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Politikerin
- 1947
- 29. November: Petra Karin Lehmann wird als Tochter deutscher Eltern
in Günzburg/Donau geboren.
Der Vater verlässt die Familie, als sie sieben Jahre alt ist. Die
Mutter arbeitet ganztags, so dass die Tochter von der Großmutter
aufgezogen wird. Nach der Heirat der Mutter mit dem amerikanischen Offizier
John E. Kelly ändert sich der Familienname in Kelly.
- 1960
- Nachdem die Familie Kelly in die USA übergesiedelt ist besucht
Kelly dort die High School.
- 1966-1970
- Studium der Politischen Wissenschaften und Weltpolitik an der American
University in Washington. Abschluss mit dem Grad Bachelor of Arts (BA).
Während ihres Studiums ist sie Mitglied im Studentenrat, organisiert
politische Seminare und beteiligt sich an Demonstrationen gegen den
Vietnamkrieg sowie gegen die Rassendiskriminierung.
- 1968
- Kelly engagiert sich im Präsidentschaftswahlkampf in den Büros
der Senatoren Robert Kennedy (1925-1968) und Hubert Humphrey (1911-1978).
- 1970/71
- Kelly kehrt nach Europa zurück und studiert Politische Wissenschaften
und Europäische Integration an der Universität von Amsterdam.
Abschluss mit einem Master Degree (MA).
Zeitgleich arbeitet sie als Forschungsassistentin am "Europa Institut".
- 1971
- Praktikantin bei der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel.
- 1972-1982
- Kelly ist für die Europäische Kommission in Brüssel
tätig. Zunächst arbeitet sie als Verwaltungsreferendarin im
Wirtschafts- und Sozialausschuss, später als Verwaltungsrätin
im Sekretariat der Fachgruppen Sozialfragen, Umweltschutz, Gesundheitswesen
und Verbrauch.
- 1972-1979
- Aktives Mitglied im Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz
(BBU).
Kelly betätigt sich in Gremien wie der "Deutschen Friedensgesellschaft
- Vereinigte Kriegsdienstgegner e.V.", der "Humanistischen Union", dem
"Bund für soziale Verteidigung e.V.", der "Union Syndicale" in
Brüssel und der "Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie
Aktion", Lüchow-Dannenberg. Außerdem unterstützt sie
auch gewaltfreie Ökologie-, Frauen- und Friedensbewegungen in den
USA, in zahlreichen europäischen Ländern, Japan und in Australien.
- 1973
- Nachdem ihre Halbschwester Grace Patricia 1970 an Krebs gestorben
ist, gründet sie die "G.P. Kelly-Vereinigung zur Unterstützung
der Krebsforschung für Kinder e.V.". Die Vereinigung entwirft in
Form einer Bürgerinitiative ein psychosoziales Betreuungsmodell
für krebs- und chronisch kranke Kinder und fördert aus Spendenaufkommen
weitere Projekte dieser Art.
- 1979
- Austritt aus der SPD.
Kelly wird Mitglied des BBU-Vorstandes und zuständig für internationale
Kontakte.
Gründungsmitglied der Partei Die
Grünen, für die sie bundesweite Listenführerin bei
den Wahlen des Europäischen Parlaments wird.
- 1980
- März: Kelly wird neben August Haußleiter (1905-1989) und
Norbert Mann (geb. 1943) einer der drei Sprecher des Bundesvorstands
der Partei der Grünen.
- 1981
- Oktober: Auf dem Parteitag der Grünen in Offenbach wird Kelly
erneut in den Vorstand gewählt.
- 1982
- Oktober: Bei den bayerischen Landtagswahlen tritt Kelly als Spitzenkandidatin
an. Die Grünen scheitern mit 4,6% an der Fünf-Prozent-Hürde.
November: Auf dem Parteitag der Grünen verzichtet Kelly entsprechend
des Rotationsprinzips auf eine erneute Kandidatur für das Sprecheramt
im Bundesparteivorstand.
Kelly wird mit dem Alternativen Friedens-Nobelpreis ausgezeichnet.
- 1983
- März: Nach den Bundestagswahlen
gelangt Kelly über die bayerische Landesliste in den Bundestag,
wo sie bis 1990 Mitglied bleibt. Zusammen mit Otto
Schily und Marieluise Beck-Oberdorf (geb. 1952) wird sie in den
"Sprecherrat" der Fraktion gewählt. Außerdem wird sie Mitglied
des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten.
Mai: Protest auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin.
September: Teilnahme an den Sitzblockaden in Mutlangen und Bittburg.
Veröffentlichung der Schrift "Um Hoffnung kämpfen. Gewaltfrei
in eine grüne Zukunft".
Die amerikanische Frauenorganisation "Women Strike for Peace" verleiht
ihr den Preis "Frau des Jahres".
- 1985
- Kelly zieht in Bonn mit ihrem Freund und Parteikollegen, dem früheren
General Gert Bastian (1922-1992), zusammen.
Kelly unterwirft sich als einzige Grünen-Politikerin nicht dem
Rotationsprinzip und bleibt auf Beschluss der Bundestagsfraktion im
Auswärtigen Ausschuss als stellvertretendes Mitglied.
Innerhalb der Partei wird Kelly immer mehr zur idealistischen Einzelkämpferin.
- 1987
- Januar: Nach den Bundestagswahlen wird Kelly erneut Bundestagsabgeordnete.
Februar: Teilnahme am Moskauer Friedensforum. In Moskau trifft sie mit
Andrej Sacharow (1921-1989) und Michail
Gorbatschow zusammen.
Oktober: Kelly hält ihre erste Rede im Bundestag zum Thema Menschenrechtsverletzungen
in Tibet. Für die von ihr eingebrachte Resolution zur Menschenrechtslage
in Tibet gewinnt sie - erstmalig in der Geschichte des Bundestages -
die Stimmen aller Fraktionen.
- 1990
- Dezember: Vor den Bundestagswahlen
bemüht sich Kelly erfolglos um eine weitere Bundestagskandidatur.
Ende der Legislaturperiode scheidet sie aus dem Bundestag aus.
In einem offenen Brief prangert Kelly "Selbstzerfleischung und fruchtlose,
die politischen Aktivitäten lähmende Flügelkämpfe"
der Partei an und mahnt "zu den authentischen grünen Prioritäten
in allen Politikbereichen" zurückzufinden.
Kelly ist Mitherausgeberin der Schrift "Tibet klagt an. Zur Lage in
einem besetzten Land".
- 1991
- April: Kelly tritt als Kandidatin für das Amt der Vorstandssprecherin
der Grünen an und erhält nur rund 30 Stimmen.
- 1991/92
- Kelly kümmert sich mit großem Idealismus um die Belange
der Ureinwohner Australiens, der Indianer in Amerika und die Probleme
Tibets.
Körperlich lassen ihre Kräfte stark nach und gleichzeitig
nimmt die Abhängigkeit von ihrem Lebensgefährten Bastian zu.
Verbürgt sind ihre Worte: "Wenn Gert nicht mehr ist, will ich auch
nicht mehr sein."
- 1992
- Februar: Kelly übernimmt die Moderation des TV-Umweltmagazins "Fünf
vor Zwölf".
1. Oktober: Nach Angaben der Polizei wird Kelly im Schlaf von ihrem
Lebensgefährten Gert Bastian erschossen, der sich anschließend
selbst das Leben nimmt. Ein Abschiedsbrief, der einen Hinweis auf die
Motive geben könnte, wird nicht gefunden. Es bleibt auch ungeklärt,
ob Kelly diesem Ende zugestimmt hat.
Die Leichen von Petra Kelly und Gert Bastian werden mehrere Wochen nach
ihrem Tod in ihrer Wohnung entdeckt.
- 1993
- Alice Schwarzer veröffentlicht
das Buch "Eine tödliche Liebe. Petra Kelly und Gert Bastian". Die
Autorin, die mit den beiden Toten bekannt war, geht der Frage nach,
inwieweit Kelly mit dem gewaltsamen Ende einverstanden war. Ihrer Meinung
nach handelte es sich um Mord.
(iz)
© Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
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