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    Schamlos? Sexualmoral im Wandel

    Neue Ausstellung im Haus der Geschichte

    Die Schauspielerin Hildegard Knef erregte Anfang der 1950er Jahre noch Aufsehen, als sie in einer Filmszene kurz nackt zu sehen war. Heute erreichen die Schilderungen sadomasochistischer Praktiken in dem Buch „Shades of Grey“ Millionenauflagen. Noch 1973 protestierten Demonstranten vermummt gegen die Entlassung eines homosexuellen Lehrers, weil sie nicht erkannt werden wollten, heute gibt es in vielen deutschen Städten den Christopher Street Day, eingetragene Lebensgemeinschaften von homosexuellen Paaren sind in Deutschland seit 2001 möglich.
    Die Beispiele offenbaren einen tiefgreifenden Wandel der Sexualmoral und des Miteinanders der Geschlechter in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit rund 900 Objekten beleuchtet die neue Ausstellung im Haus der Geschichte vom 30. Mai 2015 bis 14. Februar 2016 Veränderungen gesellschaftlicher Leitbilder und moralischer Normen.

    Pressefotos

    Partnerschaft und Sexualität gehören zum Intimsten des Menschen. Gleichwohl unterliegen sie gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und sind damit auch Spiegel der Zeit. Sexualmoral und Geschlechterbeziehungen haben sich seit 1945 stark verändert. Den damit verbundenen Wertewandel beklagen die einen als Verlust von Moral und sittlicher Ordnung, andere begrüßen ihn als Ausdruck zeitgemäßer Liberalisierung und Pluralisierung der Lebensformen.


    Werteverfall oder Freiheitsgewinn?

    In der Bundesrepublik Deutschland sind Sexualität und Moral häufig Gegenstand öffentlicher Debatten. Beispiele wie der Kampf gegen den vermeintlichen „Schmutz und Schund“ in den 1950er Jahren, der Streit um die Reform des „Abtreibungsparagraphen“ 218 in den 1970er Jahren oder bis in jüngste Zeit geführte Diskussionen um Formen der Sexualaufklärung im Unterricht zeigen anschaulich, dass bei diesen Themen nicht zuerst um Privates, sondern vielmehr um soziale Ordnungsvorstellungen und das Selbstverständnis der Gesellschaft gerungen wird.

    „Sozialistische Moral“

    Die DDR gilt im Vergleich zur Bundesrepublik bis heute vielen als weniger prüde. Doch auch hier herrschen eindeutige Normen und Regeln, vorgegeben von der SED. „Unsere DDR ist ein sauberer Staat“, erklärt die Staatspartei 1965. Sie verbietet Prostitution und Pornografie, weil die Menschen „anständig“ leben sollen. Voreheliche Sexualität gilt zwar als natürlich, doch soll eine Beziehung in die Ehe münden. Frauen und Männer sind formal gleichberechtigt, aber auch in der DDR prägen traditionelle Rollenbilder die Geschlechterbeziehungen.


    Sexualmoral im Wandel

    Die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung, die Änderung von Rollenbildern sowie die zunehmende Kommerzialisierung von Erotik und Sexualität sind nur einige Aspekte der Ausstellung. Film- und Tondokumente, Plakate und Objekte wie ein Notizbuch von Rosemarie Nitribitt, ein als Geheimversteck für den Beate-Uhse-Katalog umgebautes Buch, die lila Latzhose der Frauenbewegung, Sexspielzeug oder ein in der DDR ausschließlich für den Export produziertes erotisches Kartenspiel veranschaulichen die Bandbreite der Themen und lassen rechtliche und kulturelle Veränderungen im Bereich Sexualität und Moral deutlich werden.

    Schamlos? Sexualmoral im Wandel
    30. Mai 2015 – 14. Februar 2016
    Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag, 9 – 19 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertage 10 – 18 Uhr; Eintritt frei

    Eröffnung am 29. Mai 2015, 19.30 Uhr, mit Lilo Wanders
    Pressevorbesichtigung: 29. Mai 2015, 10.00 Uhr, Pressekonferenz 11.00 Uhr


    Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
    Willy-Brandt-Allee 14, 53113 Bonn, Museumsmeile
    Tel: (0228) 9165-0, Fax: (0228) 9165-302, www.hdg.de


    Pressefoto



    Direktor Kommunikation:

    Prof. Dr. Harald Biermann


    Medienanfragen richten Sie bitte an:


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    Pressereferent
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