1939-45

[Gemälde: Die letzte Handgranate, um 1943]

[Gemälde: Stalingrad, 1943]

[Gemälde: Padua, "Auf Heimaturlaub", 1944]

[Gemälde: Graf, "Aphrodite", 1941]

[Gemälde: Felix Nussbaum "Selbstporträt im Versteck", 1933]

[Gemälde: Felix Nussbaum "Im Lager (Gefangenenlager)", 1940]

[Photo: Ilse Werner, um 1942]













Kunst und Kultur im Zweiten Weltkrieg


Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs schoben sich soldatische Helden- und Schlachtengemälde gegenüber den herkömmlichen Genres der NS-Kunst in den Vordergrund. Auch in den Buchhandlungen ergoß sich ab 1939 eine Fülle von kriegsverherrlichender Literatur und Darstellungen deutscher Siege über die Bevölkerung. Diese wollte hingegen sehr viel lieber durch Musik und Tanzschlager im Rundfunk und Unterhaltungsfilme in den Kinos den Krieg sowie die Sorgen und Mühen des Alltagslebens für wenige Stunden vergessen. Jedoch liefen auch in den Kinos immer öfter propagandistische Hetzfilme oder Heldenepen, die Pflichterfüllung, Schicksalsergebenheit und nationale Opferbereitschaft vermittelten und glorifizierten.

Wie das Gemälde "Das größere Opfer" von Adolf Reich (1887-1963) appellierten während des Kriegs unzählige Bilder und Zeichnungen an die von der NS-Ideologie beschworene solidarische Volksgemeinschaft und deren Bereitschaft, für den deutschen "Endsieg" größte persönliche Opfer zu erbringen. Martialische Kriegsdarstellungen wie Karl Buschs (geb. 1910) "Stalingrad" oder idealisierte Soldatenporträts wie Elk Ebers (1892-1941) bereits 1937 entstandenes Gemälde "Die letzte Handgranate" mystifizierten im Sinne der NS-Propaganda den "Schicksalskampf des deutschen Volkes" und die Frontgemeinschaft der Soldaten. Offizielle Kriegsmaler wie Paul Padua (1903-1981) setzten jedoch nicht nur das Kriegsgeschehen in Szene, sondern dokumentierten wie in dem Gemälde "Auf Heimaturlaub" auch die vorindustrielle Idylle für den Soldaten im Kreise seiner Familie. Beliebte Motive der Malerei waren während des Zweiten Weltkriegs neben Schlachtendarstellungen auch weiterhin vor allem weibliche Akte, mythische Todesszenen oder klischeehafte Bauernbilder.

Wie Adelhelm Dietzel (geb. 1914) mit "Ehepaar in Ruinenlandschaft" versuchten jedoch auch viele Künstler oder einfache Hobbymaler, die Schrecken des Kriegs mit Luftangriffen und Zerstörungen durch Malen oder Zeichnen innerlich zu verarbeiten. Mit Bildern wollte auch Felix Nussbaum seine Erlebnisse verarbeiten, der nach der nationalsozialistischen Machtübernahme als Stipendiat in Italien blieb und von dort 1935 nach Belgien emigrierte. Nach der Besetzung Belgiens durch die Wehrmacht im Mai 1940 wurden deutsche Exilanten als "feindliche Ausländer" in das noch unbesetzte Frankreich deportiert und dort interniert. Nach der geglückten Flucht aus diesem Lager kehrte Nussbaum nach Belgien zurück und lebte, von Freunden versteckt, mit seiner Frau Felka Platek in Brüssel. Das Versteck wurde verraten. Mit dem letzten Transport wurden sie am 31. Juli 1944 nach Auschwitz gebracht und dort getötet, bevor die Lagerverwaltung die Vergasungen im Oktober 1944 einstellte.

Mit dem Bild "Im Lager" verarbeitete der Maler nicht nur seine Erfahrungen in St-Cyprien, sondern er beschreibt die Situation der Emigranten überhaupt. Seine Form, um das Überleben zu kämpfen und den Schrecken zu bannen, war die Malerei. In dem Bild "Selbstporträt im Versteck" von Januar 1944 porträtierte sich Nussbaum als frommen Juden in seinem Versteck mit seiner Frau und dem jungen Jaqui in einer sakral-renaissanceartigen Dreieckskomposition. Die Personen wirken trotz ihrer räumlichen Nähe zueinander nicht aufeinander bezogen, sie starren in verschiedene Richtungen aus dem Bild heraus ins Leere. Ihre Bewegungen wirken eingefroren. Der abgestorbene, beschnittene Baum spiegelt die Situation der an einen Ort gefesselten und aller Entfaltungsmöglichkeiten beraubten Menschen. Die einzige Hoffnung der still Ausharrenden sind die Nachrichten über die Zurückdrängung der Deutschen auf dem östlichen Kriegsschauplatz, die Nussbaum in Gestalt einer auffallend farbigen Landkarte mit eingezeichnetem Frontverlauf visualisiert. Nussbaum steht als orthodoxer Jude unrasiert, mit Gebetsmantel und Kippah, der traditionellen Kopfbedeckung, mit abwehrend beschwörender Handhaltung neben der Karte.

Vor dem jungen Jaqui, für die Nussbaums in ihrem Versteck die einzige Verbindung zur Außenwelt, liegen Nationalsozialisten in Form des "Judensterns" und einer Besatzerzeitung auf dem Tisch. Nussbaums Frau Felka steht zwischen den beiden. Sie ist aber weder der geistlichen noch der weltlichen Sphäre der Männer zugeordnet, sondern hat die Farbe ihrer fristen Umgebung angenommen. Sie scheint unfähig, der Situation etwas entgenzusetzen; ihre Hände sind verdeckt, ihr Blick ist rückwärtsgewandt - sie verkörpert nur noch stummes Erdulden. Nussbaum beschreibt hier in einem seiner letzten Bilder die persönlich erlebte Lage aller Verfolgten zwischen Todesangst und vager Hoffnung.

Auch andere Künstler versuchten während und nach dem Krieg das Leiden der NS-Opfer zum Ausdruck zu bringen. Theo Balden verarbeitete mit seiner Skulptur "Geschlagener Jude" 1943 seine persönliche Erfahrung als Verfolgter. Bruno Apitz wollte ein Jahr später mit "Das letzte Gesicht" den Opfern in den Konzentrationslagern (KZ) symbolisch ihre Würde zurückgeben. Ein Jahr nach Kriegsende versuchte der Bildhauer Fritz Koelle mit seiner Bronzeskulptur "Inferno" das Elend und das Grauen in den Konzentrationslagern darzustellen. Der Tod und die Ermordung von Millionen Menschen ließen auch für Käthe Kollwitz im Krieg den Gedanken an eine Zukunft nicht mehr zu. Trauer und Schmerz von Frauen und Müttern im Krieg brachte sie mit ihrer 1943 fertiggestellten Figurengruppe "Wartende Soldatenfrauen" einfühlsam zum Ausdruck. Eine alte und eine junge Frau sitzen beieinander, doch jede in ihrer Einsamkeit. Trauernd gedenken sie der Toten. Stille Trauer, Resignation und Depression lassen sich aus diesem Zweierporträt lesen.

Der Großteil der deutschen Bevölkerung suchte im Krieg mit Unterhaltungsmusik oder im Kino Zerstreuung vom Alltag. Über 25 Millionen Menschen sahen den 1942 uraufgeführten Kassenschlager "Die große Liebe" mit Zarah Leander, deren im Film gesungenes Lied "Es wird einmal ein Wunder geschehen" einer der größten Musikerfolge während des Kriegs war. Zur "femme fatale" stilisiert, wurde Leander zu einem der beliebtesten und teuersten Stars der deutschen Universum-Film AG (UFA). Daneben war vor allem die junge Ilse Werner der weibliche Filmstar der ersten Hälfte der 40er Jahre. 1943 war sie an der Seite von Hans Albers in "Münchhausen" - nach "Frauen sind doch die besseren Diplomaten" (1941) mit den damals beliebten Schauspielern Marika Rökk und Willy Fritsch einem der ersten großen deutschen Farbfilme - zu sehen. Zu einem nationalen Star hatte Ilse Werner 1940 der Unterhaltungsfilm "Wunschkonzert" - einem der erfolgreichsten Filme der NS-Zeit - gemacht. Im Mittelpunkt des Films stand die äußerst populäre Radiosendung "Wunschkonzert für die Wehrmacht", das die Verbindung zwischen Heimat und Front aufrechterhalten sollte und in der Grüße und Musikwünsche ausgetauscht oder Geburten den fernen Vätern bekanntgegeben wurden. Jeden Sonntag wurde das "Wunschkonzert" von rund der Hälfte der deutschen Bevölkerung verfolgt, in dem bekannte Sänger und Sängerinnen wie Marika Rökk, Ilse Werner und vor allem Lale Andersen (1908-1972) mit "Lili Marleen" und Evelyn Künneke (1921-2001) mit "Sing, Nachtigall, Sing" zu hören waren. Zusammen mit anderen Publikumslieblingen aus Rundfunk und Film wie Heinz Rühmann, Emil Jannings, Lil Dagover, Johannes Heesters (geb. 1903), Hans Moser, Theo Lingen oder Viktor de Kowa (1904-1973) sollten sie die Bevölkerung bei Laune halten und von ihren kriegsbedingten Sorgen und Ängsten ablenken.

Neben bewußt unpolitischen und anspruchsvollen Spielfilmen wie "Der Postmeister" (1940), "Große Freiheit Nr. 7" (1944) oder "Die Feuerzangenbowle" (1944) entstanden während des Kriegs auch eine Reihe nationalsozialistischer Propagandafilme mit eindeutig antisemitischer Hetze wie der 1940 im Ghetto von Lodz gedrehte "Dokumentarfilm" "Der ewige Jude". Veit Harlan drehte ebenfalls 1940 den antisemitischen Spielfilm "Jud Süß" mit Heinrich George und Kristina Söderbaum in den Hauptrollen. Beide Filme beabsichtigten durch Verwendung antisemitischer Stereotype und der These von der jüdischen Weltverschwörung, in der Bevölkerung Zustimmung für verschärfte antisemitische Maßnahmen bis hin zur Deportation von Juden zu erzielen. Der NS-Film "Ich klage an" unter der Regie von Wolfgang Liebeneiner (1905-1987) propagierte 1941 rassenhygienische Ideale und versuchte, die "Euthanasie" an kranken und behinderten Menschen zu rechtfertigen.

Ebenfalls 1941 drehte Harlan - neben Hans Steinhoff (1882-1945) der prominenteste NS-Regisseur - mit Otto Gebühr in der Hauptrolle das monumentale Heldenepos "Der große König" über Friedrich II. von Preußen, das Patriotismus, Pflichterfüllung und nationale Opferbereitschaft propagierte. Harlans letzter Film während des NS-Regimes war "Kolberg". Der im Januar 1945 uraufgeführte Durchhaltefilm - mit 8,5 Millionen Reichsmark die bis dahin teuerste deutsche Filmproduktion - sollte wenige Monate vor der bereits abzusehenden Kapitulation an die Bevölkerung appellieren, den Kampf bis zu Ende zu führen.

(as)

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