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Politiker
- 1906
- 11. Juli: Herbert Wehner wird als erster von zwei Söhnen eines Schuhmachers
in Dresden geboren. Der Vater wird 1914 zum Kriegsdienst im Ersten
Weltkrieg eingezogen. Die Mutter verdient sich mit Näharbeiten ein
geringes Einkommen. Früh muss auch der Sohn zum Unterhalt der Familie
beitragen.
- 1921-1924
- Ein Stipendium ermöglicht Wehner, an einer dreijährigen Ausbildung
zum Verwaltungsdienst teilzunehmen. Er schließt die Ausbildung
mit einer der "mittleren Reife" entsprechenden Prüfung
ab. Nebenher besucht er ab 1922 Abendkurse für Volkswirtschaftslehre
und Geschichte der Literatur sowie der Philosophie an der Dresdener Volkshochschule.
Anschließend absolviert Wehner eine kaufmännische Lehre.
- 1923
- Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ), anschließend der
Syndikalischen Arbeiterföderation von Erich
Mühsam.
- 1925/1926
- Wehner gibt die Zeitschrift "Revolutionäre Tat" heraus und schreibt
für Mühsams Zeitung "Fanal".
- 1927
- Eintritt in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD).
Heirat mit der Schauspielerin Lotte Loebinger (1905-1999). Die Ehe wird
später wieder geschieden.
- 1928
- Bezirkssekretär Ostsachsens der Roten
Hilfe Deutschlands.
- 1929
- Sekretär der Revolutionären Gewerkschaftsopposition in Ostsachsen.
- 1930
- Stellvertretender politischer Sekretär der KPD in Sachsen.
- 1930/31
- Mitglied des sächsischen Landtags und stellvertretender Vorsitzender
der KPD-Fraktion. Auf Beschluss der Partei legt er sein Landtagsmandat
nieder.
- 1932/33
- Technischer Sekretär des Politbüros der KPD in Berlin. In dieser Funktion
arbeitet Wehner auch für den Parteivorsitzenden
Ernst Thälmann.
- 1933-1935
- Teilnahme am kommunistischen Widerstand gegen das Nationalsozialistische
Regime. Wehner leistet illegale Parteitätigkeit für die verbotene KPD
im In- und Ausland, wird politisch verfolgt und entgeht wiederholt nur
knapp der Verhaftung.
- 1935
- Wehner emigriert zunächst nach Prag. Auf der sogenannten Brüsseler
Parteikonferenz wird er zum Kandidaten des Politbüros und in das Zentralkomitee
(ZK) der Exil-KPD gewählt.
Wehner beteiligt sich als Vertreter der KPD an den Verhandlungen verschiedener
Linksparteien in Paris über die Bildung einer gemeinsamen "deutschen
Front". Für die Sozialistische Arbeiterpartei (SAP) nimmt Willy
Brandt an den Gesprächen teil.
- 1936
- Tätigkeit in der Auslandsabteilung der KPD in Paris. Während dieser
Zeit gibt er unter anderem die "Informationen von Emigranten" heraus.
- 1937
- Die Partei beruft Wehner nach Moskau. Dort wird er Referent für deutsche
Fragen im Sekretariat der Kommunistischen Internationale (Komintern).
Wehner wird im Zusammenhang mit der Verhaftung Thälmanns durch die Nationalsozialisten
einem Untersuchungsverfahren unterworfen. Das Verfahren wird 1939 eingestellt.
- 1941
- Wehner reist im Parteiauftrag nach Schweden, um von dort aus den
Wiederaufbau der kommunistischen Partei in Deutschland zu organisieren.
- 1942-1944
- Die schwedische Polizei verhaftet Wehner. Er wird wegen "Gefährdung
der schwedischen Freiheit und Neutralität" verurteilt und inhaftiert.
- 1942
- 6. Juni: Ausschluss aus der KPD unter dem Vorwurf des Verrats.
- 1944-1946
- Nach der Entlassung aus der Haft arbeitet Wehner in Schweden zunächst
in einer Viskosefabrik, anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter
in einem Archiv.
- 1944
- Heirat mit Charlotte Burmeister, geborene Clausen.
- 1946
- Rückkehr nach Deutschland.
Wehner tritt der Sozialdemokratischen
Partei Deutschlands (SPD) bei und wird in der SPD-Betriebsgruppenarbeit
aktiv.
Journalist bei der SPD-Zeitung "Hamburger Echo" im Ressort Außenpolitik.
- 1949-1983
- Unterstützt von Kurt Schumacher
kandidiert Wehner erfolgreich für den ersten Deutschen Bundestag.
Er bleibt bis 1983 ununterbrochen Mitglied.
- 1949-1966
- Vorsitzender des Bundestagsausschusses für gesamtdeutsche und Berliner
Fragen. In dieser Funktion setzt er sich für die Wiedervereinigung Deutschlands
ein.
- 1950
- Wehner wird deutscher Berater in Kriegsgefangenenfragen bei der Generalversammlung
der UNO.
- 1952
- Teilnahme an der Sitzung der Kriegsgefangenenkommission der UNO in
Genf als Mitglied der deutschen Delegation.
- 1952-1982
- Mitglied des SPD-Parteivorstandes und des SPD-Präsidiums.
- 1957
- Vorsitzender des Arbeitskreises für Außenpolitik der SPD.
- 1958-1973
- Stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD.
- 1959
- Wehner setzt sich maßgeblich für die Durchsetzung des Godesberger
Programmes ein.
- 1960
- 30. Juni: In einer aufsehenerregenden Bundestagsrede gibt Wehner die
neuen außenpolitischen Ziele der SPD bekannt. Danach bekennt sich die
SPD zur westeuropäischen Integrations- und Bündnispolitik.
- 1961
- 23. April: Wehner gibt die Koalitionsbereitschaft der SPD mit der
Christlich
Demokratischen Union Deutschlands (CDU) bekannt.
- 1966-1969
- Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen in der Großen
Koalition.
- 1969-1983
- Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bundestag. In dieser Funktion setzt
er sich vor allem für die sozial-liberale
Regierung sowie deren Deutschland- und Ostpolitik
ein. Seine Strenge und sein Pflichbewusstsein bringen ihm die Beinamen
"Zuchtmeister" und "Kärrner" der Partei ein.
- 1970
- Wehner besucht mit einer Delegation des SPD-Bundesvorstandes Jugoslawien.
Unter anderem wird er von dem jugoslawischen Staatspräsidenten Josip
Broz Tito empfangen.
- 1971 und 1972
- Wehner hält sich zu offiziellen Besuchen in Polen auf. Seine Gespräche
dienen dazu, das deutsch-polnische Verhältnis zu normalisieren.
- 1973
- Bei einem Besuch in Ost-Berlin kommt es zu einem Zusammentreffen mit
Erich Honecker.
Wehner nimmt an der ersten Reise einer Parlamentarierdelegation in die
Sowjetunion teil. Gegenüber Journalisten äußert er, dass er nicht mit
der harten Regierungslinie im Streit um die konsularische Vertretung
Berlins übereinstimme. Diese Äußerungen führen zu innenpolitischen Auseinandersetzungen,
auch innerhalb der SPD.
- 1974
- Die Agentenaffäre Guillaume
und der darauf folgende Rücktritt Bundeskanzler Brandts tragen zur Verschlechterung
des Verhältnisses zwischen Wehner und Brandt bei.
- 1979
- Wehners zweite Frau Charlotte stirbt.
- 1980
- Wehner eröffnet die konstituierende Sitzung des 9. Deutschen Bundestages
als Alterspräsident.
- 1982
- Veröffentlichung seiner Memoiren unter dem Titel "Zeugnis".
- 1983
- Rückzug aus der aktiven Politik.
Heirat mit seiner langjährigen Mitarbeiterin Greta Burmeister.
- 1990
- 19. Januar: Herbert Wehner stirbt nach langer und schwerer Krankheit
in Bonn.
- 1997
- Markus Wolf veröffentlicht
seine Memoiren unter dem Titel "Spionagechef im geheimen Krieg. Erinnerungen".
Anlass zur öffentlichen Diskussion bieten Passagen über den verstorbenen
Herbert Wehner, die diesen als Einflussagenten der DDR ausweisen. Im
November des Jahres korrigiert sich Wolf und sagt, Wehner habe "nie
und in keiner Weise" im Dienst der DDR gestanden.
(iz)
© Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
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