Pressemitteilung: Honecker-Koffer für das Haus der Geschichte.
FOCUS übergibt rund 300 Fotos und persönliche Unterlagen
„Stimmt nicht!” Diese handschriftliche Notiz vermerkte Erich Honecker auf dem Exemplar seines Haftbefehls vom 2. Dezember 1991. Darin wird der entmachtete Diktator angeklagt, 1961 den „Schusswaffeneinsatz gegen Grenzverletzer” angeordnet zu haben.
Dieser Haftbefehl ist eines von vielen Dokumenten aus dem privaten und öffentlichen Leben von Erich und Margot Honecker. Verpackt in zwei Koffer blieben private Fotos, Briefe und Unterlagen während der Flucht nach Moskau in Berlin zurück. Sie gewähren einen Einblick in das Leben und Denken des Diktators und seiner Frau. Die Mehrzahl der Dokumente in den Koffern bezieht sich auf die Zeit im Moskauer Exil. Das Magazin FOCUS, in dessen Hände das Material gelangte, übergibt die Objekte jetzt dem Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Im Informationszentrum des Museums werden bis zum 14. März 2008 einige Objekte und Dokumente zu sehen sein.
Besonders aufschlussreich sind 20 Briefe aus dem Jahr 1991. Sie zeugen von Erich und Margot Honeckers Art, mit der politischen und persönlichen Krise umzugehen. Margot Honecker beschimpft die Genossen, von denen sie sich verraten fühlen: „Der Krenz hat ja nun wirklich nicht alle Tassen im Schrank, sich vor einem bürgerlichen Gericht auszukotzen …”.
Im Juli 1991 geben sich Margot und Erich noch optimistisch: „Ein bisschen wollen wir doch noch abhaben von diesem verdammt schönen Leben, oder?”. In einem Brief an seinen Schwager Manfred Feist schreibt Honecker am 29. November 1991: „Schließlich ist doch die DDR nicht wegen ‚unserer Fehler’ untergegangen.”
Das politische Leben der Honeckers dokumentieren Aufnahmen vom Aufstieg in der Partei und Urkunden aus ihrer politischen Karriere, zum Beispiel die Berufungsurkunde für Margot Honecker zur Ministerin für Volksbildung 1963. Darunter befinden sich auch Zeugniskopien aus Erich Honeckers Zeit auf der Lenin-Schule 1930/31 in Moskau.
Private Fotos spiegeln das Familienleben von Margot und Erich Honecker wider. Auch ein Fotoalbum mit Honeckers geliebtem Jagdhund ist darunter. Die öffentliche Darstellung des Privatlebens des SED-Machthabers und seiner Familie war in der DDR tabu.
„Die Materialien ergänzen die Sammlungen der Stiftung in einem thematisch wichtigen Aufgabenfeld. Sie helfen, das Machtgefüge der DDR in unseren Museen in Bonn und Leipzig ausführlicher darzustellen”, erläutert Museumsdirektor Prof. Dr. Hans Walter Hütter in Bonn.
Pressegespräch und Fototermin:
Datum: 13. Februar 2008, 14:00 Uhr
Ort: Informationszentrum des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Katrin Sachse, Redakteurin des FOCUS, ist anwesend.
Öffnungszeiten Informationszentrum:
zusätzlich am 23. und 24. Februar 2008: 9.00 - 18.00 Uhr
ab 25. Februar wieder:
Dienstag – Freitag
9:00 – 17:00 Uhr, Samstag/Sonntag geschlossen
Eintritt frei
Direktor Kommunikation:
Dr. habil. Harald Biermann
Medienanfragen richten Sie bitte an:
Peter Hoffmann
Pressereferent
Tel.: (02 28) 91 65-109
Fax: (02 28) 91 65-302
