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Politiker und Jurist
- 1899
- 23. Juli: Gustav Walter Heinemann wird in Schwelm/Westfalen als Sohn
eines Krankenkassen-Direktors geboren.
- 1917-1918
-
Nach Ablegung des Notabiturs in Essen wird Heinemann Soldat im
Ersten Weltkrieg. Aus gesundheitlichen Gründen wird er nicht an der Front eingesetzt.
- 1918-1921
-
Studium der Rechtswissenschaft, Volkswirtschaft und Geschichte in Münster, Marburg,
München, Göttingen und Berlin. Heinemann engagiert sich aktiv in Studentengruppen der Deutschen Demokratischen Partei (DDP).
- 1922
- Promotion zum Dr. phil. in Marburg.
- 1926
- Nach juristischem Vorbereitungsdienst und Assessorexamen wird Heinemann
Rechtsanwalt in Essen.
Heirat mit Hilda Ordemann. Aus der Ehe gehen vier Kinder hervor.
- 1928-1936
-
Justitiar und Prokurist bei den Rheinischen Stahlwerken in Essen.
- 1929
- Promotion zum Dr. jur. in Münster.
- 1933-1939
-
Dozent für Berg- und Wirtschaftsrecht an der Universität Köln.
- 1936-1949
- Bergwerksdirektor bei den Rheinischen Stahlwerken in Essen.
- ab 1934
- Mitglied der Bekennenden
Kirche.
- 1936-1950
-
Vorsitzender des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) in Essen.
- 1945
- Einsetzung als Bürgermeister von Essen durch die britische
Besatzungsmacht.
Mitbegründer der Christlich
Demokratischen Union (CDU) in Essen.
- 1945-1967
- Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.
- 1946-1949
-
Gewählter Oberbürgermeister von Essen.
- 1947-1950
- Abgeordneter des Landtages von Nordrhein-Westfalen.
- 1947/48
-
Justizminister von Nordrhein-Westfalen.
- 1948-1961
-
Mitglied der Kommission für Internationale Angelegenheiten des Weltkirchenrates.
- 1949/50
- Bundesinnenminister im ersten Kabinett Adenauer.
- 1949-1955
-
Präses der Synode der Evangelischen Kirchen Deutschlands.
- 1950
- Oktober: Der überzeugte Pazifist Heinemann tritt vom Amt des
Bundesinnenministers zurück, als Adenauer den Westmächten
ohne Wissen des Kabinetts einen bundesdeutschen Wehrbeitrag
anbietet. In einer Wiederbewaffnung
sieht Heinemann eine Blockierung der Deutschland-Politik.
- 1951
-
Herbst: Heinemann gründet die "Notgemeinschaft für den Frieden Europas", in der er die Gegner
der bundesdeutschen Wiederbewaffnung sammeln will.
- 1952
-
Austritt aus der CDU.
Gemeinsam mit Helene Wessel gründet er die "Gesamtdeutsche Volkspartei" (GVP), die in einer
Neutralitätspolitik die einzige Chance für eine Wiedervereinigung sieht.
- 1957
-
Mai: Auflösung der "Gesamtdeutschen Volkspartei".
Nach seinem Eintritt in die SPD wird Heinemann erneut Mitglied des Bundestages
und gehört dem SPD-Fraktionsvorstand an.
- 1958
- 23. Januar: In einer Bundestagsdebatte erhebt Heinemann schwere Vorwürfe
gegen Bundeskanzler
Adenauer, dem er vorwirft, eine verfehlte Außenpolitik zu betreiben
und Chancen zu einer deutschen Wiedervereinigung nicht genutzt zu haben.
Den polnischen Rapacki-Plan zur Schaffung einer atomwaffenfreien Zone in ganz Deutschland
bezeichnet er als Einstiegsmöglichkeit ins Ost-West-Gespräch.
- 1961
-
August: Kurz nach dem
Mauerbau
erklärt Heinemann, am Brandenburger Tor habe Adenauer die Antwort auf seine Deutschlandpolitik bekommen.
- 1962
-
Nach der
Spiegel-Affäre
vertritt Heinemann als Rechtsanwalt die Zeitschrift "Der Spiegel" vor Gericht.
- 1964
- Gemeinsam mit dem Historiker Eugen Kogon (1903-1987) besucht Heinemann
Moskau.
- 1966
-
Veröffentlichung seiner Reden und Aufsätze unter dem Titel "Verfehlte Deutschlandpolitik - Irreführung und Selbsttäuschung".
- 1966-1969
-
Bundesjustizminister in der Regierung der
Großen Koalition.
Als Justizminister gelingt ihm die
große Strafrechtsreform.
Mit Nachdruck setzt er sich für die Beseitigung der
Verjährungsfrist
bei Mord, vor allem im Hinblick auf die
NS-Verbrechen, ein.
- 1969
-
5. März:
Wahl zum Bundespräsidenten
der Bundesrepublik Deutschland.
Vor allem im Ausland wird seine Wahl positiv aufgenommen. So bezeichnet ihn die britische
Zeitung "Daily Telegraph" als "Aushängeschild eines anständigen Deutschen".
November: Staatsbesuch in den Niederlanden.
Veröffentlichung seiner Reden und Aufsätze unter dem Titel "Plädoyer für den Rechtsstaat".
- 1969-1974
- Als Bundespräsident
der Bundesrepublik Deutschland setzt sich Heinemann mit Nachdruck
für die Neue
Ostpolitik von Bundeskanzler Willy
Brandt ein.
Durch die Unbestechlichkeit seines Urteils, seine Besonnenheit und die Bescheidenheit seines
Auftretens bleibt Heinemann als Bundespräsident weitgehend von Kritik verschont.
- 1970
-
Mai: Während seines Staatsbesuchs in Japan besucht er die Weltausstellung in Osaka, Tokyo und
Hiroshima.
Sommer: Staatsbesuch in Dänemark und Schweden.
Herbst: Staatsbesuch in Norwegen.
- 1971
-
März: Staatsbesuch in den südamerikanischen Ländern Venezuela, Kolumbien und Ecuador.
April: Attentatsversuch eines zwanzigjährigen Gärtners aus Hamburg auf den Bundespräsidenten
Heinemann.
Mai: Staatsbesuch in Rumänien.
- 1972
-
Staatsbesuche in der Schweiz und in Großbritannien.
- 1973
-
Staatsbesuche in Italien, im Vatikanstaat und in Luxemburg.
Heinemann verzichtet aus Altersgründen auf eine erneute Kandidatur für das
Bundespräsidentenamt.
- 1974
-
Staatsbesuch in Belgien.
1. Juli: Heinemann scheidet offiziell aus seinem Amt aus. Sein Nachfolger wird
Walter Scheel.
Dezember: In einem Brief an die Terroristin Ulrike
Meinhof appelliert er für einen Abbruch des Hungerstreiks der
Baader-Meinhof-Gruppe,
lehnt es aber in der Folge ab, zwischen den Häftlingen und der
Justizvollzugsanstalt zu vermitteln.
- 1976
-
7. Juli: Gustav Heinemann stirbt in Essen.
In zahlreichen Nachrufen wird er "als eine Persönlichkeit
von hohem moralischem Anspruch, als unbequemer Mahner und ein im Christentum
fest verwurzelter Politiker" gewürdigt.
Erklärung: Bundespräsident Heinemanns Verfügung für den Todesfall, 11. Mai 1972
(db/iz)
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