"Inszeniert. Deutsche Geschichte im Spielfilm"

Neue Ausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig

Kino- und Fernsehfilme wie „Unsere Mütter, unsere Väter“, „Good Bye, Lenin!“ oder „Die Flucht“ prägen das kollektive Geschichtsbewusstsein. Die populäre Aufbereitung von Fakten und Fiktion übertrifft an Reichweite das gedruckte Wort, schulische Angebote und alle anderen Vermittlungsformen. Die Ausstellung zeigt zu sieben ausgewählten Themenfeldern über 500 Objekte, darunter Drehbücher, Plakate, Preise und Requisiten sowie zahlreiche Filmausschnitte. Unter den Exponaten befindet sich etwa die Jacke eines Häftlings aus dem DEFA-Film „Nackt unter Wölfen“, den Frank Beyer 1963 nach dem Roman von Bruno Apitz drehte, aber auch die Uniform, die Tom Cruise als Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Film „Operation Walküre“ (2008) trug. Es wird anschaulich, wie Spielfilme – auch durch Marketingmaßnahmen –öffentliche Debatten über bestimmte historische Themen anstoßen, manchmal neue Akzente setzen und die Sicht auf Personen und Ereignisse beeinflussen.
Die Ausstellung ist vom 5. April 2017 bis 7. Januar 2018 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Spielfilme haben die öffentliche Diskussion zu Themen wie „Holocaust“, „Widerstand“ und „Zweiter Weltkrieg“ in besonderer Weise geprägt, manche sogar unmittelbar beeinflusst: Beim Thema „Holocaust“ schlägt die Ausstellung eine Brücke von der frühen DEFA-Produktion „Ehe im Schatten“ (1947) von Kurt Maetzig bis hin zum unerwarteten Erfolg der amerikanischen Fernsehserie „Ho-locaust“ (1979) und dem Kinofilm „Schindlers Liste“ (1994).
Spielfilme über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus konzentrieren sich in der Bundesrepublik in der Mehrzahl auf die Verschwörer des 20. Juli 1944. Die Filme „Es geschah am 20. Juli“ und „Der 20. Juli“ leisten Mitte der 1950er Jahre einen Beitrag zur Rehabilitierung des Widerstands gegen Hitler.
Bernhard Wickis „Die Brücke“ (1959) zeigt mit drastischen Bildern die Realität des Zweiten Weltkrieges als Abbild des Grauens und ist damit eine Ausnahme in einer Fülle von Produktionen der 1950er Jahre wie die Trilogie „08/15“ (1954/1955), die das Bild eines aufrechten, dabei unpolitischen Soldaten zeichnen, der Hitler dient, aber ihn gleichzeitig ablehnt.

Die suggestiven Bilder zeitgenössischer Unterhaltungsfilme der 1950er Jahre prägen bis heute die kollektive Erinnerung an die Zeit des Wirtschaftswunders. Filme wie „Wir Wunderkinder“ (1958) von Kurt Hoffmann oder Wolfgang Staudtes „Rosen für den Staatsanwalt“ (1959), die eine kritische Betrachtung wählen, bleiben Ausnahmen.

Bei den Themen „Flucht, Vertreibung, Integration“ oder „Linksterrorismus“ markieren Spielfilme einen spürbaren Perspektivenwechsel: Das allein schon durch die Zahl der Betroffenen bedeutsame Thema „Flüchtlinge und Vertriebene“ findet im Spielfilm der Nachkriegsjahre zunächst kaum Widerhall. Seit der Jahrtausendwende nehmen sich Produktionen wie der zweiteilige Fernsehfilm „Die Flucht“ (2007) mit Maria Furtwängler des Themas aus der Sicht der Flüchtlinge und Vertriebenen an.
„Der Baader Meinhof Komplex“ (2008) rückt zehn Jahre nach der von der Roten Armee Fraktion verkündeten Selbstauflösung den Realitätsverlust innerhalb der RAF und deren Gewalt in den Mittelpunkt. Der Film setzt damit einen anderen Akzent als „Deutschland im Herbst“ (1978) oder Margarethe von Trottas „Die bleierne Zeit“ (1981), die eher den Absichten und Erklärungen der Täter nachspüren.

Mit der deutschen Einheit setzt eine breite öffentliche Diskussion über die „richtige“ Erinnerung an die DDR ein. Hierzu trägt das Genre der Komödie – ein herausragendes Beispiel ist „Good Bye, Lenin!“ (2003) − ebenso bei wie Produktionen, die sich mit der Struktur der SED-Diktatur beschäftigen: „Das Leben der Anderen“ (2006) von Florian Henckel von Donnersmarck wird mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet.

Pressevorbesichtigung: 4.4.2017, 10.00 Uhr
Pressegespräch: 4.4.2017, 11.00 Uhr
Eröffnung: 4.4.2017, 19.00 Uhr mit Wolfgang Becker, Regisseur des Kinofilms „Good bye Lenin!“ (2003)

Ausstellung „Inszeniert. Deutsche Geschichte im Spielfilm“
(5. April 2017–7. Januar 2018)
Öffnungszeiten: Di–Fr, 9–18 Uhr, Sa/So 10–18 Uhr, Eintritt frei

Begleitbuch: Der reich bebilderte Band mit Beiträgen von Experten und Interviews mit namhaften Akteuren ist für 19,90 Euro im Museum, im Buchhandel sowie über https://shop.hdg.de erhältlich.

Pressereferent
Leipzig
Dr. Daniel Kosthorst

Eine Veröffentlichung der Fotos ist nur im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Ausstellung und unter Angabe des Copyright-Hinweises zulässig.

Rote Kino-Sitzreihen, über einer angedeuteten Leinwand groß der Ausstellungstitel

Plakat zur Ausstellung "Inszeniert. Deutsche Geschichte im Spielfilm"
JahnDesign, Thomas Jahn.
300 dpi, jpg, gezippt, 3.55 MB
Download

Auf dem Plakat sind drei Herren mit Anzügen und Hüten zu sehen, zwei stehen direkt nebeneinander, der dritte zeigt mit einem langen dünnen Stock auf sie.

Die Satire auf das (west)-deutsche "Wirtschaftswunder" inszenierte Kurt Hoffmann 1958.
Foto/Repro: Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland/ Axel Thünker
300 dpi, jpg, gezippt, 6.85 MB

Download

Drei uniformierte Männer stehen im Halbkreis, zwei sehen sich ungläubig direkt an, der mittlere hat einen Telefonhörer am Ohr.

Charly Hübner (M.) spielte den Oberstleutnant Harald Schäfer in der Tragikomödie „Bornholmer Straße“ (2014) über die Öffnung des Grenzübergangs am 9. November 1989.
Foto: MDR/UFA FICTION/ Nik Konietzny
300 dpi, jpg, gezippt, 3.10 MB
Download

Eine große rote Rose und ein bekleideter Frauenkörper von den Knien bis zur Nase dominieren das Plakat, dazu drei kleine Bilder mit Filmszenen

Filme wie Wolfgang Staudtes "Rosen für den Staatsanwalt" (1959), die sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit beschäftigten, waren in den 1950er Jahren eine Ausnahme.
Foto: Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland/ Axel Thünker
300 dpi, jpg, gezippt, 1.52 MB
Download

 

 

Eine Brücke führt vom Betrachter weg über einen Fluss, darüber ein zweigeteiltes Gesicht eines Teenagers, das den Jungen einerseits farbig und blond, andererseits schwarz-weiß und mit Soldatenhelm zeigt.

Bernhard Wicki zeigte 1960 mit drastischen Bildern das Grauen und die Realität des Krieges.
Foto: Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland/ Axel Thünker
300 dpi, jpg, gezippt, 1.52 MB
Download

Ein bildhoher Stapel aus verschiedenfarbigem Papier.

Die Zuschauerreaktion auf die amerikanische Serie "Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiß" ist gewaltig: Zehntausende von Zuschriften und Anrufen erreichen die ARD nach der Ausstrahlung im Jahr 1979.
Foto: Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland/ Axel Thünker
300 dpi, jpg, gezippt, 5.74 MB
Download

 

 

Flüchtlinge und Vertriebene waren in der Nachkriegszeit selten Thema im Kino- und Fernsehfilm. Der ARD-Zweiteiler "Die Flucht" mit Maria Furtwängler führte 2007 zu großen Diskussionen in der Öffentlichkeit, da hier Vertriebene als Opfer dargestellt wurden und auch das Leid der von sowjetischen Soldaten vergewaltigten Frauen thematisiert wurde.
Foto: ARD Degeto/UFA Fiction/Conny Klein
72 dpi, jpg, gezippt, 1.20 MB
Download

Eine Frau mittleren Alters legt ihren Arm um die Schulter eines etwas erschrocken aussehenden jungen Mannes

Die mit zahlreichen nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnete Komödie näherte sich 2003 mit satirisch-ironischen Mitteln dem Ende der DDR und thematisierte humorvoll die deutsch-deutsche Erinnerungskultur.
Foto: X Verleih AG / Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland/ Axel Thünker
300 dpi, jpg, gezippt, 8.76 MB
Download

Eine Schneider-Puppe bekleidet mit blau-weiß gestreifter Stoffmütze und einer Kittelschürze, auf die zusätzlich ein roter Stoff-Winkel und eine Nummer aufgenäht sind.

Häftlingsjacke aus dem DEFA-Film "Nackt unter Wölfen" (1963), der nach dem Roman von Bruno Apitz von Frank Beyer verfilmt wurde.
Filmmuseum Potsdam/Foto: Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland/ Axel Thünker
72 dpi, jpg, gezippt, 3.06 MB
Download

Kleine Statue eines Rehs auf einem ovalen Sockel

Tom Cruise erhielt 2007 einen Bambi in der Kategorie "Courage". Gewürdigt wurde sein Einsatz für den Film "Valkyrie".
c/o: 24west/Foto: Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland/ Axel Thünker
300 dpi, jpg, gezippt, 1.52 MB
Download

Vergilbtes Formular, auf dem mit Schreibmaschine beschriebene Text-Papier-Streifen kleben

Der Anwalt von Frieda Fromm, Witwe des Generalobersts Friedrich Fromm, drohte mit einer Klage und erwirkte vor der geplanten Uraufführung ein vorläufiges Aufführungsverbot für den Film "Der 20. Juli".
Deutsches Filminstitut, Frankfurt am Main / Artur Brauner-Archiv; Foto: Stiftung Haus der Geschichte/ Axel Thünker
300 dpi, jpg, gezippt, 0.26 MB
Download