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Schriftsteller
- 1925
- 3. Juni: Gerhard Zwerenz wird in Gablenz/Sachsen als Sohn eines Ziegeleiarbeiters
und einer Textilarbeiterin geboren.
Nach der Volksschule absolviert er eine Lehre als Kupferschmied.
- 1942
- Zwerenz meldet sich freiwillig zur Wehrmacht.
- 1944-1948
- Er desertiert und kommt in sowjetische Gefangenschaft.
- 1948-1950
- Zwerenz verpflichtet sich für zwei Jahre zum Dienst in der Deutschen
Volkspolizei.
- 1949-1957
- Mitglied der SED.
- 1950/51
- Aufgrund einer Erkrankung an Tuberkulose wird Zwerenz vorzeitig aus
dem Dienst bei der Deutschen Volkspolizei entlassen und hält sich
in verschiedenen Sanatorien auf.
Nach Ablegung der Sonderreifeprüfung wird er Dozent für Gesellschaftswissenschaften
an der Ingenieurschule Zwickau.
- 1952-1956
- Studium der Philosophie bei Ernst
Bloch in Leipzig.
In Leipzig freundet er sich mit Erich
Loest und Wolfgang
Harich an.
- ab 1952
- Erste publizistische und lyrische Veröffentlichungen in der
"Weltbühne", im "Sonntag" und für das Leipziger Kabarett "Die
Pfeffermühle".
- seit 1956
- Freiberuflicher Schriftsteller.
- 1957
- Wegen kritischer Äußerungen gegen das SED-Regime wird
Zwerenz aus der SED ausgeschlossen. Er entzieht sich seiner drohenden
Verhaftung durch Flucht in die Bundesrepublik Deutschland.
- ab 1957
- Zwerenz lebt in verschiedenen westdeutschen Städten unter anderem
Linz/Rhein, München, Köln, Offenbach, Frankfurt/Main bis er
sich schließlich im Taunus niederlässt.
Auch in der Bundesrepublik wird er vom Ministerium
für Staatssicherheit observiert. Die Decknamen der Operativen
Vorgänge (OV) des MfS gegen Zwerenz lauten "Subjekt", "Spinne",
"Agent", "Dritter Weg", "Revisionist" und "Renegat".
Er publiziert unter anderem unter den Pseudonymen Gert Gablenz, Peter
Lauenheim, Leslie Markwart, Peer Tarrok und Gert Amsterdam.
- 1959
- Veröffentlichung von "Die Liebe der toten Männer", einer
romanhaften Gestaltung des Aufstandes
vom 17. Juni 1953.
- 1961
- Zwerenz verbucht erste Erfolge mit der Veröffentlichung der
Essaysammlung "Ärgernisse - Von der Maas bis an die Memel", in
der er sich über die Situation der Intellektuellen, die sich weder
im Osten noch im Westen zu Hause fühlen, äußert.
- 1962-1966
- Veröffentlichung des Essaybandes "Wider die deutschen Tabus"
(1962), der Schriften "Gesänge auf dem Markt" (1962), "Heldengedenktage.
Dreizehn Versuche, eine ehrerbietige Haltung anzunehmen" (1964) und
einer biographischen Skizze über Walter
Ulbricht. In den Werken zeigt sich die Enttäuschung des Ex-Kommunisten,
der mit dem Kommunismus gebrochen hat und sich nun ausdrücklich
als Sozialist versteht.
- 1963
- Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland.
- 1966
- In der DDR wird Zwerenz als "Renegat" verurteilt, obgleich er selbst
sein Werk immer noch als Teil der DDR-Literatur versteht und sich selbst
als "Exil-Literaten" begreift.
Seine größten Erfolge erzielt er allerdings mit bundesrepublikanischen
Themen. Ein Bestseller wird "Casanova oder Der Kleine Herr in Krieg
und Frieden". In der Gestalt des Helden Michel Casanova schildert Zwerenz
den Typ des unangepassten Menschen in verschiedenen gesellschaftlichen
Systemen. Das Buch wird vor allem in der Studentenbewegung
ein Erfolg.
- 1968
- In den folgenden Jahren wird die Sexualität in Zwerenz Veröffentlichungen
zum Hauptthema, so stilisiert er in "Erbarmen mit den Männern.
Roman vom Aschermittwochsfest und den sieben Sinnlichkeiten" die Sexualität
zur "revolutionären Kraft".
- 1971
- Von der Konzentration auf das Thema Sexualität rückt Zwerenz
mit dem Roman "Kopf und Bauch", der Geschichte eines Arbeiters, der
unter die Intellektuellen gefallen ist und mit dem Essayband "Der plebejische
Intellektuelle", ab.
- 1973
- Veröffentlichung des viel diskutierten Buches "Die Erde ist
unbewohnbar wie der Mond", einer Kritik der Lebensverhältnisse
in der Bundesrepublik. Das Buch wird zum Skandal, weil Zwerenz darin
die Figur eines jüdischen Grundstücksspekulanten schildert.
Dem Autor wird, ebenso wie später Rainer
Werner Fassbinder, der das Buch als Vorlage für sein Stück
"Der Müll, die Stadt und der Tod" nutzt, Antisemitismus vorgeworfen.
- 1974
- Publikation von "Der Widerspruch. Autobiographischer Bericht". Darin
beschreibt er seine Kindheit in der großväterlichen Ziegelei.
Auszeichnung mit dem Ernst-Reuter-Preis.
- 1975
- Sein Talent, unmittelbar auf aktuelle Ereignisse zu reagieren und
geschickt Fakten und Fiktion zu vermischen, beweist er mit "Die Quadriga
des Mischa Wolf", einem Bericht über die Agentenaffäre
Guillaume.
Veröffentlichung der Schriften "Der politische Zwerenz" und anschließend
"Der erotische Zwerenz".
- 1981
- Um sein Konzept des "plebejischen Intellektuellen" zu verwirklichen,
beschließt Zwerenz, fortan seine Werke nur noch als Taschenbücher
zu veröffentlichen.
- 1982
- Veröffentlichung von "Antwort an einen Friedensfreund oder längere
Epistel für Stephan Hermlin und meinen Hund".
Zwerenz tritt unter Protest aus dem Verband Deutscher Schriftsteller
aus.
- 1986
- Auszeichnung mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis.
- 1989
- Zwerenz veröffentlicht den Roman "Vergiss die Träume Deiner
Jugend nicht".
- 1990
- Seinen 65. Geburtstag nimmt der Vielschreiber Zwerenz, der mehr als
100 Bücher der unterschiedlichsten Genres veröffentlicht hat,
zum Anlass, seine weitere Arbeit als Buchautor aufzukündigen: "Ich
schreibe nicht mehr, ich gehe in Rente".
- 1991
- Auszeichnung mit dem alternativen Büchner-Preis.
- 1993/94
- Aufgebracht durch die Zunahme nationalistischen und neonazistischen
Gedankenguts in Deutschland veröffentlicht er die politischen Schriften
"Rechts und dumm?" (1993), eine Polemik gegen die "alte und neue Deutschtümelei"
und "Links und lahm" (1994), ein kämpferisches Plädoyer für
eine linke Alternative zur "reformbedürftigen SPD".
- 1994
- Seine Kandidatur für die offene Liste der SED-Nachfolgepartei
PDS bei den Bundestagswahlen erregt großes Aufsehen. Er selbst
begründet diesen Schritt damit, dass ihm die SPD zu angepasst sei
und die PDS - an der ihm auch so manches missfalle - zumindest Pluralismus
garantiere.
Oktober: Zwerenz wird als Parteiloser Mitglied des Deutschen Bundestages
für die PDS.
- 1997
- Januar: Zwerenz gehört zu den Mitunterzeichnern der "Erfurter
Erklärung" von 34 namhaften Politikern, Gewerkschaftern, Schriftstellern,
Künstlern und Theologen. Sie fordern ein Linksbündnis von
SPD und Grünen ohne Ausgrenzung der PDS, um die Bundesregierung
1998 abzulösen.
Die Bundestagsfraktion der Grünen lehnt in der "Wörlitzer
Erklärung" jede Zusammenarbeit mit der PDS ab.
Mai: Gerhard Zwerenz kündigt an, bei den Bundestagswahlen 1998
nicht mehr für die PDS zu kandidieren.
- 2004
- Veröffentlichung des
Buches "Sklavensprache und Revolte".
(db/iz)
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