Von den Engländern heißt es, sie liebten ihn bissig. Über die Franzosen sagt man, sie bevorzugten ihn feinsinnig. Die Deutschen hingegen können sich schon glücklich schätzen, wenn er ihnen nicht gänzlich abgesprochen wird. Die Rede ist natürlich vom Humor. Bei allen sorgsam gepflegten Vorurteilen über die Unterschiede der nationalen Belustigung ist aber wohl doch kein Volk so ganz "ohne". Beredtes Zeugnis für diese Behauptung legt der deutsche politische Witz ab, der seine Blüte in Zeiten der Repression erlebte. Wo offene Kritik an den bestehenden Verhältnissen nicht möglich ist, kanalisiert der private Spott den Groll über das System und gibt es zugleich der Lächerlichkeit preis. Der subversive Witz, zumal der gute, der gerne und oft weitererzählt wird, rüttelt so in vordergründig unverfänglicher Weise an den Fundamenten des Regimes. Wen wundert es da, dass das SED-Regime versucht war, durch einen volkseigenen Verlag "für Humor und Satire" auch die Volksbelustigung zu verstaatlichen? So lacht der Proletarier! Nicht minder komisch, aber ein Stück weit "harmloser" ist der politische Witz in demokratischen Gesellschaften. Hier werden vielmehr einzelne politische Entscheidungen und mit Vorliebe gesellschaftliche Entwicklungen mit Gespür für den Zeitgeist "aufs Korn" genommen.

Die von uns zusammengestellten Witze kommentieren 50 Jahre deutsche Geschichte in Ost und West: In ihrem Spiegel werden zentrale historische Ereignisse und prominente Politiker in beiden Teilen Deutschlands wieder lebendig. Die Witze-Ausstellung ergänzt unsere virtuelle Reihe "Geteilt - Vereint", in der wir bereits 50 Jahre deutsche Frage in Karikaturen und ein halbes Jahrhundert Kinogeschichte in Filmplakaten aus unseren Sammlungen vorgestellt haben auch hier nach dem bewährten Muster in Dekaden. Nicht immer ist die exakte zeitliche Zuordnung wie beim "Sputnik-Jahr" 1957 möglich, da Witze vor allem vom Erzählen leben, d.h. mündlich weiter wandern, ohne schriftlich fixiert zu werden. Karikaturen aus unseren Sammlungen dienen der Illustrierung.

Vielleicht erinnern Sie sich, durch die Ausstellung angeregt, an den einen oder anderen politischen Witz. Wenn Sie uns Ihren Lieblingswitz, wenn möglich mit Zeitangabe, per E-Mail mitteilen, arbeiten wir die besten politischen Witze in die Ausstellung ein. Selbstverständlich können Sie auch einen Witz, der Ihnen besonders gut gefällt, über die "Erzähl ihn weiter-Funktion" an Freunde und Bekannte senden.

Und nun viel Spaß bei "geteilt - vereint"!

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