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Die Neue SachlichkeitFür eine Kunstausstellung moderner Malerei in Mannheim 1925 verwendete der Kunsthistoriker und Museumsdirektor Gustav Friedrich Hartlaub (1884-1963) zwei Jahre zuvor erstmals den Begriff der Neuen Sachlichkeit. Bald wurde der Terminus auf das Bemühen aller Kunstrichtungen um eine Darstellung der sozialen und ökonomischen Wirklichkeit angewandt. In der nach der Inflation begonnenen Stabilisierungsphase der Weimarer Republik setzte sich eine allgemeine "Versachlichung" der ästhetischen Ausdrucksform durch. Das facettenreiche Arbeits- und Alltagsleben der Menschen in den Großstädten waren Schwerpunkte der Neuen Sachlichkeit in Spielfilmen, der Photographie und der Literatur. Nüchterne Sprache und das Bemühen um eine Gesellschaftsanalyse prägten die zeitbezogenen Romane von Hans Fallada, Lion Feuchtwanger, Egon Erwin Kisch oder Alfred Döblin.
Auch in der Malerei zeichnete sich der neue Stil durch unsentimentale Darstellungsweisen aus. Die Abbildung
der nüchtern Wirklichkeit stand im Vordergrund. Bevorzugte Genres waren Stilleben und Porträts. In bewußter
Abgrenzung vom Expressionismus
ließ die Präzision der Wiedergabe die Menschen bei Christian Schad, Conrad Felixmüller (1897-1977), Ernst Thoms (1896-1983) oder Curt Querner (1904-1976) oft
in einer eingefrorenen Haltung erstarren.
Nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise verlor der neusachliche Malstil aufgrund der kulturpessimistischen Anklage gegen die immer deutlicher sich manifestierende Technisierung und Vermassung der Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Unwiderruflich zu Ende war die Vielfalt der Neuen Sachlichkeit nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. (lw/as)
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