Mein Verein

Neue Ausstellung im Haus der Geschichte

„Treffen sich drei Deutsche, gründen sie einen Verein“: Dieser geläufige Witz bezieht sich auf eine Institution, die in ihrer Geschichte immer mit Spott zu kämpfen hatte. Dennoch erfreut sie sich nach wie vor großer Beliebtheit: Über 600.000 Vereine gibt es in Deutschland, rund 44% der Deutschen sind Mitglied in mindestens einem Verein. In jüngster Zeit zeichnet sich ein Strukturwandel ab: Traditionelle, „geselligkeitsorientierte“ Vereine rücken in den Hintergrund, während bei den Neugründungen das bürgerliche Engagement z.B. für Bildung eine zentrale Rolle spielt. 

Das Haus der Geschichte in Bonn widmet sich in seiner neuen Wechselausstellung „Mein Verein“ vom  6. September 2017 bis 4. März 2018 mit rund 300 Objekten und mehr als 20 Medienstationen diesem Phänomen. Zu sehen sind u.a. der Vereinsbaum der westfälischen Gemeinde Siddinghausen, der mit seinen 14 Wappenschildern die Lebendigkeit und Vielfalt des Vereinswesens anschaulich macht, der „Knappenbrief“ von Willi Koslowski, ehemaliger Stürmer von Schalke 04, oder das Modell eines DDR-Kleingartens.

Die Ausstellung zeigt den Verein als Ort von Geselligkeit und Gemeinschaft, Tradition und Heimatverbundenheit, der Menschen aus unterschiedlichen sozialen Milieus zusammenführt. Das politisch-gesellschaftliche Engagement der Vereine, die einen großen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt leisten, bleibt ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft.

Geselligkeit und Gemeinschaft

Schützenvereine gibt es in ihrer heutigen Form seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Sie begreifen sich als Traditionswahrer und Pfleger heimatlichen Brauchtums. An vielen Orten prägen sie das gesellschaftliche Leben wesentlich mit. Heute müssen sie sich einer Debatte um das zeitgemäße Verständnis ihrer Traditionen stellen. Die identitätsstiftende Rolle von Vereinen belegen eindrucksvoll die Kölner Karnevalsgesellschaften. Mit ihren Ritualen setzen sie das Lebensgefühl der Domstadt an den „tollen Tagen“ wirksam in Szene. Eine emotionsgeladene Beziehung zu ihrem Verein pflegen Fans des FC Schalke 04. Für sie und andere Fans ist der Fußballclub ein zentraler Teil ihres Lebens.

Fremdkörper
In der DDR sind SED-gelenkte Massenorganisationen Träger des sozialen Lebens. Wenige „Vereinigungen“ können dennoch ein begrenztes Eigenleben führen, so vor allem Kleingärtner, die das SED-Regime ab den 1970er Jahren zur Linderung von Versorgungsmängeln sogar gezielt fördert. Meist zerstört die deutsche Teilung alle Bande zwischen Vereinsmitgliedern aus Ost und West. Nicht so bei der Neuen Bachgesellschaft, die bis 1989 die Funktion einer deutsch-deutschen Klammer erfüllt und auf ihren Veranstaltungen die Begegnung von Menschen aus beiden Teilen Deutschlands ermöglicht. 

Mitwirkung und Mitverantwortung
Heute erleben projektbezogene Fördervereine einen Gründungsboom. Zu ihnen gehört die Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Dresdner Frauenkirche. „Tafeln“, die Lebensmittel an Bedürftige verteilen, übernehmen Aufgaben der Daseinsvorsorge. An ihnen entzündet sich eine Kontroverse über die Rolle, die private Vereine im Spannungsfeld zu öffentlichen Aufgaben sinnvoll erfüllen können. 

Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass die Mitgliederzahlen der Vereine wachsen. Allerdings gehen die Zahlen von traditionellen Vereinen, vor allem in ländlichen Regionen, laut einer Studie des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft langsam zurück. Vor allem in den Städten werden zunehmend Vereine gegründet, die sich z.B. im Rahmen von Fördervereinen dem Thema Bildung widmen.

Mein Verein
6. September 2017–4. März 2018
Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

Öffnungszeiten: DiFr 919 Uhr, Sa/So/Feiertage 1018 Uhr
Eintritt frei

Eröffnung am Dienstag, den 5. September 2017, 19.30 Uhr, mit Dr. Jürgen Linden, Oberbürgermeister der Stadt Aachen a.D.

Medienanfragen richten Sie bitte an
Pressereferent
Bonn
Peter Hoffmann

Eine Veröffentlichung der Fotos ist nur im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Ausstellung und unter Angabe des Copyright-Hinweises zulässig. Für höher aufgelöste Vorlagen wenden Sie sich bitte an den oben genannten Ansprechpartner.

Plakat zur Ausstellung Mein Verein

Plakat "Mein Verein"

© Schwind‘ Agentur für Medienkommunikation
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Den Schellenbaum mit dem Vereinswappen nutzt der Karnevalsverein „Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V“ (Rote Funken) bei festlichen Anlässen. Spielmannszüge und Militärmusik erinnern an die Kölner Stadtsoldaten  des 17. und 18. Jahrhunderts.

© Archiv Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V.; Foto: Stiftung Haus der Geschichte/ Axel Thünker
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„Stippeföttche“ heißt der Tanz der „Kölsche(n) Funke rut-wieß vun 1823“. Der älteste Kölner Karnevalsverein parodiert damit das militärische Ritual des Exerzierens.

© Archiv Kölsche Funke Rut-Wiess vun 1823 e.V./ Michael Lackler
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Plakat Vom Brachland zum Kleingarten

Vom Brachland zum Kleingarten: „Brachland-Aktionen“ lindern den Hunger in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) in den Nachkriegsjahren. Der Kleingarten ist ein Weg zur Selbsthilfe, nach dem Willen der SED soll er verschwinden, aber der Kleingarten überlebt sogar die DDR.

© Naumann, H., 1947; Foto: Stiftung Haus der Geschichte/ Axel Thünker
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Schild Schalke 04

Neumitglieder erhalten beim Eintritt in den Verein FC Schalke 04  Willkommensgeschenke wie dieses Schild. Profifußballvereine werben seit den 1990er Jahren gezielt um Neumitglieder, der Vertrieb von Fan-Artikeln ist eine zunehmend wichtige Einnahmequelle für den Verein.

© FC Schalke 04 e.V.; Foto: Stiftung Haus der Geschichte/ Axel Thünker
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Strampler von Schalke 04

Schon für Babys gibt es das passende Fan-Outfit
 
© FC Schalke 04 e.V.; Foto: Stiftung Haus der Geschichte/ Axel Thünker
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Maibaum

14 Wappenschilder zeugen vom regen Vereinsleben in Siddinghausen/ Landkreis Paderborn. Seit 1998 wird unter der Federführung des Musikvereins alljährlich am 1. Mai der Maibaum mit den Wappen der im Ort Siddinghausen ansässigen Vereine auf der Schützenwiese an der Sidaghalle aufgestellt.
 
© Musikverein Siddinghausen
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Fahne Schützenbruderschaften

Glaube Sitte Heimat: Das Bundesbanner des Bundes der historischen deutschen Schützenbruderschaften (BHDS), wird von Bundeskanzler Konrad Adenauer aus Anlass 25-Jahr-Feier des Dachverbandes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften 1953 in Köln gestiftet. Zu sehen sind die Wappen von Köln, Münster, Aachen, Trier und Paderborn. Diese fünf Diözesanverbände der Schützenbruderschaften schlossen sich am 1. Januar 1951 zum Zentralverband der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften zusammen.
 
© Bundesbanner des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS),  Leverkusen 1953; Foto: Stiftung Haus der Geschichte/ Axel Thünker
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