Der Unabhängige Frauenverband versteht sich als organisatorisches Sammelbecken der autonomen
Frauenbewegung der DDR. Er ist offen für die Mitarbeit aller Frauen, Gruppen, Initiativen,
Arbeitsgemeinschaften etc., die sich der Durchsetzung der Interessen von Frauen verpflichtet fühlen. Eine
Mitarbeit von Männern in den einzelnen Frauengruppen ist möglich.
Die laufende Arbeit des Verbandes wird durch den Koordinierungsrat auf der Grundlage der Festlegungen der
Landestreffen geleitet. Der Koordinierungsrat hat 6 ehrenamtliche, gewählte Sprecherinnen.
Der Verband hat mit Beginn seiner Arbeit Verantwortung zur Durchsetzung der Interessen von Frauen und zur
Gewährleistung eines friedlichen demokratischen Veränderungsprozesses in unserem Lande übernommen. So
arbeiten die Frauen aktiv am Zentralen Runden Tisch und an vielen örtlichen Runden Tischen mit. Zudem
erklärte sich der UFV bereit, in der außerordentlich angespannten Lage im Lande in die Regierung unter
Ministerpräsident Modrow einzutreten und benannte eine Ministerin. Der Verband ist basisdemokratisch, sozial,
gewaltfrei und feministisch ausgerichtet.
Es haben sich verschiedene Frauengruppen, Initiativen, Arbeitskreise etc. mit verschiedener weltanschaulicher
und gesellschaftspolitischer Orientierung zum UFV zusammengeschlossen. Dazu gehören u. a. die
Fraueninitiative "lila offensive", die sozialistische Fraueninitiative "Sofi", autonome christliche
Frauenarbeitskreise, Frauenzentren und viele andere. Dem Verband, können auch einzelne Frauen beitreten, die
nicht oder noch nicht in Gruppen organisiert sind.
Der Unabhängige Frauenverband geht davon aus, daß in unserem Lande Frauen und Männer unter
patriarchalischen Strukturen leben. Eine wirkliche Demokratisierung der Gesellschaft kann nur durchgesetzt
werden, wenn Frauen ihre Emanzipation und Gleichstellung selbst gestalten und durchsetzen. Dabei halten die
Frauen des Verbandes die politische und soziale Gleichstellung der Frau für durchsetzbar durch und über das
Zusammenwirken von Frauen und Männern in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens.
Der Unabhängige Frauenverband setzt sich für die Schaffung eines öffentlichen Bewußtseins für die Probleme
der Frauen und ihre realen Lebensbedingungen ein.
Wir kämpfen für eine Sozialpolitik, die die Frauen sozial so absichert, daß sie gleiche Chancen in allen Lebensbereichen und Berufen haben, eine Sozialpolitik, die auch alles das absichert, was für die Entwicklung der Kinder und die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Elternschaft notwendig ist.
Die Frauen des Unabhängigen Frauenverbandes setzen sich im Bewußtsein der Notwendigkeit der Lösung der
existenziellen Menschheitsfragen für eine humanistische Entwicklungslogik der Menschheit ein. Der
Unabhängige Frauenverband sieht sich selbst in der Pflicht, die Durchsetzung der Interessen der Frauen als eine
zentrale Frage von Gesellschaftsgestaltung und -politik überhaupt zu begreifen und so zu handeln.
Sitz des Verbandes, seines Koordinierungsrates und Zentrale Geschäftsstelle: Unabhängiger
Frauenverband Haus der Demokratie Friedrichstraße 165 Berlin 1080 Tel.: 2 29 16 85
Quelle: Politische Parteien und Bewegungen der DDR über sich selbst, Berlin 1990