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im Januar 1936, er habe nichts mehr dagegen einzuwenden, daß
Österreich ein deutscher Satellitenstaat werde. Als Konsequenz
der deutsch-italienischen Annäherung sah das auf seine staatliche
Unabhängigkeit bedachte Österreich sich gezwungen, sich
in Innen- und Außenpolitik stärker am Deutschen Reich
zu orientieren.
Der Vierjahresplan, personelle Umbesetzungen im Auswärtigen
Amt und die Schaffung der Wehrmacht waren Teile der längerfristigen
Kriegsvorbereitungen des NS-Regimes, die auch ein wirkungsvolles
Drohpotential gegen Österreich darstellten. Als diese Vorbedingungen
für die gewaltsame Verwirklichung der Expansionspläne
in Ostmitteleuropa geschaffen waren, richtete sich der erste große
Schlag von Hitlers Außenpolitik gegen Österreich.
Am 12. Februar 1938 traf er den österreichischen Bundeskanzler
Kurt von Schuschnigg und diktierte ihm eine Vereinbarung,
die das Verbot der österreichischen Nationalsozialisten aufhob,
sie an der Regierung beteiligte, ihnen mit dem Innenministerium
die Polizeigewalt übergab und somit die Voraussetzungen für
eine nationalsozialistische Machtübernahme in Österreich
schuf. Um diese zu verhindern, beraumte Schuschnigg am 9. März
1938 eine Volksabstimmung "Für ein freies und deutsches,
unabhängiges und soziales, für ein christliches und
einiges Österreich!" an; das Wahlalter wurde auf 24
Jahre heraufgesetzt, um die meist pro-nationalsozialistische Jugend
von der Abstimmung auszuschließen. Gravierende Mängel
in der Wahlvorbereitung gaben Hitler einen Vorwand, Schuschnigg
zur Rücknahme der Abstimmung zu zwingen. Ein Ultimatum, das
mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich drohte
und die Übergabe der Regierungsgewalt an den Nationalsozialisten
Arthur Seyß-Inquart forderte, zwang Schuschnigg am
11. März 1938 zum Rücktritt, nachdem ein verzweifelter
Hilfeappell an die europäischen Mächte ungehört
blieb. Als der österreichische Bundespräsident Wilhelm
Miklas (1872-1956) sich am selben Tag weigerte, Seyß-Inquart
zum Nachfolger Schuschniggs zu ernennen, gab Hitler den Befehl
zum Einmarsch, der am 12. März 1938 erfolgte.
Die Wehrmachtstruppen stießen auf keinen Widerstand. War
Hitlers Vorhaben zu Beginn noch, Österreich mit Deutschland
nur in einer Union zu verbinden, so veranlaßte ihn der Jubel
der österreichischen Bevölkerung, sich für den
völligen "Anschluß" Österreichs zu entscheiden.
Entsprechende Gesetze wurden am 13. März 1938 erlassen. Zwei
Tage später bejubelten über 100.000 Menschen den gebürtigen
Österreicher Hitler in Wien. In einer Volksabstimmung am
10. April 1938 votierten offiziell 99,73 Prozent der Österreicher
und 99,01 Prozent der Deutschen für den "Anschluß".
Reichsstatthalter der Ostmark, wie Österreich nun hieß,
wurde Seyß-Inquart. Innerhalb kürzester Zeit wurden
die 1933 bis 1938 in Deutschland umgesetzten Maßnahmen zur
Umgestaltung und Erfassung von Staat und Gesellschaft auf Österreich
übertragen. Der Terror der Nationalsozialisten begann und
übertraf anfangs noch das im bisherigen Deutschen Reich erlangte
Ausmaß. Allein zwischen dem 12. und dem 22. März gab
es in der Ostmark offiziell 1.742 Festnahmen, in Wien 96 Suizide.
Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden, beispielsweise Sigmund
Freud, blieb zur Rettung oft nur die Flucht.
Hitler setzte seinen Expansionskurs fort. Noch im März 1938
beschloß er, die Zerschlagung der Tschechoslowakei in Angriff
zu nehmen und die Sudetenkrise zu initiieren.
(cp)
Rede Joseph Goebbels: Proklamation Hitlers zum Einmarsch in Österreich, 12.03.1938
Josepha von Koskull: Der Anschluß Österreichs