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Unbeabsichtigte Grenzöffnung
An dem Pult im Pressezentrum der DDR verkündet SED-Politbüromitglied Günter Schabowski am 9. November 1989 das neue Reisegesetz derDDR. Auf Nachfrage eines Journalisten antwortet er, das Gesetz trete "sofort, unverzüglich" in Kraft weil er den Sperrvermerk weder in seinen Notizen noch in der Ministerratsvorlage findet.


Unmittelbar nach der Fernsehübertragung strömen tausende Ost-Berliner an die Grenzübergänge und fordern vehement die Öffnung der Schlagbäume. Die unvorbereiteten DDR-Grenzsoldaten beugen sich schließlich dem Massenandrang auf die Grenzübergänge und öffnen die Grenze nach West-Berlin. Die Mauer ist gefallen.

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Der Schreibtisch steht im Büro des Fernsehkommissars Stephan Derrick, dargestellt von Schauspieler Horst Tappert. Er ermittelt von Oktober 1974 bis 1998 in insgesamt 281 Serienfolgen. "Derrick" ist auch im Ausland sehr beliebt und in über 100 Ländern im TV zu sehen. 2013 findet ein Forscher heraus, dass Horst Tappert im Zweiten Weltkrieg Mitglied der Waffen-SS war. Mehrere Länder verzichten daraufhin auf Wiederholungen der Krimiserie.

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Hildegard Sand trägt das Brautkleid bei ihrer Hochzeit am 11. September 1948. In der unmittelbaren Nachkriegszeit herrscht Mangel an Rohstoffen. Normale Kleiderstoffe sind kaum zu bekommen, daher ist das Kleid aus Fallschirmseide genäht. Das Material für das Hochzeitskleid bezieht der Ehemann vermutlich über einen Freund, der vor 1945 bei der Luftwaffe gedient hat bzw. über Kontakte zur Luftwaffe verfügte. Genäht hat das Kleid eine Tante der Braut, die Schneiderin war.

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Dieses Bild des Künstlers Günther Schaefer ist die Vorlage für das Gemälde „Vaterland-Flagge“ an der Berliner East-Side Gallery. Ab 1990 wird dort ein Mauerabschnitt als Ausstellungsfläche für Kunst genutzt, über hundert Künstler beteiligen sich an der Gestaltung dieser Freiluft-Galerie. Das Gemälde von Schaefer wirft Fragen auf zum wiedervereinigten Deutschland und dessen Verhältnis zu Judentum und Israel. Mehrfach ist es Ziel von Vandalismus, häufig mit antisemitischem Hintergrund.

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Mit diesem Rucksack reist Armin Posse zwischen 1976 und 1984 durch Europa und Israel. Die insgesamt sechzig Aufnäher erinnern an seine Reiseziele. Für die Reise nutzt er das Zugticket Interrail. Damit können Jugendliche für einen festgesetzten Zeitraum zum Pauschalpreis reisen – ein prägendes Erlebnis für ganze Generationen.

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Toby Rodes kommt 1944 als Offizier der US-Armee nach Europa. Nach dem Krieg arbeitet er in Deutschland als Informationschef für das im Juni 1947 verkündete European Recovery Programm (ERP), besser bekannt als„Marshallplan“ nach dem damaligen US-Außenminister. Rodes initiiert verschiedene Werbeaktionen, darunter auch den Europazug.
Das Programm soll den Wiederaufbau West-Europas und seiner zerstörten Industrie finanziell fördern und dadurch den Kontinent auch politisch stabilisieren. 16 westeuropäische Länder erhalten von 1948-1952 insgesamt etwa 12,4 Milliarden US-Dollar. Die westdeutsche Teilnahme am Marschallplan gilt als ein wichtiger Faktor für den wirtschaftlichen Aufschwung und das „Wirtschaftswunder“.

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Diese beiden Kleider stammen von zwei deutschen Teilnehmerinnen an Wahlen zur „Miss Germany“:1955 gewinnt Margit Nünke den Wettbewerb im Abendkleid. Das weiße Kleid gehört Verona Feldbusch, Siegerin der Misswahl von 1993. Miss-Wahlen gibt es in Deutschland seit 1909. Sie zeigen den Wandel von Schönheitsidealen und dem Frauenbild in der Gesellschaft. Zu den bekanntesten Schönheitsköniginnen zählt die "Miss Germany" von 1955, die Kölnerin Margit Nünke.

In den 1950er Jahren sind Schönheitswettbewerbe ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis der Wirtschaftswunderzeit. Die "Miss Germany" gilt als öffentliches Vorbild für die Frauen. Auch in den 1990er Jahren hat der Titel noch Erfolgspotential. Verona Feldbusch weckt als Kandidatin von Schönheitswettbewerben das Interesse der Boulevardpresse. Ihre Wahl zur "Miss Germany" 1993 ist der Beginn ihrer Karriere als Sängerin, Schauspielerin, Mode-Designerin und Moderatorin.

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Kampf den Kilos: Der Werbeaufsteller aus den 1960er Jahren wirbt für ein Schlankheitspräparat. Nach Krieg und Notzeiten ändern sich auch die Ernährungsgewohnheiten, Übergewicht und Figurprobleme sind auf dem Vormarsch. Gleichzeitig kämpfen viele um eine schlanke Linie, Diäten und entsprechende Schönheitsideale sind ein immer wiederkehrendes Thema in Frauenzeitschriften und in der Werbung.

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Der Weg vieler Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus endet in der Hinrichtungsstätte in Plötzensee. Einer von ihnen ist Alfred Delp, Jesuit und Mitglied des Kreisauer Kreises. Am 31. Januar 1945 leistet er im Kammerbuch des Strafgefängnisses seine Unterschrift und „quittiert“ damit die Abgabe seiner persönlichen Habseligkeiten. Seine Hinrichtung erfolgt am 2. Februar 1945.

Alfred Delp arbeitet seit 1942 in der Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“ um Helmuth James Graf von Moltke mit. Nach dem Scheitern des Umsturzversuches am 20. Juli 1944 wird er kurz darauf verhaftet und im Januar 1945 zum Tod verurteilt.

Das Kammerbuch enthält auch die Unterschriften zahlreicher anderer Widerstandskämpfer aus dem Umfeld des „20. Juli“ wie Carl Friedrich Goerdeler und Johannes Popitz. Diese Unterschrift ist meist die letzte ihres Lebens vor der Hinrichtung. Das Kammerbuch wird bis zum 21. April 1945 von Wachtmeister Hermann Knöschke geführt - vier Tage bevor sowjetische Truppen in das Gefängnis eindringen. Im britischen Sektor Berlins wird das Kammerbuch noch bis zum 23. Dezember 1945 genutzt.

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Vor fünfzig Jahren kommt die damals erfolgreichste Band der Welt auf Einladung der Jugendzeitschrift BRAVO zu ihrer einzigen Tournee in die Bundesrepublik. Vor begeisterten Zuschauern spielen die Beatles auf der „Bravo Beatles Blitztournee“ in Hamburg, Essen und München. Immer dabei: das Schlagzeug von Ringo Starr.

Die 1960 in Liverpool gegründeten Beatles prägen mit ihrer Musik das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Ihre Auftritte führen regelmäßig zur Massenhysterie unter den jugendlichen Fans, die Medien nennen das weltweite Phänomen „Beatlemania“. Neben Schlagzeuger Ringo Starr besteht die Band aus Paul McCartney, John Lennon und George Harrison.

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In Flüchtlingsunterkünften in Celle hängen Auszüge des Grundgesetzes in fünf Sprachen: Arabisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch. Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende will damit die Flüchtlinge über die Grundrechte in der Bundesrepublik informieren. Sein Ziel: Verständnis fördern für den deutschen Rechtsstaat und das Zusammenleben in der Gesellschaft.

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Aus den Titelblättern von 36 Berliner Opern- und Schauspielprogrammen aus den Jahren 1934-1942 wurden sorgfältig die Hakenkreuze entfernt. Die Künstlerin Tacita Dean findet sie im Jahr 2000 zufällig auf einem Berliner Flohmarkt und arrangiert sie zu einem Kunstwerk. Benannt nach einer der Opern macht es neugierig auf die Geschichte der Programmhefte und lädt zum Nachdenken ein über das Verhältnis von Kultur und Politik und unsere Auseinandersetzung mit Geschichte.

Es ist weder bekannt, wer die früheren Besitzer der Programme waren, noch warum und zu welchem Zeitpunkt die Hakenkreuze entfernt wurden. Dies könnte während der Zeit des Nationalsozialismus ein Akt der stillen Opposition gewesen sein. Möglich ist auch eine Entfernung in der Nachkriegszeit, als der Besitz nationalsozialistischer Symbole unter Strafe stand.

Die Künstlerin Tacita Dean wurde 1965 in Canterbury geboren und lebt und arbeitet seit 2000 in Berlin. Neben zahlreichen Arbeiten mit dem Medium Film verwendet sie auch auf Flohmärkten aufgespürte persönliche Erinnerungsstücke für ihre Kunstwerke, die sie in ihren Installationen vor dem Vergessen bewahrt und so zu neuem Leben erweckt.

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Kunstwerk 'Die Regimentstochter' von Tacita Dean

Anhand seiner handschriftlichen Notizen gibt SED-Politbüromitglied Günter Schabowski am Abend des 9. November 1989 auf einer Pressekonferenz im Fernsehen eher beiläufig die neue Reiseregelung der DDR bekannt. Noch am selben Abend erzwingt der Massenandrang auf die Grenzübergänge nach West-Berlin die Öffnung der Mauer.

Am Ende der Pressekonferenz verliest Günter Schabowski vor laufender Kamera stockend „von einem Zettel, den mir jemand zugesteckt hat“, den Beschluss des Ministerrats, den dieser wenige Minuten zuvor gefasst habe: „Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen (Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse) beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt. Ständige Ausreisen können über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD beziehungsweise zu Berlin (West) erfolgen.“

Da er in seinen Notizen keinen Hinweis auf einen Sperrvermerk findet, antwortet er auf Nachfrage eines Journalisten, die Reiseregelung trete nach seiner Kenntnis „sofort, unverzüglich“ in Kraft, obwohl sie erst am 10. November veröffentlicht werden sollte. Nicht nur die Ostdeutschen, auch die Grenztruppen der DDR und die Führung der Sowjetunion überrascht diese spektakuläre Nachricht, die sich wie ein Lauffeuer verbreitet.

Noch am selben Abend strömen Tausende in Ost-Berlin an die Mauer und fordern vehement die Öffnung der Schlagbäume. Die Grenzsoldaten waren vorab nicht informiert und werden von den Ereignissen überrumpelt. Schließlich öffnen sie unter dem Druck der Massen ohne ausdrücklichen Befehl die Grenzübergänge nach West-Berlin.

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Notizen des SED-Funktionärs Günter Schabowski zur Ankündigung der neuen DDR-Reiseregelung bei der Pressekonferenz am 9.11.1989.

Der FDP-Politiker Theodor Heuss wird am 12. September 1949 von der Bundesversammlung zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Diese Büste des Künstlers Gregor Dittmer steht von 2009 bis 2013 in den Räumen der FDP-Fraktion im deutschen Bundestag.

Bei der Bundestagswahl im September 2013 scheitert die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde und ist damit nicht mehr im Bundestag vertreten. Die Fraktion löst sich auf und veräußert ihren gesamten Besitzstand, darunter auch dieses Kunstwerk.

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Diese Trikots sind Geschenke an Gerhard Schröder in seiner Amtszeit als Bundeskanzler (1998-2005). Schon als Jugendlicher spielt er in seinem Heimatverein TuS Talle auf der Position des Mittelstürmers, sein Spitzname aus dieser Zeit ist „Acker“.

Auch während seiner politischen Laufbahn bleibt Gerhard Schröder dem Fußball eng verbunden. Häufig besucht er Fußballspiele im Stadion, bei vielen Terminen demonstriert er seine Balltechnik und pflegt sein Image als „Fußballkanzler“.

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Email-Reklameschilder gehören in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den wichtigsten Werbemitteln. Material und Herstellung machen sie besonders lange haltbar. Sie prägen das Straßenbild bis in die 1960er Jahre.

In den Sammlungen der Stiftung befinden sich zahlreiche Werbeschilder aus verschiedenen Materialien. Sie zeigen Werbung und Produkte, die typisch sind für eine bestimmte Zeit, und visualisieren auf diese Weise Atmosphäre und Zeitgeist einer Epoche.

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Dieses Kostüm trägt Balam Byarubanga 2012 als Karnevalsprinz des Vereins „Koe Jonge“ aus Aachen-Richterich. Er stammt aus Uganda und lebt seit 1979 in Deutschland. Seit vielen Jahren ist er dem örtlichen Karneval verbunden. Mit seiner Ernennung setzt der Verein ein Zeichen für Integration und gegen Rassismus.

Auch das Motto der Session 2011/12 spielt auf Balams Herkunft an: „Dinge Täng dea es os janz ejal, vür fiere zesame Karneval (Deine Hautfarbe ist uns egal, wir feiern zusammen Karneval). Der fünfzehn Mitglieder zählende Hofstaat des Prinzen trägt traditionelle afrikanische Trachten, die Form des Karnevalsordens erinnert an den Umriss von Uganda. Balam I. wurde mit dem „Öcher Karnevals-Kulturpreis“ für „gelebte Integration im Öcher Karneval“ ausgezeichnet.

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Diesen Baum aus Holz fertigen deutsche Soldaten für ihre Weihnachtsfeier in Somalia 1993. Dort beteiligt sich die Bundeswehr an der bewaffneten Friedensmission der Vereinten Nationen „UNOSOM II“. Ihr Auftrag sind die Überwachung des Waffenstillstands im somalischen Bürgerkrieg und die Organisation von Hilfeleistungen für die notleidende Bevölkerung. Erstmalig sind damit deutsche Kampftruppen bei einem Blauhelm-Einsatz außerhalb des NATO-Gebiets beteiligt.

Im Rahmen der UN-Aktion werden von Sommer 1993 bis zum Frühjahr 1994 ca. 1700 Bundeswehrsoldaten nach Somalia entsandt, die letzten internationalen Verbände werden im Frühjahr 1995 abgezogen. Trotz kurzzeitiger Verbesserung der humanitären Lage gilt der Einsatz als gescheitert, der Versuch der dauerhaften Friedenssicherung bleibt ohne Erfolg.

Die Frage, ob Bundeswehreinsätze außerhalb des Bündnis-Gebietes der NATO dem Grundgesetz widersprechen, führt zu heftigen Debatten in Politik und Öffentlichkeit. 1994 entscheidet das Bundesverfassungsgericht mit dem sogenannten „out-of-area-Urteil“, dass sich die deutschen Streitkräfte an humanitären und militärischen Operationen der Vereinten Nationen beteiligen dürfen.

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Dieser Luftansaugschacht ist Teil eines Aufklärungsflugzeuges vom Typ Tornado des deutschen Kontingents der Afghanistan-Schutztruppe ISAF. Zwischen 2007 bis 2010 fliegen dort sechs Tornados Aufklärungsflüge zur Überwachung der feindlichen Stellungen der Taliban.

Die Bundeswehr beteiligt sich seit Anfang 2002 an der Afghanistan-Schutztruppe ISAF unter Mandat des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen. Anfang März 2007 stimmt der Deutsche Bundestag dem Beschluss der Bundesregierung zu, sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado nach Afghanistan zu senden. Das Einsatzgeschwader der Luftwaffe ist im Norden Afghanistans in Mazar-e Sharif stationiert. In der Zeit von April 2007 bis November 2010 werden über 4500 Einsätze mit rund 7900 Flugstunden absolviert.

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Diese Skulptur von Hans Scheib erinnert an Oskar Matzerath, die kleinwüchsige Hauptfigur aus dem Roman „Die Blechtrommel“ von Günther Grass. Die kindliche Gestalt des Trommlers und die Verwendung von schwarz-rot-gold in Krawatte und Trommel verweisen auf die Auseinandersetzung des Künstlers mit der Verführungskraft politischer Propaganda und der Verwendung nationaler Symbole.

Hans Scheib gehört zu den wichtigsten deutschen Holzbildhauern der Gegenwart. Seine Skulptur entsteht 2009, zwanzig Jahre nach dem Mauerfall, fünfzig Jahre nach Erscheinen der „Blechtrommel“ und vereint das Gedenken an beide Jahrestage.

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Dieser Konzertflügel aus der Semperoper in Dresden wird beim Jahrhunderthochwasser der Elbe im August 2002 überschwemmt. Von der Katastrophe sind weite Teile des Ostens und Südostens Deutschlands betroffen. Die Flut löst im ganzen Land eine große Welle der Hilfsbereitschaft aus, die Solidaritätsaktion mit den Hochwasseropfern gilt als wichtiger Beitrag auf dem Weg zur inneren Einheit.

Durch sintflutartige Regenfälle im August 2002 sind viele Gebiete im Osten Deutschlands von einer Flutkatastrophe historischen Ausmaßes betroffen. Zahlreiche Städte und Dörfer sowie große Teile der Landeshauptstadt Dresden werden überflutet. Allein in der Semperoper beläuft sich der Schaden auf über 27 Millionen Euro. Hier stehen die Kellerräume mit allen technischen Anlagen sowie Restaurant und Probenbühnen unter Wasser. Viele wertvolle Instrumente werden zerstört. Der Konzertflügel kann nach Abfließen des Wassers nur noch völlig verschlammt geborgen werden.

Die „Jahrhundertflut“ führt zu einer beispiellosen Hilfsaktion in ganz Deutschland. Zahlreiche Freiwillige unterstützen die Hilfskräfte, ein Spendenaufruf bringt über 500 Millionen Euro ein.

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Adolf Eichmann steht 1961 als Organisator der „Endlösung der Judenfrage“ in Jerusalem vor Gericht. Ruth Levy-Berlowitz ist Dolmetscherin während der Verhandlung. Sie übersetzt auch das Urteil aus dem Hebräischen ins Deutsche. Dieser Prozess konfrontiert die internationale Öffentlichkeit mit dem nationalsozialistischen Völkermord an den europäischen Juden. Eichmann wird zum Tode verurteilt und in der Nacht zum 1. Juni 1962 hingerichtet.

Die Gerichtssprache am Bezirksgericht Jerusalem ist hebräisch, für Eichmann und seine Verteidiger wird simultan ins Deutsche übersetzt. Ruth Levy-Berlowitz wird als Dolmetscherin ausgewählt, da sie beide Sprachen fließend beherrscht. Die Übersetzung des Urteilsspruchs dauert zehn Tage. Die Übersetzer werden während der Arbeit von Außenkontakten abgeschirmt, damit Informationen über den Inhalt nicht vorab in die Öffentlichkeit gelangen.

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Diese aus Coca-Cola-Dosen bestehende Skulptur des Aktionskünstlers HA Schult ist eine von insgesamt 1000 lebensgroßen Figuren, die er aus Getränkedosen und anderem Abfall gestaltet hat. Seit 1996 sind sie weltweit auf öffentlichen Plätzen zu sehen, zuletzt wurden im Juli 2011 zweihundert dieser „Müllmenschen“ in Telgte gezeigt.

Diese Skulpturen wurden als „Schrottarmee“ in der ganzen Welt an bekannten Orten wie der Chinesischen Mauer, dem Roten Platz oder vor dem Kölner Dom aufgestellt. Durch Inszenierungen im öffentlichen Raum will HA Schult mit seiner Kunst aus Überresten der Wegwerfgesellschaft auf die Probleme des Konsums aufmerksam machen und das gesellschaftliche Bewusstsein für die Umwelt fördern.

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Die Arriflex 16 BL 16-mm-Filmkamera war von Mitte der 1960er bis Ende der 1970er Jahre das wichtigste Handwerkszeug des Kameramanns Manfred Borchardt. Sie war das gängige Modell für die aktuelle Fernsehberichterstattung und steht damit für den technischen Standard der Film- und Fernsehproduktion in dieser Zeit.

Durch ihr schalldämpfendes Gehäuse (BL = Blimp) konnte die Arriflex 16 BL auch für Tonaufnahmen und Interviews in geschlossenen Räumen eingesetzt werden, da durch den Schallschutz das Eigengeräusch der Kamera gedämpft wurde. 16-mm-Filmkameras waren seit den Anfängen des Fernsehens in den frühen 1950er Jahren in Gebrauch, bis sie im Lauf der 1980er Jahre durch Videokameras mit Magnetband-Aufzeichnung abgelöst wurden.

Diese Kamera stammt aus dem Nachlass des Kameramanns Manfred Borchardt (1931-2009), einer der Pioniere der TV-Berichterstattung. Von 1958 bis 1963 war er für die Wochenschau „Blick in die Welt“, von 1963 bis 1966 für die „Fox Tönende Wochenschau“ in Bonn tätig. Anschließend arbeitete er freiberuflich für zahlreiche Sendeanstalten im In- und Ausland. Für seine Verdienste um die Fernsehberichterstattung im Nachkriegsdeutschland erhielt er 1998 das Bundesverdienstkreuz.

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An diesem Pult im Pressezentrum der DDR gibt SED-Politbüromitglied Günter Schabowski am Abend des 9. November 1989 auf einer Pressekonferenz im Fernsehen eher beiläufig die neue Reiseregelung der DDR bekannt. Noch am selben Abend erzwingt der Massenandrang auf die Grenzübergänge nach West-Berlin die Öffnung der Mauer.

Am Ende der Pressekonferenz verliest Günter Schabowski vor laufender Kamera stockend „von einem Zettel, den mir jemand zugesteckt hat“, den Beschluss des Ministerrats, den dieser wenige Minuten zuvor gefasst habe:

„Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen (Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse) beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt. Ständige Ausreisen können über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD beziehungsweise zu Berlin (West) erfolgen“.

Auf Nachfrage eines Journalisten antwortet er, die Reiseregelung trete nach seiner Kenntnis „sofort, unverzüglich“ in Kraft, obwohl sie erst am 10. November veröffentlicht werden sollte. Nicht nur die Ostdeutschen, auch die Grenztruppen der DDR und die Führung der Sowjetunion überrascht diese spektakuläre Nachricht, die sich wie ein Lauffeuer verbreitet.

Noch am selben Abend strömen Tausende in Ost-Berlin an die Mauer und fordern vehement die Öffnung der Schlagbäume. Die Grenzsoldaten waren vorab nicht informiert und werden von den Ereignissen überrumpelt. Schließlich öffnen sie unter dem Druck der Massen ohne ausdrücklichen Befehl die Grenzübergänge nach West-Berlin.

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Jugendliche, die sich mit Kopfhörern in den Ohren in der Öffentlichkeit bewegen, gehören heute zum alltäglichen Bild. Doch nicht erst im Zeitalter von mp3 und iPod wird Musik zum allgegenwärtigen Begleiter. Schon seit den 1950er Jahren sind es insbesondere die jugendlichen Musikfans, die tragbare Plattenspieler und Tonbandkoffer nutzen, um ihre eigene Musik zu hören.

Preisgünstige Phonokoffer der 1950er Jahre sind für jugendliche Musikfans erschwinglich und werden zu Freunden und ins Freie mitgenommen, um Schlager und Rock'n'Roll zu hören.

Tonbandgeräte werden in den 1960er Jahren populär: Auf der Wunschliste vieler Jugendlicher stehen sie ganz oben, denn auf den Bändern wird nun die eigene Hitparade zusammengestellt. Radio Luxemburg, Soldaten- und Piratensender oder die Schallplatten der Freunde liefern die begehrten Hits.

Seit der Funkausstellung 1963 treten die neuen Musikkassetten ihren Siegeszug an: Sie sind handlicher und unempfindlicher als die Tonbandspulen. Auch der Kassettenrekorder ist kompakt und tragbar. Er wird zum Liebling der jugendlichen Musikfans: Aufnahme und Wiedergabe funktionieren auf Knopfdruck, überall und jederzeit.

1979 stellt Sony den Walkman vor. Ganz neue Hörwelten tun sich auf: Ausgerüstet mit kleinen Kopfhörern begleitet die Musik den jungen Hörer nun überall hin. Heute ist der iPod einer der erfolgreichsten tragbaren Media-Player: Sein Design ist preisgekrönt, das Gerät wird zum Lifestyleprodukt. Nun passen tausende Lieder in die Hosentasche.

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Der Schleudersitz Lockheed C-2 steht beispielhaft für die Probleme bei Beschaffung und Einsatz dieses Flugzeugs für die Bundeswehr. Aufgrund von technischen Mängeln versagt er häufig bei geringer Flughöhe und Geschwindigkeit. Ab 1966 kommt ein neuer Schleudersitz zum Einsatz. Die US-Firma Lockheed entwickelt ab 1959 mit dem F 104 G eine deutsche Ausführung des Starfighters, den die Luftwaffe 1961 einführt. In den Jahren 1965/66 häufen sich innerhalb kurzer Zeit die Abstürze. Der Tod von 27 deutschen Luftwaffen-Piloten in 24 Monaten erschüttert die Bevölkerung und führt zu einer tiefen Krise der Bundeswehr.

Die umfangreiche mediale Berichterstattung rückt das Ausmaß der Absturzserie und das Schicksal der Piloten in das Bewusstsein der bundesdeutschen Gesellschaft. Presse und Öffentlichkeit sind empört über das zögerliche Krisenmanagement und werfen den Verantwortlichen fahrlässigen Umgang mit dem Leben der Soldaten vor. In einer Vertrauenskrise zwischen politischer Leitung und militärischer Führung der Bundeswehr erreicht der Skandal 1966 seinen Höhepunkt. Am 24. März befasst sich der Deutsche Bundestag in einer höchst kontroversen Debatte mit der Absturzserie.

Im Zuge der Aufklärung wird deutlich, dass die Technik nicht ausgereift ist. Die deutsche Version des Kampfflugzeugs ist ohne ausreichende Erprobung in Serie gegangen. Wegen zahlreicher technischer Veränderungen ist das Flugzeug besonders störanfällig. Zwischen 1961 und 1989 sterben über hundert Piloten. Technische und organisatorische Verbesserungen bewirken einen Rückgang der Unglückszahlen.

Neue Enthüllungen sorgen 1976 für einen Folgeskandal: Der US-Senat deckt weltweite Bestechungen durch den US-Hersteller Lockheed beim Verkauf des Starfighters auf. Für die Beschaffung und die Verhandlungen mit der Herstellerfirma ist 1959 der damalige Verteidigungsminister Franz-Josef-Strauß verantwortlich. Er gerät unter Korruptionsverdacht, offizielle Untersuchungen der Vorwürfe bleiben ohne Ergebnis.

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