Plakat zur Wechselausstellung "Spiel Zeit Geist" von 1994
Vergangene Ausstellung
09.12.1994 bis 17.04.1995

SpielZeitGeist

Vom "Wehrmachtsschach" bis zu modernen Computerspielen - das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn spannt mit seiner neuen Wechselausstellung einen Bogen vom Anfang des Jahrhunderts bis in die Gegenwart. "SpielZeitGeist. Spiel und Spielzeug im Wandel" ist der Titel der neuen Ausstellung des Hauses der Geschichte, die vom 9. Dezember 1994 bis zum 17. April 1995 im Museum für Zeitgeschichte an der Adenauerallee in Bonn zu sehen ist.

Spiel, Spielzeug, Zeitgeist und Zeitgeschichte sind Themen der Ausstellung. Spiegelungen der realen Welt im Spiel und Spielzeug stehen im Vordergrund. Auch Prominente, von Günther Jauch über Franziska van Almsick bis zu Wolfgang Niedecken, haben zur Realisierung dieser Ausstellung mit ihrem Lieblingsspielzeug beigetragen.

Die Ausstellung umfaßt mehrere historisch-thematische Stationen zu den Wechselbeziehungen zwischen Spiel und Zeitgeist . Spielzeitgeist im "Dritten Reich" konzentriert sich auf die perfektionierte Verführung zur NS-Ideologie: Parteiführer als Spielzeugfiguren, Panzerwagen in Miniatur und Kampfflieger im Modellbausatz führen Kinder "spielerisch" an politische Ziele heran. Spiele wie "Denn wir fahren gegen Engeland" und "Stukkas greifen an" sollen die Kriegsstimmung fördern. 

In der unmittelbaren Nachkriegszeit werden Trümmerlandschaften zu Spielplätzen , Schutt und Kriegsgerät zu Spielzeug: Aus vielerlei Materialresten entstehen mit Phantasie Puppen, Spielzeugautos und vieles mehr. Sogar Bombenzünder finden friedliche Verwendung als Laufwerke von Spielzeugelefanten. Die Politik der Besatzungsmächte hat Einfluß auf Spielzeug und Spiele: Seifenkistenrennen werden von den Amerikanern gefördert - Kinder und Jugendliche sollen zum "fair play" erzogen werden. 

Baukräne und Baukästen der Kinder spiegeln in den 50er Jahren die Konjunktur der Wiederaufbaujahre . Der Zeitgeist verlangt von den Kindern, daß sie "sinnvoll" spielen, bauen und lernen; der Weg in die Freizeitgesellschaft ist noch Zukunftsmusik. Weiteres Kennzeichen der 50er Jahre ist die Motorisierung. Miniaturautomobile erobern die Kinderzimmer, im Westen oft "chromblitzende Stahlkarossen", im Osten häufiger "Arbeitsfahrzeuge der Werktätigen". Auch das richtige Verhalten von Kindern im Straßenverkehr findet "spielerisch" Einzug in die Kinderzimmer.

Der Spieltrend folgt auch politischen Realitäten: Spielzeugpanzer und Flugzeugträger im Modellbausatz werden zu Zeugnissen des Kalten Krieges in Ost und West. In der DDR werden die Nationale Volksarmee und Spiele mit militärischem Inhalt bewußt ideologisch eingesetzt. 

Den Wettlauf zwischen den USA und der Sowjetunion um die Eroberung des Weltalls erleben Kinder bereits 1958 unter dem Weihnachtsbaum: Mondraketen und Astronauten liegen als Modelle und Spiele auf dem Gabentisch. 

In den 60er und 70er Jahren erobern Kunststoff und Technik die Spielzeugwelt, neue phantastische Welten entstehen in den Kinderzimmern. Mit Legosteinen und Playmobil lassen sich komplexe Erlebnisszenen voller Phantasie nachbauen . Die Barbiepuppe zeigt mit ihrer Mode und deren vielfältigen Accessoires, wie schnell sich Zeitgeist und Geschmack ändern. 

Auch die in den 70er Jahren aufkommenden Zweifel an uneingeschränktem Wachstum, Sorgen um die Grenzen des Wachstums wirken im Spiel fort. Die Auseinandersetzung mit ökologischen Fragen wird in den 80er Jahren Thema für zahlreiche Umweltspiele. 

Die Ausstellung weist auch Fragen auf: Die Auswahl von Spielen und Spielzeug ist größer denn je, aktuelle Themen werden immer rascher aufgegriffen und vermarktet. Perfekte Computerspiele in virtuellen Räumen suggerieren fast den Ersatz des lebendigen Spielgefährten. Andererseits haben traditionelle Spiele Konjunktur, Spielzeuge aus natürlichen Materialien sind zunehmend gefragt. 

Zur Ausstellung erschienen ein reich bebildertes Buch sowie, in Zusammenarbeit mit dem Ravensburger Verlag, ein "Memory" mit zahlreichen Exponaten, das, wie auch ein Quartett zum Thema, im Museumsshop des Hauses der Geschichte sowie über unseren Online-Shop erhältlich ist.