Axel Cäsar Springer 1912 - 1985

  • 1912

    2. Mai: Axel Cäsar Springer wird in Hamburg-Altona geboren. Sein Vater, Hinrich Springer, ist Inhaber des Verlages Hammerich & Lesser, Verleger der "Altonaer Nachrichten" und Schatzmeister der Deutschen Demokratischen Partei (DDP).

  • 1928-1932

    Springer wird Lehrling in der Druckerei seines Vaters und in den Schröderschen Papierfabriken Sieler & Vogel in Hamburg und Leipzig. Anschließend Volontär bei der "Bergedorfer Zeitung" und bei der Nachrichtenagentur Wolff'sches Telegrafenbureau (WTB), bis er Redakteur bei der Zeitung "Altonaer Nachrichten", verantwortlich für Sport und Wirtschaft, wird.

  • 1933

    Heirat mit der Hamburger Kaufmannstochter Martha Else Meyer. Die Ehe wird 1938 geschieden. Aus der Verbindung geht eine Tochter hervor.

  • 1934-1941

    Stellvertretender Chefredakteur der Zeitung "Altonaer Nachrichten" bis sie durch eine Verfügung der Nationalsozialisten eingestellt werden muss.

  • 1939

    Zweite Heirat mit dem Mannequin Erna Frieda Berta Holm (Geburtsname: Küster) aus Berlin. Aus der Ehe geht ein Sohn hervor, Axel Springer jr.

    Springer wird bis 1945 für kriegsuntauglich erklärt.

  • 1941-1944

    Springer wird Gesellschafter im Verlag seines Vaters. Die Buchproduktion wird 1944 geschlossen, der Verlag besteht nominell fort.

  • 1945

    Zusammen mit seinem Vater erhält Springer von den britischen Militärbehörden in Hamburg die Lizenz für den Hammerich & Lesser-Verlag. Dort erscheint als erstes der Kalender "Besinnung. Ewige Worte der Menschlichkeit".

  • 1946

    Springer verlegt die "Nordwestdeutschen Hefte", in denen Beiträge aus dem Nordwestdeutschen Rundfunk gedruckt werden.

    Dezember: Der Hammerich & Lesser Verlag gibt die Programmzeitschrift "Hör zu" erstmals heraus.

  • 1947

    Gründung der "Axel Springer GmbH".

    Zusammen mit John Jahr (1900-1991) erhält Springer die Lizenz zur Herausgabe der Frauenzeitschrift "Constanze", die im März 1948 erstmals erscheint.

  • 1948

    Springer erhält die erste Lizenz (Zulassung Nr. 1) des Hamburger Senats für die Herausgabe einer eigenen Tageszeitung, das "Hamburger Abendblatt". Es ist in Hamburg die erste von deutschen Behörden zugelassene überparteiliche Zeitung.

  • 1950

    Das Hamburger Verlagshaus in der Kaiser-Wilhelm Straße wird gebaut.

    Die Zeitschrift "Hör zu" erreicht erstmalig eine Auflage von einer Million.

  • 1952

    Erste Ausgabe des von Springer nach englischem Vorbild konzipierten Boulevard-Blattes "Bild"- Zeitung.

  • 1953

    Dritte Ehe mit Rosemarie Alsen (Geburtsname: Lorenz). Die Ehe wird 1961 geschieden.

    September: Springer kauft von den Briten die Zeitungen "Die Welt", "Welt am Sonntag" und "Das Neue Blatt".

  • 1956

    Beteiligung am Berliner Ullstein-Verlag.

    April: Erste Ausgabe von "Bild am Sonntag".

  • 1958

    Springer reist nach Moskau, um dem sowjetischen Staatschef Nikita S. Chruschtschow seinen Plan von der Wiedervereinigung Deutschlands vorzulegen. Ergebnis ist ein Interview mit Chruschtschow in der "Welt".

  • 1959

    Gründung des Springer Auslandsdienstes (SAD).

    Erwerb der Aktienmehrheit am Ullstein-Verlag mit den Tageszeitungen "B.Z." und "Berliner Morgenpost".

  • 1961

    Verkauf der Anteile an der Zeitschrift "Constanze" an den Verleger John Jahr.

  • 1962

    Vierte Heirat mit Helga Alsen (Geburtsname: Ludewig-Sarre). Aus der Verbindung stammt sein Sohn Raimund Nicolaus.

  • 1964

    Erwerb der Düsseldorfer Boulevardzeitung "Mittag" und des Münchner Verlages Kindler & Schiermeyer.

  • 1965

    Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" wird in Springers Druckerei gedruckt.

    Erwerb der Jugend-Zeitschriften "Bravo", "twen" und der Sportillustrierten "Kicker".

    Nach seiner ersten Reise nach Israel spendet Springer rund 3,6 Millionen D-Mark für das Jerusalemer Israel Museum.

  • 1966

    Bundespräsident Heinrich Lübke eröffnet das neue Springer-Verlagshaus in West-Berlin in unmittelbarer Nähe zur Berliner Mauer. 1967 wird der Hauptsitz des Verlages dorthin verlegt.

    Gründung der Zeitschrift "Eltern".

  • 1967

    Erwerb der TV-Zeitschrift "Funk Uhr".

    Unter der Parole "Enteignet Springer" beginnen Studentenproteste gegen den Verlag und seinen Besitzer.

    Auch die literarische "Gruppe 47" stellt sich öffentlich gegen den Verlag.

    Die Boulevardzeitung "Mittag" wird eingestellt.

    Springer veröffentlicht seine vier Grundsätze, die fortan für alle Redakteure seines Hauses bindend sind:

    1. Unbedingtes Eintreten für die Wiedervereinigung Deutschlands.

    2. Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden. Dazu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes.

    3. Ablehnung jeglicher Art von politischem Extremismus.

    4. Bejahung der freien sozialen Marktwirtschaft.

    Um die Nichtanerkennung der DDR als zweiten deutschen Staat zu betonen, wird in den Springer-Zeitungen der Begriff DDR in Anführungsstrichen geschrieben.

  • 1968

    Nach dem Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke nehmen die Demonstrationen gegen den Springer-Verlag unter der Parole "Bild schoss mit" weiter zu.

    Eine von der Bundesregierung eingesetzte Pressekommission bezeichnet Pressekonzentrationen wie den Springer Verlag als Gefährdung für die Pressefreiheit in Deutschland. Sie empfiehlt deshalb, Höchstgrenzen der Marktanteile von Presseunternehmen festzulegen.

    Kurz darauf verkauft Springer mit Wirkung zum 1. Juli seine Zeitschriften "Jasmin", "twen", "Bravo" und "Eltern" für 100-Millionen D-Mark an den Verleger und Großdruckereibesitzer Hans Weitpert und sein "Neues Blatt" an den Heinrich Bauer-Verlag. Es ist die bis dahin größte Transaktion dieser Art im Pressewesen in der Bundesrepublik.

  • 1970

    In der "Axel Springer Verlag AG" werden die bisherigen Gesellschaften des Unternehmens, Ullstein, Hammerich & Lesser und Axel Springer & Sohn, zusammengefasst.

    Springer wird Alleinaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender.

    Erwerb von verschiedenen Regionalblättern wie der "Bergedorfer Zeitung" und der "Lübecker Nachrichten".

  • 1971

    Veröffentlichung einer Sammlung von Reden und Aufsätzen unter dem Titel "Von Berlin aus gesehen".

  • 1972

    Bombenanschlag der Rote Armee Fraktion (RAF) auf das Hamburger Springer-Hochhaus, bei dem 23 Mitarbeiter verletzt werden.

  • 1973

    August: Brandanschlag auf Springers Gästehaus in Kampen.

    Einweihung der größten Offsetdruckerei Europas in Essen-Kettwig, der sechsten Druckerei Springers.

  • 1974

    Verleihung der Ehrendoktorwürde der israelischen Bar-Ilan-Universität in Ramat-Gan.

    Gründung der Zeitschrift "Kontinent", in der osteuropäische Schriftsteller veröffentlichen, die von kommunistischen Regimen verfolgt werden.

  • 1975

    Januar: Brandanschlag auf Springers Chalet in Rougement/Schweiz.

  • 1976

    Neugründung von Spezialzeitschriften wie dem "Musikjoker", dem "Tennis Magazin" und dem "Ski-Magazin".

    Erwerb einer Minderheitsbeteiligung an der Münchner Zeitungs-Verlag GmbH & Co KG. Die Übernahme der Mehrheit scheitert am Einspruch des Bundeskartellamtes.

    Verleihung der Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität von Jerusalem.

  • 1977

    Auszeichnung mit der American Friendship Medal.

    Unter dem Decknamen Hans Esser arbeitet der Journalist Günter Wallraff in der "Bild"-Redaktion Hannover. Sein Enthüllungsbuch "Der Aufmacher" über die Methoden des Massenblattes und weitere Veröffentlichungen über die „Bild“ erregen großes mediales Aufsehen. Der Springer-Verlag geht gerichtlich gegen das Buch vor, die juristischen Auseinandersetzungen ziehen sich bis in die 1980er-Jahre hinein.

  • 1978

    Der Springer Verlag wird zu 50.000 D-Mark Schmerzensgeld verurteilt, weil "Bild" die Studentin Eleonore Poensgen nach der Ermordung des Chefs der Dresdner Bank, Jürgen Ponto (1923-1977), als Terroristin bezeichnet hat.

    Start der Frauenzeitschrift "Journal für die Frau".

    Fünfte Heirat mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Friede Riewerts.

    Springer wird erster Träger der Leo-Baeck-Medaille wegen seiner Verdienste um die Aussöhnung zwischen Deutschen und Juden.

  • 1980

    Springers ältester Sohn Axel Springer jr. begeht in Hamburg Selbstmord.

    Veröffentlichung des Buches "Aus Sorge um Deutschland".

    Auf der Jahreskonferenz des PEN-Zentrums in Bremen unterzeichnen mehr als 50 Schriftsteller und Schriftstellerinnen eine Protesterklärung gegen die Zeitungen des „Springer“-Konzerns und rufen zum Boykott auf.

  • 1980-1985

    Beteiligung an dem anlaufenden Bildschirmtext-Versuch (Btx). Nach der enttäuschenden Entwicklung des Btx-Marktes zieht sich der Springer-Verlag 1985 wieder daraus zurück.

  • 1981

    Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Boston und des Konrad-Adenauer-Preises der Deutschland-Stiftung.

  • 1982

    Verkaufsverhandlungen mit dem Burda-Verlag müssen aufgrund eines Vetos des Kartellamtes ausgesetzt werden.

    Auszeichnung mit der Berliner Ernst-Reuter-Medaille.

  • 1983

    Burda erwirbt nach Zustimmung des Kartellamtes 24,9 Prozent der Aktien der Axel Springer AG.

    Die Zeitschrift "Bild der Frau" und die TV-Illustrierte "Bildwoche" erscheinen erstmals.

    Springer erhält als erster Deutscher den Titel "Bewahrer Jerusalems".

  • 1985

    Januar: Springers Enkel Axel Sven wird Opfer einer Entführung. Die dilettantischen Entführer lassen ihr Opfer 65 Stunden später wieder frei, ohne Lösegeld erhalten zu haben.

    Juni: Börsengang - Beginn der Veräußerung von 49 Prozent des Aktienkapitals des Springer-Verlages.

    22. September: Axel Springer stirbt in West-Berlin.

    Nach Springers Tod werden die Anteile am Verlag unter der Witwe Friede Springer, seinen Kindern und Enkeln aufgeteilt. Zu diesem Zeitpunkt gehören den Erben 26,1 Prozent der Aktien des Verlagshauses, der Rest befindet sich im Besitz der Familie Burda, dem bayerischen Filmhändler Leo Kirch und zahlreichen Aktionären.

    In seinem Testament werden die Erben verpflichtet, bis zum Jahre 2015 ihr Erbe nicht zu verkaufen.

    Friede Springer wird Mitglied des Aufsichtsrats des Axel Springer Verlags (seit 1999 als Stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats). Seit 1984 ist sie zudem Geschäftsführerin der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik.

  • 1988

    Die Springer-Erben kaufen das Aktienpaket der Burda-Brüder für 531 Millionen D-Mark zurück. Springers Erben erreichen damit wieder die Aktienmehrheit am Unternehmen.

  • 2014

    September: Axel Springer wird posthum mit dem Theodor-Herzl-Preis des Jüdischen Weltkongresses geehrt.

 

(iz/reh/se) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 26.02.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Haunhorst, Regina/Zündorf, Irmgard/Eimermacher, Stefanie: Biografie Axel Springer, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/axel-springer.html
Zuletzt besucht am 30.11.2022

lo