Pressemitteilung: Auf die Bilder kommt es an!
Wahlkampf und politischer Alltag in Deutschland nach 1945
Ausstellung in der U-Bahn-Galerie
„Setzt Deutschland nicht aufs Spiel”, mahnt ein kleines Wahlkampfplakat von 1961 mit dem Porträt von Konrad Adenauer. „Die Kraft des Neuen” beschwört Gerhard Schröder auf dem Leipziger SPD-Parteitag 1998 vor einem riesigen farbigen Display.
Trotz der unterschiedlichen Stilmittel und der zeitlichen Distanz: Politische Inszenierungen gehören zum Alltag von Politikern und politischen Parteien. In Wahlkämpfen wird dies besonders deutlich. Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zeigt in seiner U-Bahn-Galerie ab 12. Juni 2008 bis Mai 2009 mit rund 60 Fotografien, wie sich Politiker in der Öffentlichkeit und im politischen Alltag seit 1945 in Szene setzen.
Pressefotos zum Download
Pressetext (Pdf)
Die Ausstellung präsentiert Beispiele aller Volksparteien: Fotos von Wahlkampf-plakaten und Parteitagen zeigen die zunehmende Konzentration auf den jeweiligen Kanzlerkandidaten, Sachaussagen treten in den Hintergrund. PR- und Werbeagenturen entwickeln Strategien zur Präsentation der Kandidaten in der Öffentlichkeit.
Dazu kommt die Darstellung des Privaten in der Öffentlichkeit, die Sympathie für die abgebildete Person gewinnen will: Franz-Josef Strauß spielt mit seiner Tochter „Mensch ärgere dich nicht”, Helmut Schmidt lässt sich bei einem Schachspiel mit seiner Frau fotografieren, Helmut Kohl rudert auf dem Wolfgangsee.
Seit den 1960er Jahren prägt vor allem das Fernsehen die öffentliche Meinung. Besonders hohe Einschaltquoten verzeichnet zwischen 1969 und 1987 die „Elefantenrunde”, eine Fernsehdiskussion der Parteivorsitzenden am Wahlabend. Mit Öffnung des Fernsehens für private Anbieter seit den späten 1980er Jahren orientiert sich Politik zunehmend an kommerziell ausgerichteten Sendeformaten. Auftritte in Talkshows und Unterhaltungssendungen nutzen auch Politiker bewusst zur Imagebildung. Im September 2002 richten erstmals öffentlich-rechtliche und private Sender gemeinsam ein Fernsehduell der beiden Kanzlerkandidaten aus.
Die immer größere Flut von Bildern veranlasst die politisch Handelnden zu inszenierten Situationen, um größere Aufmerksamkeit zu erzielen: Klaus Töpfer als Umweltminister, der in den Rhein springt, um dessen gute Wasserqualität zu belegen; Norbert Blüm, der sich mit geliehenem Pileolus (Käppchen) unter die versammelten Bischöfe begibt oder Renate Künast, die öffentlich einen Apfel konsumiert und damit beweist, dass sie den richtigen (grünen) Biss hat.
Auf diese Weise entstehen Momentaufnahmen, die ungewollt auch zu Karikaturen werden können, wenn das aktuelle politische und mediale Umfeld in Vergessenheit geraten ist.
Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
U-Bahn-Galerie, Willy-Brandt-Allee 14, 53113 Bonn
Tag und Nacht geöffnet, Eintritt frei
Eröffnung: 12. Juni 2008, 12.00 Uhr
mit Prof. Coordt von Mannstein, PR-Berater, Wahlkampfstratege und Geschäftsführer der von Mannstein Werbeagentur GmbH
Direktor Kommunikation:
Dr. habil. Harald Biermann
Medienanfragen richten Sie bitte an:
Peter Hoffmann
Pressereferent
Tel.: (02 28) 91 65-109
Fax: (02 28) 91 65-302
