Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Bonn|Leipzig|Berlin

Zeitgeschichtliches Forum Leipzig präsentiert "Wir gegen uns. Sport im geteilten Deutschland"

Neue Wechselausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig

Das legendäre Tor von Jürgen Sparwasser bei der Fußballweltmeisterschaft 1974, der Zieleinlauf von Heide Rosendahl und Renate Stecher bei den Olympischen Spielen 1972 in München – Ereignisse, die sinnbildlich für deutsch-deutsche Sportgeschichte stehen. Die neue Ausstellung „Wir gegen uns. Sport im geteilten Deutschland“ beschreibt die unterschiedliche Entwicklung des Sports in der Bundesrepublik und der DDR und fragt nach dessen Bedeutung im deutsch-deutschen Wettstreit der Systeme. Gleichzeitig veranschaulicht die Ausstellung die Faszination des Sports, seine Strahlkraft auf den Einzelnen und die Gesellschaft, indem sie an fest im kollektiven Gedächtnis der Deutschen verankerte glanzvolle Höhepunkte, an Wettkämpfe, Siege und Rekorde erinnert.
Die Ausstellung ist vom 25. November 2009 bis 5. April 2010 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Zur Pressekonferenz am Dienstag, 24. November 2009, um 11 Uhr laden wir herzlich ein. Für Medienvertreter besteht im Anschluss die Möglichkeit, an einem Ausstellungsrundgang teilzunehmen.

Pressefotos zum Download

Unter den mehr als 1.100 Exponaten finden sich das Rennrad von Täve Schur, ein Modell des Münchener Olympiaparks sowie die Fahne der gesamtdeutschen Olympiamannschaft. Die Förderung des Spitzensports in Ost und West wird u. a. durch Trainingsgeräte aus dem DDR-Hochleistungszentrum in Kienbaum sowie einen Spind aus einer Bundeswehrsportschule veranschaulicht. Persönliche Erinnerungsstücke wie die Schwimmflossen von Axel Mitbauer, mit denen der DDR-Schwimmer 1969 durch die Ostsee in die Freiheit schwamm, verdeutlichen die Zwänge, die Sportlern in der DDR auferlegt wurden. Die Ausstellung erinnert gleichzeitig an herausragende Sportereignisse wie den Sieg der Bundesrepublik bei der Fußballweltmeisterschaft 1954, das deutsch-deutsche Duell bei der Fußballweltmeisterschaft 1974 sowie die Olympischen Spiele von 1952 bis in die Gegenwart.

In der DDR betont die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) die politische Bedeutung des Sports. Er soll beim Aufbau der neuen Gesellschaft helfen und die Bevölkerung für den neuen Staat begeistern. Seine Organisationen, vor allem der 1957 gegründete Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB), werden von der SED-Diktatur gelenkt.
In der Bundesrepublik sind die Sportverbände demokratisch verfasst und legen Wert auf ihre politische Unabhängigkeit. Der 1950 gegründete Deutsche Sportbund (DSB) unterstützt die Bundesregierung gleichwohl in ihrem Anspruch, die alleinige Vertretung Deutschlands zu sein.

Der Kalte Krieg zwischen Ost und West prägt auch die deutsch-deutschen Sportbeziehungen. Beide Seiten begegnen sich mit großem Misstrauen, betonen aber auch die Bedeutung des Austauschs.


Ab Mitte der 1960er Jahre verstärkt die DDR die Förderung des Leistungssports. Talente werden schon im Kindesalter trainiert und einzelne Sportarten besonders unterstützt. Medaillen bei Olympischen Spielen gelten als Prestigegewinn für die DDR. Staatlich gelenktes Zwangsdoping erhöht die Leistungsfähigkeit der DDR-Athleten. Technische Innovationen und neue Trainingsmethoden führen vor allem in den 1980er Jahren zu einer schier unglaublichen Erfolgsserie. Das SED-Regime räumt den Spitzensportlern besondere Vergünstigungen ein, setzt sie gleichzeitig aber unter starken politischen Druck und treibt viele in die Flucht.
Auch die Bundesrepublik geht seit Mitte der 1960er Jahre neue Wege in der Nachwuchsförderung im Sport. Ziel ist ein gutes Abschneiden bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Gemeinsam sorgen Politik und Wirtschaft für eine bessere Ausstattung des Leistungssports. Die Orientierung am „Sportwunderland DDR“ macht selbst vor der Anwendung von Doping nicht halt.

Die Ausstellung schließt mit einer Betrachtung der Entwicklung seit der Wiedervereinigung. Sie erinnert an die Freude über neu gewonnene Möglichkeiten und erste gemeinsame Erfolge – etwa bei den Olympischen Spielen in Albertville und Barcelona 1992 –, sie zeigt aber auch die Probleme beim Zusammenwachsen von Ost und West. Der 1990 einsetzende Streit um das DDR-Erbe im Sport hält bis in die Gegenwart an.

Der Präsident der Stiftung, Prof. Dr. Hans Walter Hütter, merkt zur neuen Ausstellung an: „Der Kalte Krieg prägte auch die deutsch-deutschen Sportbeziehungen. Der Sport ist ein aussagekräftiger Spiegel politischer Ereignisse und zeitgeschichtlicher Entwicklungen. Diese Ausstellung lädt dazu ein, die Geschichte seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in neuen Perspektiven zu betrachten.“

Pressevorbesichtigung: 24.11.2009, 10 Uhr
Pressekonferenz: 24.11.2009, 11 Uhr
Begleitpublikation: 19,90 Euro in den Museumsshops der Stiftung in Bonn und Leipzig (im Buchhandel 24,90 Euro)
Begleitprogramm

Ausstellung
„Wir gegen uns. Sport im geteilten Deutschland“
(25.11.2009 – 5.4.2010)

Öffnungszeiten
Dienstag – Freitag  9–18 Uhr
Samstag/Sonntag 10–18 Uhr
Eintritt frei


Startseite