig einen Vortrag mit dem Titel "Hat die Philosophie
den modernen Naturwissenschaften bei der Lösung ihrer Probleme geholfen?".
- 1963/64
- Havemann hält eine Vorlesungsreihe über "Naturwissenschaftliche
Aspekte philosophischer Probleme" an der Humboldt-Universität Berlin.
In seinen Vorträgen äußert er verstärkt kritische
Ansichten, wofür er in der Öffentlichkeit heftig angegriffen
wird.
- 1964
- Februar: Auf dem 5. Zentralkomitee-Plenum der SED wird Havemann von
verschiedenen Mitgliedern wegen seiner Reden und Vorlesungen attackiert.
März: Havemann wird aus der Partei ausgeschlossen, aus seinem Amt
entlassen und ihm wird Hausverbot für die Humboldt-Universität
erteilt.
April: Berufung zum hauptamtlichen Leiter der Arbeitsstelle für
Photochemie der DAW.
Mai: Veröffentlichung seiner Vorlesungen unter dem Titel "Dialektik
ohne Dogma" in der Bundesrepublik Deutschland.
- 1965
- Mai: Die westdeutsche Wochenzeitung "Die Zeit" veröffentlicht Havemanns
Artikel "Ja ich hatte Unrecht. Warum ich Stalinist war und Antistalinist
wurde."
Dezember: Fristlose Entlassung und Hausverbot für die DAW.
- 1966
- März: Havemann wird als Mitglied der DAW gestrichen.
- 1970
- In einem bundesrepublikanischen Verlag erscheint Havemanns Bericht
"Fragen, Antworten, Fragen - aus der Biographie eines deutschen Marxisten".
- 1973
- Heirat mit Annedore (Katja) Grafe.
- 1975
- Havemann wird auf Beschluss der SED von der Liste der antifaschistischen
Widerstandskämpfer gestrichen.
- 1976
- Havemann protestiert gegen die Ausbürgerung Wolf
Biermanns.
November: Über Havemann und seine Familie wird Hausarrest verhängt.
- 1978
- Mai: Der Hausarrest gegenüber Havemann wird aufgehoben.
In der Bundesrepublik wird die Schrift "Ein deutscher Kommunist. Rückblicke
und Perspektiven aus der Isolation" veröffentlicht.
- 1979
- Prozess gegen Havemann wegen Verstoßes gegen das Devisengesetz
der DDR und Verurteilung zu einer Geldstrafe von 10.000 Mark.
- 1980
- Engagement für die polnische Solidarnosc-Bewegung und die unabhängige
Friedens-
und Ökologiebewegung in der DDR.
In der Bundesrepublik wird seine Schrift "Morgen. Industriegesellschaft
am Scheideweg" veröffentlicht.
- 1982
- Mitunterzeichner des "Berliner-Appells" "Frieden schaffen ohne Waffen"
von Rainer Eppelmann.
9. April: Robert Havemann stirbt in Grünheide bei Berlin.
- 1989
- November: Die Zentrale Parteikontrollkommission der SED rehabilitiert
Havemann mit der Erklärung, Havemann habe "zum damaligen Zeitpunkt
politisch richtige Einschätzungen und Wertungen der Politik der
Partei vorgenommen".
Schreiben:
Begründung der Entlassung Havemanns, 1965
(iz)
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