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Jurist und Politiker
- 1920
- 15. April: Richard von Weizsäcker wird in Stuttgart als viertes
Kind des Diplomaten Ernst von
Weizsäcker und Marianne von Weizsäcker, (Geburtsname:
von Graevenitz), geboren. Seine Kindheit und Jugend verbringt Weizsäcker
aufgrund des Diplomatenberufs des Vaters in der Schweiz, in Dänemark
und in Berlin.
- 1937/38
- Sprachstudien und Besuch von Geschichts- und Philosophievorlesungen
in Oxford/England und Grenoble/Frankreich. Anschließend wird Weizsäcker
zum Reichsarbeitsdienst eingezogen.
- 1938/39
- Weizsäcker tritt in den Militärdienst ein. Von Oktober
bis August erhält er seine Ausbildung im Potsdamer Infanterieregiment
9, wo sein Bruder Heinrich als Leutnant dient.
- 1939-1945
- Weizsäcker ist Soldat im Zweiten
Weltkrieg, zuletzt Hauptmann der Reserve in einem Infanterieregiment.
Unter anderem nimmt er am Überfall
auf Polen im September 1939 und am Krieg
gegen die Sowjetunion 1941 bis 1945 teil. Im April 1945 wird
er in Ostpreußen verletzt und zurück nach Potsdam transportiert.
- 1945-1950
- Studium der Rechtswissenschaften und Geschichte in Göttingen.
- 1948/49
- Als Assistent des Rechtsanwalts Hellmut Becker wird er im Wilhelmstraßen-Prozess
(gegen die Hauptverantwortlichen im Auswärtigen Amt), im Rahmen
der Nürnberger
Kriegsverbrecherprozesse, Hilfsverteidiger seines Vaters Ernst von
Weizsäcker. Ernst von Weizsäcker wird zu sieben Jahren Haft
verurteilt und 1950 vorzeitig entlassen.
- 1950-1953
- Nach dem Referendarexamen im Sommer 1950 arbeitet Weizsäcker
als wissenschaftliche Hilfskraft beim Bergbau der Mannesmann AG in Gelsenkirchen.
- 1953
- Assessorexamen in Düsseldorf.
Heirat mit Marianne von Kretschmann. Aus der Ehe gehen vier Kinder hervor.
- 1953-1958
- Tätigkeit bei der Firma Mannesmann AG Düsseldorf: Zuerst
als Mitglied der Rechtsabteilung, seit 1957 als Leiter der wirtschaftspolitischen
Abteilung.
- 1954
- Eintritt in die Christlich
Demokratische Union (CDU).
- 1955
- Juli: Promotion zum Dr. jur. in Göttingen mit einer Dissertation
über Vereinsrecht mit dem Titel "Der faktische Verein".
- 1958-1962
- Geschäftsleiter des Bankhauses Waldthausen & Co in Essen und
Düsseldorf.
- 1962-1966
- Geschäftsführender Gesellschafter des chemisch-pharmazeutischen
Unternehmens C. H. Böhringer in Ingelheim am Rhein.
- seit 1962
- Mitglied des Präsidiums des Deutschen Evangelischen Kirchentages.
- 1964-1970
- Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages.
- 1965
- Im Anschluss an die Bundestagswahlen
1965
schlägt der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionsvorsitzende
Helmut Kohl Weizsäcker als
Kandidaten für einen Sitz im Bundestag vor. Weizsäcker lehnt
die Kandidatur ab, da sich ein politisches Mandat nicht mit seiner Funktion
als Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages vereinbaren
lässt.
- 1966-1984
- Auf Vorschlag von Helmut Kohl wird Weizsäcker Mitglied des Bundesvorstandes
der CDU.
- 1968
- November: Weizsäcker unterliegt im Wahlmänner-Gremium der
CDU/CSU gegen Gerhard Schröder (1910-1989) bei der Bewerbung um
die Kandidatur zur Bundespräsidentschaft.
- 1968-1975
- Sitz und Stimme im Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der
Kirchen.
- 1969-1981
- Mitglied des Deutschen Bundestages.
- 1969-1984
- Mitglied der Synode und des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.
- 1971-1978
- Erarbeitung des neuen CDU-Grundsatzprogramms unter Weizsäckers
Leitung.
- 1972
- Während der Ratifizierungsdebatten über die Ostverträge
hält Weizsäcker zwei viel beachtete Reden im Bundestag, die
dazu beitragen, dass die CDU/CSU-Opposition durch Stimmenthaltung die
Ratifizierung ermöglicht. Weizsäcker setzt sich vor allem
für den Abschluss des Warschauer
Vertrages ein.
- 1973
- Mai: Kandidatur für den Vorsitz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Niederlage gegen Karl Carstens.
Anschließend bis 1979 Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion.
Weizsäcker nimmt an der ersten Reise einer Parlamentarierdelegation
in die Sowjetunion teil. Angeführt wird die Gruppe von der Bundestagspräsidentin
Annemarie Renger (SPD).
Außerdem nehmen Herbert
Wehner (SPD) , Wolfgang Mischnik (1921-2002) (F.D.P)
und Richard Stücklen (1916-2002)
(CSU) teil.
- 1974
- Mai: Weizsäcker kandidiert erfolglos gegen Walter
Scheel (F.D.P) für das Amt des Bundespräsidenten.
- 1979
- 18. März: Weizsäcker tritt als Spitzenkandidat der CDU
in West-Berlin an. Obwohl die CDU 44,4 Prozent der Stimmen erhält,
scheitert der Versuch, Regierender Bürgermeister von Berlin zu
werden am Fortbestand der Berliner sozial-liberalen
Koalition.
- 1979-1981
- Vizepräsident des Deutschen Bundestages.
- 1981-1984
- Regierender Bürgermeister von West-Berlin. Weizsäcker steht
zunächst einem CDU-Minderheitssenat vor, bis nach dem Regierungswechsel
in Bonn 1982 auch in Berlin die Koalition mit der F.D.P möglich
wird.
- 1983
- September: Weizsäcker reist offiziell in die DDR. In Ost-Berlin
wird er von Erich Honecker
empfangen und spricht in seiner Eigenschaft als Ratsmitglied der Evangelischen
Kirche in Deutschland in der Wittenberger Stadtkirche.
28. November: Auf Drängen des bayerischen Ministerpräsidenten
Franz-Josef Strauß
gibt Bundeskanzler Helmut Kohl die Kandidatur Weizsäckers für
das Bundespräsidentenamt bekannt.
Veröffentlichung der Schrift "Die deutsche Geschichte geht weiter".
- 1984-1994
- Weizsäcker ist als Nachfolger von Karl Carstens der
6. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.
Weizsäcker sieht nach eigenen Angaben seine Hauptaufgabe nicht
in bloßen Repräsentationspflichten, sondern in der Begegnung
mit Menschen; dabei sucht er besonders den Kontakt zur Jugend. Auch
gegenüber Randgruppen der Gesellschaft oder harten Kritikern des
Staates zeigt Weizsäcker keine Berührungsängste.
Auf seinen Reisen kümmert sich Weizsäcker besonders um die
Probleme der Entwicklungsländer; unter anderem ist er Schirmherr
der Welthungerhilfe. Außerdem beschäftigt er sich mit der
weltweiten Arbeitslosigkeit,
dem Umweltschutz
und der Unterbeschäftigung.
Weizsäcker setzt sich für eine Aussöhnung mit dem Ostblock
ein, regt Gespräche mit der DDR an und plädiert dafür
die Reformprozesse in der von Staats- und Parteichef Michail
Gorbatschow geführten Sowjetunion ernstzunehmen.
- 1985
- Februar: Staatsbesuche in Jordanien und Ägypten.
März: Staatsbesuch in Finnland.
8. Mai: In seiner Rede zum 40. Jahrestag der Kapitulation
vom 8. Mai 1945 setzt Weizsäcker Zeichen für einen verantwortungsbewussten
Umgang mit der NS-Vergangenheit.
Die Rede findet im In- und Ausland große Beachtung und Anerkennung.
Mai/Juni: Staatsbesuch in den Niederlanden.
Oktober: Staatsbesuch in Israel. Verleihung der Ehrendoktorwürde
des Weizmann-Instituts in Rehovot.
- 1986
- Staatsbesuche führen ihn nach Birma, Bangladesch, Malaysia,
Österreich, England und Norwegen.
Auszeichnung mit dem Goldenen Sportabzeichen.
- 1987
- Weizsäcker reist zu Staatsbesuchen nach Argentinien, Bolivien,
Guatemala, in der Schweiz, nach Griechenland und in der UdSSR.
- 1988
- Staatsbesuche in Mali, Nigeria, Simbabwe, Somalia, Italien, Schweden,
Luxemburg und in Bulgarien.
Auszeichnung mit der Ehrendoktorwürde der Universität Oxford.
Veröffentlichung der Schrift "Die politische Kraft der Kultur".
- 1989
- Januar: Weizsäcker gibt einen großen Empfang aus Anlass
des 75. Geburtstags des SPD- Ehrenvorsitzenden und ehemaligen Bundeskanzlers
Willy Brandt und würdigt
ihn als Menschen und Staatsmann von exemplarischem Format.
23. Mai: Aufgrund seines hohen Ansehens und seiner Autorität ist
Weizsäcker bei der Bundespräsidentenwahl einziger Kandidat
und wird mit großer Mehrheit - er erhält 881 von 1022 gültigen
Stimmen - wiedergewählt.
Staatsbesuche führen ihn in diesem Jahr nach Spanien, Dänemark,
in die USA und nach Marokko.
November: Nach der Öffnung
der innerdeutschen Grenze und dem beginnenden politischen Wandel
in Osteuropa mahnt Weizsäcker zur Behutsamkeit beim Zusammenwachsen
von DDR und Bundesrepublik.
- 1990
- Mai: Weizsäckers Staatsbesuch in Polen ist nach eigenen Aussagen
die wichtigste Reise seiner Amtszeit. In einer Rede wirbt er dafür,
dass "wir, Deutsche und Polen, in größeren Zeiträumen
denken, die Zeichen der Zeit erkennen und sie zur Maxime unseres gemeinsamen
Handelns machen".
29. Juni: In seiner Rede anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde
von Gesamt-Berlin spricht sich Weizsäcker eindringlich für
Berlin als Hauptstadt eines vereinten Deutschland aus.
Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Stuttgart.
3. Oktober: Beim Festakt zur Wiedervereinigung
Deutschlands in Berlin prägt Weizsäcker die Worte "Sich zu
vereinen, heißt teilen lernen".
November: Gedenkbesuch in Coventry/England am 50. Jahrestag des deutschen
Luftangriffs. Weitere Staatsbesuche führen Weizsäcker in die
Tschechoslowakei, nach Portugal, Kanada und nach Malta.
- 1991
- Dezember: Auszeichnung mit dem Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf.
Mit dem Preisgeld unterstützt Weizsäcker Bürgerinitiativen
in Leipzig, Berlin-Pankow und Duisburg, die sich um eine Verbesserung
des Zusammenlebens von Ausländern und Deutschen bemühen.
Weizsäcker reist als Bundespräsident nach Südkorea, Indien,
Italien sowie in die Tschechische und Slowakische Föderative Republik
- 1992
- Juni: In einer Rede vor dem Bundesverband der deutschen Industrie
räumt Weizsäcker Fehler der Politik bei der Finanzierung der
deutschen Einheit ein und verlangt gleichzeitig eine Offenlegung der
Kosten des Vereinigungsprozesses. In diesem Zusammenhang kritisiert
er auch den Zustand der Parteien und wirft der "Politikerschicht" vor,
sie erliege einer "Machtversessenheit in bezug auf Wahlkampferfolge".
Politiker aller Parteien reagieren empört auf diesen "öffentlichen
Tadel" des Bundespräsidenten.
Staatsbesuche führen Weizsäcker in die USA, nach Tansania
und nach Mexiko.
- 1993
- März: Weizsäcker verkündet seinen Entschluss, ab dem
Jahreswechsel 1993/94 den wesentlichen Teil der Amtsgeschäfte von
der deutschen Hauptstadt Berlin aus zu führen.
Staatsbesuche in Tunesien, in den USA, in Estland, Thailand, Neuseeland,
Australien, Litauen, Lettland, Chile und Ecuador.
- 1994
- Januar: Erster Neujahrsempfang im Berliner Amtssitz Schloss Bellevue.
Juni: Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Cambridge.
Seine letzten Staatsbesuche führen ihn in den Vatikan, nach Frankreich,
England und Polen. Seine letzte Rede als Bundespräsident nutzt
Weizsäcker um in deutlichen Worten zur Abwehr des Rechtsextremismus
aufzurufen und die "Schändlichen Gewalttaten" gegen Ausländer
anzuprangern.
30. Juni: Übergabe des Bundespräsidentenamtes an Roman
Herzog.
Juli: Nach dem Ausscheiden aus dem Amt des Bundespräsidenten übernimmt
Weizsäcker den Vorsitz im Bergedorfer Gesprächskreis der Hamburger
Körber-Stiftung und zum Herbst den Kuratoriumsvorsitz der Theodor-Heuss-Stiftung.
November: Verleihung des Leo-Baeck-Preises durch den Zentralrat
der Juden in Deutschland.
- 1995
- März: Auszeichnung mit der Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen
Koordinierungsrates der Gesellschaft für Christlich-Jüdische
Zusammenarbeit.
Mai: Weizsäcker und der tschechische Präsident Vaclav
Havel werden in Barcelona/Spanien mit dem internationalen Katalonienpreis
geehrt.
Juli: Die UNO veröffentlicht einen Bericht, der von einer zwölfköpfigen
Arbeitsgruppe im Auftrag des Generalsekretärs Boutros Ghali (geb.
1922) zur Reform der Weltorganisation erstellt wurde. Darin spricht
sich Weizsäcker als Kommissionsvorsitzender der Arbeitsgruppe unter
anderem gegen einen ständigen Sitz der Bundesrepublik im Sicherheitsrat
aus.
Dezember: Weizsäcker wird von der Prager Karls-Universität
mit dem Ehrendoktor der Rechtswissenschaften ausgezeichnet.
- 1996
- Weizsäcker übernimmt im Sommersemester die Heinrich-Heine-Professur
der Universität Düsseldorf. Sie umfasst vier öffentliche
Vorlesungen zum Thema "Europäische Entspannungspolitik in Vergangenheit
und Gegenwart".
Oktober: Verleihung des Kunstpreises zur deutsch-tschechischen Verständigung
in Dresden.
- 1997
- April: Zusammen mit Lech Walesa (geb. 1943) und George Bush (geb.
1924) wird Weizsäcker zum Ehrenbürger der Stadt Gdansk (Danzig)
ernannt.
Juni: Weizsäcker hält die Laudatio für die Auszeichnung
des früheren sowjetischen Staats- und Parteichefs Michail
Gorbatschow mit dem "Preis für planetarisches Bewußtsein"
vom "Club of Rome".
Veröffentlichung seiner Erinnerungen unter dem Titel "Vier Zeiten".
- 1998
- April: Auszeichnung mit dem erstmals verliehenen Humanismus-Preis
des Deutschen Altphilologenverbandes in Heidelberg.
Weizsäcker ruft zu mehr Sachlichkeit im Wahlkampf auf und nimmt
Stellung zur Auseinandersetzung mit der PDS. Einerseits betont er, daß
wichtige Führungsmitglieder der Partei positive Erklärungen
zur Demokratie, zur Einheit und zum Markt abgegeben hätten. Andererseits
kritisiert er, dass es immer noch an einer klaren Distanzierung zum
SED-Unrecht fehle.
- seit 2002
- Schirmherr der "Perspektive
Deutschland", einer Online-Meinungsumfrage-Initiative.
Mitglied des "Club of Rome".
Rede: Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum 40. Jahrestag des Kriegsendes, 8.5.1985
Rede: Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum 40. Jahrestag des Kriegsendes, 8.5.1985
(iz)
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