Ausstellungsplakat Verfreundete Nachbarn: Deutschland - Österreich
Vergangene Ausstellung
19.05.2005 bis 23.10.2005

Verfreundete Nachbarn

Deutschland – Österreich

Mit keinem Nachbarland verbinden Deutschland so starke kulturelle und politische Gemeinsamkeiten wie mit Österreich. Zugleich ist das Verhältnis der beiden Länder zueinander vom Trauma der NS-Zeit und der radikalen Trennung nach 1945 bestimmt.
Die Ausstellung zeigt die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Berührungspunkte zwischen Deutschland und Österreich, wobei sie Kontinuitäten und Brüche deutlich macht. Sie spannt einen Bogen vom Ende des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation 1806 bis in die unmittelbare Gegenwart.

Ein historischer Rückblick erinnert an die Jahrhunderte lange gemeinsame Geschichte vor der Bildung der Nationalstaaten. Die immer wiederkehrenden Debatten um die groß- und kleindeutsche Lösung im 19. Jahrhundert sind ebenso Thema wie die Vorgeschichte des "Anschlusses" Österreichs an das Deutsche Reich 1938. Ein Exkurs befasst sich mit dem politischen Werdegang Adolf Hitlers und den maßgeblichen ideologischen Einflussfaktoren auf sein Denken.

Nach 1945 gingen Deutschland als "besiegtes" und Österreich als "befreites" Land getrennte Wege. Der unterschiedliche Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, die Fragen nach Schuld und Verantwortung belasteten zeitweise die bilateralen Beziehungen.

Die Auschwitz-Prozesse und die Waldheim-Affäre lösten breite Diskussionen aus. Zudem behinderte die Deutsche Frage in der Nachkriegsgeschichte bis 1955 die Klärung der politischen Zukunft Österreichs.
Neben den politischen Beziehungen spielen auch wirtschaftliche und kulturelle Faktoren eine wichtige Rolle im Verhältnis beider Nachbarn. Sie sind von starker Konkurrenz und der österreichischen Angst vor einer deutschen Dominanz geprägt. Die wechselseitige Wahrnehmung von Österreichern und Deutschen ist bis heute ambivalent und von zahlreichen Klischees bestimmt. Sie schwankt zwischen Verwandtschaftsgefühlen und Abgrenzungsbedürfnissen.

Die Frage nach den nationalen Identitätsmustern durchzieht die Ausstellung wie ein roter Faden: Österreich besann sich nach 1945 auf Habsburger-Mythos und Wiener Klassik, eine ähnliche nostalgische Rückbesinnung in Deutschland konnte angesichts der NS-Verbrechen kaum stattfinden.
Die besondere Rolle Österreichs im Ost-West-Konflikt und der Entspannungsprozess der Ära Brandt/Kreisky bilden ein weiteres Kapitel. Schlusspunkte der Ausstellung sind der Grenzabbau an der österreichisch-ungarischen Grenze 1989 und der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union 1995.

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