Beate Uhse 1919 - 2001

Beate Uhse bzw. Rotermund ist Pilotin im Zweiten Weltkrieg und Unternehmerin in der Bundesrepublik Deutschland. Ihr Anfang der 1950er Jahre gegründetes „Versandhaus Beate Uhse“ für den Vertrieb von Aufklärungsmaterial baut sie bis zu ihrem Tod zum börsennotieren, europaweit tätigen Konzern für Erotikartikel aus. Der von Uhse befürwortete offene Umgang mit Sexualität und Erotik ist gesellschaftlich lange umstritten. Sie trägt zur Liberalisierung der Sexualmoral in der Bundesrepublik bei, aber auch zur Pornografisierung der Gesellschaft.

  • 1919

    25. Oktober: Beate Köstlin wird in Ostpreußen auf Gut Wargenau bei Cranz (heute Selenogradsk, Russland) als Tochter des Gutsbesitzers Otto Köstlin und seiner Frau, der Ärztin Margaret, geboren. Sie wächst zusammen mit zwei älteren Geschwistern auf. Beate besucht die Schule in Cranz und ab 1931 die reformpädagogische "Schule am Meer" auf Juist und das Internat Odenwaldschule im hessischen Heppenheim.

  • 1935

    Sie arbeitet als Au-pair-Mädchen in Großbritannien, anschließend erhält sie auf dem elterlichen Gut eine Ausbildung in Hauswirtschaft.

  • 1937-1944

    Beate Köstlin lässt sich in Berlin zur Pilotin ausbilden. Als einzige Frau unter 60 Flugschülern erwirbt sie den Pilotenschein.

    Anschließend arbeitet sie als Praktikantin in der Firma Bücker Flugzeugbau in Rangsdorf.

    1938 wechselt sie als Testpilotin zum Flugzeugwerk Alfred Friedrich in Strausberg.

    Außerdem wirkt sie als Stuntpilotin in einigen Filmen des Filmunternehmens UFA mit.

  • 1939

    28. September: Sie heiratet ihren ehemaligen Fluglehrer, Hans-Jürgen Uhse. Aus der Ehe geht ihr Sohn Klaus (1943-1984) hervor.

  • 1944

    30. Mai: Uhses Ehemann verunglückt bei einem Flugzeugunfall im Kriegseinsatz tödlich.

  • 1944-1945

    Als Pilotin der Luftwaffe, zuletzt im Range eines Hauptmanns, überführt sie in einem Geschwader Flugzeuge von Berlin-Tempelhof an die Front. Sie ist eine von wenigen Pilotinnen der Wehrmacht.

  • 1945

    April: Uhse flieht mit ihrem Sohn und einem Kindermädchen mit einem Flugzeug aus Berlin. Nach Kriegsende verbringt sie sechs Wochen in britischer Kriegsgefangenschaft nahe der deutsch-dänischen Grenze, danach wird sie mit ihrem Sohn als Flüchtling in der Schulbücherei des Dorfes Braderup untergebracht.

  • 1946

    Uhse vertreibt selbstverfasste Handzettel mit dem Titel "Schrift X", die Frauen über natürliche Empfängnisverhütung nach der Knaus-Ogino-Methode aufklärt. 1947 verkauft sie 32.000 Exemplare zum Preis von 2 Reichsmark pro Stück.

  • 1949

    Oktober: Uhse heiratet den Flensburger Kaufmann Ernst-Walter Rotermund. Er bringt seine Kinder Dirk und Bärbel mit in die Ehe. Bereits im Mai des Jahres bringt sie den gemeinsamen Sohn Ulrich zur Welt. Die Ehe wird 1972 geschieden.

  • 1951

    22. Februar: Beate Rotermund gründet in Flensburg das "Versandhaus Beate Uhse" als "Spezial-Versandhaus für Ehe- und Sexualliteratur und für hygienische Artikel". Erstes juristisches Verfahren wegen "Beihilfe zur Unzucht" durch den Versand von Kondomen. Bis zum Tod von Beate Rotermund ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft in rund 2.000 Strafverfahren, etwa wegen der Verbreitung unzüchtiger Schriften, Abbildungen und Darstellungen. 700 Verfahren führen zu Gerichtsprozessen.

  • 1952

    Unter dem Titel "Stimmt in unserer Ehe alles?" erscheint der erste Beate-Uhse-Katalog, der rund 50 Artikel enthält.

  • 1953

    Das Unternehmen übernimmt ein Labor für Arzneimittelkunde, um Präparate für den Vertrieb selber entwickeln zu können. In den folgenden Jahren folgen weitere Übernahmen, darunter ein Modewäscheatelier, eine Foto- und Filmgesellschaft, eine Druckerei, zwei Verlage und ein Reformhaus.

  • 1956

    Das "Versandhaus Beate Uhse" erwirtschaftet erstmals über eine Million D-Mark Umsatz.

  • 1962

    17. Dezember: Rotermund eröffnet in Flensburg das "Fachgeschäft für Ehehygiene" mit Fachbuchhandlung, den ersten Sexshop der Welt. Zum Sortiment gehören Dessous, Magazine, Bücher, Verhütungsmittel pharmazeutische Präparate und Stimulationsartikel. Bis 1971 entstehen 25 weitere Geschäfte in der Bundesrepublik.

  • 1975

    Reform des Sexualstrafrechts in der Bundesrepublik. Das Unternehmen beginnt mit Produktion und Verleih von pornografischen Filmen.

    Die westdeutsche Frauenbewegung kritisiert diesen Schritt. Sie lehnt die pornografische Filmindustrie als sexistisch und frauenverachtend ab.

    Der Jahresumsatz des Unternehmens liegt 1976 bei 60 Millionen D-Mark.

  • 1979

    Das Unternehmen übernimmt für einen Kaufpreis von vier Millionen D-Mark die Geschäfte der Sex-Shop-Kette "Dr. Müller’s". Ihm gehören nun 36 Läden und 13 Blue-Movie-Kinos. Der Jahresumsatz liegt bei 70 Millionen D-Mark.

  • 1981

    Gründung der Beate Uhse Aktiengesellschaft (AG) und Teilung des Unternehmens. Beate Rotermund leitet gemeinsam mit Sohn Ulrich die Läden, Kinos sowie Filmgeschäft, ihre Söhne Klaus und Dieter führen unter dem Namen "Orion Versand" Versandhandel und Verlag fort.

  • 1983

    Ärzte diagnostizieren bei Beate Rotermund Krebs. In einer Operation muss ihr Magen entfernt werden.

  • 1986

    Nach Ablauf der bei der Teilung des Unternehmens vereinbarten Sperrfrist von fünf Jahren nimmt die Beate Uhse AG den Versand von Erotikartikeln wieder auf.

  • 1989

    Ihre Autobiografie "Mit Lust und Liebe. Mein Leben" erscheint.

    Anlässlich ihres 70. Geburtstages regt der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen an, Rotermund solle "als Pionierin für liberale Sexualität" das Bundesverdienstkreuz erhalten.

    Die vorschlagsberechtigte Landesregierung von Schleswig-Holstein unter Ministerpräsident Björn Engholm (SPD) unterstützt den Vorschlag nicht.

  • 1990

    Mit mobilen Kleintransportern weitet die Beate Uhse AG ihr Geschäft auf Ostdeutschland aus.

    Am 1. November 1990 eröffnet der erste Sex-Shop in Ost-Berlin. Der Umsatz steigt 1990 auf 115 Millionen D-Mark.

    Im Verlauf der 1990er Jahre expandiert der Konzern auch nach Polen, Österreich, in die Schweiz, Ungarn, Spanien und Portugal.

  • 1992

    Beate Rotermund zieht sich aus der Geschäftsführung der Beate Uhse AG zurück und übernimmt den Vorsitz des Aufsichtsrats des Unternehmens. Neuer Vorstandsvorsitzender wird ihr Sohn Ulrich.

  • 1996

    19. Januar: Eröffnung des "Beate Uhse Erotik-Museums" in Berlin.

  • 1999

    27. Mai: Börsengang der Beate Uhse AG. Es ist das erste börsennotierte Erotikwarenunternehmen.

    Durch Zukäufe in Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, England und Frankreich weitet es seine Geschäfte aus.

    25. November: Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Flensburg sowie Enthüllung einer Gedenkplakette an ihrer früheren Wohnung an der St. Marien Kirche.

  • 2000

    Rotermund wird im französischen Cannes mit dem Hot d’Or d‘Honneur, einem Preis der pornografischen Film-Industrie in Europa ausgezeichnet.

  • 2001

    1. Mai: Der Pay-TV-Sender "Beate Uhse TV" nimmt seinen Sendebetrieb auf.

    16. Juli: Unerwartet stirbt Beate Rotermund in einem Krankenhaus im schweizerischen St. Gallen an den Folgen einer Lungenentzündung.

    27. Dezember: Mit der Summe von 500.000 D-Mark aus dem Erbe von Beate Rotermund entsteht die Beate-Uhse-Stiftung in Flensburg. Zweck der Stiftung ist pragmatische Hilfe für Menschen in Not.

  • 2002

    Im Andenken an die Firmengründerin verleiht die Beate Uhse AG erstmals den mit 10.000 Euro dotierten Beate-Uhse-Unternehmerinnenpreis.

 

(mw) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 22.01.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Würz, Markus: Biografie Beate Uhse, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/beate-uhse.html
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