1896-1979

 

Carlo Schmid

Photo: Carlo Schmid im Deutschen Bundestag, 1954

Politiker

1896
3. Dezember: Carlo Schmid wird in Perpignan/Südfrankreich geboren.
1908
Übersiedlung der Familie nach Stuttgart.
1914-1918
Schmid nimmt als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil.
1919-1921
Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Tübingen.
1923
Promotion zum Dr. jur. in Frankfurt/Main mit einer Dissertation über "Die Rechtsnatur der Betriebsvertretungen nach dem Betriebsrätegesetz".
1924
Niederlassung als Rechtsanwalt in Reutlingen.
1925
Schmid tritt in den württembergischen Justizdienst ein. Er ist bis 1927 als Gerichtsassessor, von 1927 bis 1931 als Amtsrichter, anschließend als Landgerichtsrat in Tübingen tätig.
1927/28
Beurlaubt vom württembergischen Justizministerium, wird Schmid Referent am Kaiser-Wilhelm-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Berlin. Teilnahme an den Sitzungen des Ständigen Internationalen Gerichtshofes in Den Haag.
1929
Habilitation in Tübingen mit einer Arbeit über die Rechtsprechung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes.
1930-1940
Privatdozent für Völkerrecht an der Universität Tübingen.
nach 1933
Die Nationalsozialisten schließen Schmid aufgrund mangelnder "weltanschaulicher und politischer Zuverlässigkeit" im Sinne der NS-Ideologie von allen Berufungen und Beförderungen aus.
1940-1944
Schmid wird zur Wehrmacht eingezogen und als juristischer Berater der deutschen Oberfeldkommandantur in Lille zugeteilt.
1945
Die französische Militärverwaltung überträgt Schmid die Organisation des neugebildeten Landes Württemberg-Hohenzollern als Präsident des Staatssekretariats für die französisch besetzte Zone in Tübingen.
1946-1950
Landesvorsitzender der Sozialdemokratischen Partei (SPD) in Südwürttemberg.
1946-1953
Professor für Öffentliches Recht in Tübingen.
1947-1950
Stellvertretender Staatspräsident und Justizminister von Württemberg-Hohenzollern.
1947-1973
Mitglied des Parteivorstandes der SPD.
1948/49
SPD-Fraktionsvorsitzender im Parlamentarischen Rat und Vorsitzender des Hauptausschusses. Schmid ist maßgeblich an der Ausarbeitung des Grundgesetzes beteiligt.
1949-1952
Vorsitzender der Deutschen Gruppe im Parlamentarischen Rat der Europäischen Bewegung.
Vizepräsident der Europa-Union.
1949-1972
Mitglied des Deutschen Bundestags.
1949-1966
Vizepräsident des Deutschen Bundestags.
1950-1966
Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarates in Straßburg.
1953-1966
Professor für Politische Wissenschaften an der Universität Frankfurt/Main.
1955
Auszeichnung mit dem Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
1955-1959
Auf Reisen nach Osteuropa - 1955 mit Konrad Adenauer nach Moskau, 1958 nach Warschau und Krakau und 1959 wiederum nach Moskau - setzt sich Schmid für die Aussöhnung mit dem Osten ein und bereitet insofern die Verträge von Warschau und Moskau (1970) mit vor.
1958-1970
Mitglied des SPD-Präsidiums.
Maßgebliche Beteiligung an der Ausarbeitung des Godesberger Programms (1959) der SPD.
1959
Bei der Bundespräsidentenwahl unterliegt Schmid dem CDU-Kandidaten Heinrich Lübke mit 486 zu 517 Stimmen.
1963-1966
Präsident der Versammlung der Westeuropäischen Union in Paris.
1966-1969
Im Kabinett Kiesinger der Großen Koalition übernimmt Schmid das Amt des Bundesministers für Angelegenheiten des Bundesrates und der Länder.
1969-1972
Vizepräsident des Deutschen Bundestags.
1969-1973
Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarates in Straßburg.
1969-1979
Schmid wird gemäß des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages von 1963 Koordinator der deutsch-französischen Beziehungen. In der Aussöhnung mit dem französischen Nachbarn sieht Schmid eine entscheidende Voraussetzung für die europäische Integration. Sie zählt zu den wichtigsten Antriebsfedern seines politischen Handelns.
1970-1974
Vorstandsmitglied des Deutschen Rats der Europäischen Bewegung.
1972
September: Schmid verzichtet auf eine erneute Kandidatur zum Deutschen Bundestag.
1979
Veröffentlichung der Memoiren, mit deren Abfassung Schmid die letzten Lebensjahre verbringt.
11. Dezember: Carlo Schmid stirbt in Bonn.
Umfrage Meinungsumfrage: Kandidaten für die Nachfolge von Theodor Heuss als Bundespräsident (1959)

(cwg/iz) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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