Wolfgang Schnur 1944 - 2016

  • 1944

    8. Juni: Wolfgang Schnur wird in Stettin geboren. Er verliert schon früh beide Elternteile.

    Sein Vater stirbt während des Zweiten Weltkrieges. Seine Mutter, eine Jüdin, flieht in den Westen. Schnur trifft sie erst 1961 wieder.

  • 1946-1973

    Schnur wird in Rostock von Pflegeeltern, die Landarbeiter sind, aufgenommen. Er wächst bei ihnen auf.

    Er absolviert eine Ausbildung zum Maurer und holt das Abitur an einer Abendschule nach. Per Fernstudium studiert er an der Berliner Humboldt-Universität schließlich Rechtswissenschaften bis zu seinem Abschluss 1973.

  • 1965-1989

    Das Ministerium für Staatssicherheit führt Schnur als Inoffiziellen Mitarbeiter (IM) unter dem Namen "Torsten" oder "Dr. Ralf Schirmer".

  • 1973

    Abschluss seines Studiums der Rechtswissenschaften als Diplom-Jurist.

  • ab 1973

    Schnur arbeitet zunächst als Rechtsanwalt in Binz/Rügen.

    Als Anwalt arbeitet er unter anderem als Rechtsbeistand für Bürgerrechtler und Wehrdienstverweigerer.

    Schnur ist Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Mecklenburg, zeitweise Vizepräsident der Synode der Evangelischen Kirche der Union und Mitglied der Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen der DDR.

  • 1978

    Zulassung für eine eigene Kanzlei in Rostock.

  • 1988

    Rechtsbeistand für Inhaftierte der Berliner Liebknecht-Luxemburg-Demonstration.

  • 1989

    Oktober: Mitbegründer des Demokratischen Aufbruchs (DA).

    Dezember: Auf dem Gründungsparteitag wird Schnur zum Vorsitzenden des DA gewählt.

  • 1989-1990

    Teilnahme am Zentralen Runden Tisch.

  • 1990

    Februar: Mitbegründer der "Allianz für Deutschland", bestehend aus "Demokratischer Aufbruch", "Deutsche Soziale Union" (DSU) und CDU.

    März: "Der Spiegel" veröffentlicht Enthüllungen über Schnurs langjährige Spitzeltätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Schnur weist die Anschuldigungen als Verleumdungen zurück. Nachdem sich die Vorwürfe gegen Schnur erhärten, tritt er als Vorsitzender des "Demokratischen Aufbruchs" zurück und wird kurz darauf von der Partei ausgeschlossen.

    Juni: In einem ZDF-Interview beteuert Schnur "nie jemanden verraten oder ans Messer geliefert" zu haben.

  • 1991

    Eröffnung einer Anwaltspraxis in Berlin. Die Berliner Justiz sieht sich trotz starker Proteste vorerst nicht in der Lage, ihm die Zulassung als Rechtsanwalt abzuerkennen.

  • 1993

    Schnur wird die Anwaltszulassung wegen Mandatsverrat und "Unwürdigkeit" entzogen, da er sich an den "Grundsätzen der Menschlichkeit und der Rechtsstaatlichkeit vergangen" habe. Der Bundesgerichtshof bestätigt 1994 das Urteil. Schnur arbeitet danach als Investitions- und Projektberater.

  • 1996

    Das Berliner Landgericht verurteilt Schnur wegen der Denunziation ehemaliger Mandanten in zwei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung.

  • 2016

    16. Januar: Wolfgang Schnur stirbt im Alter von 71 Jahren in Wien an Krebs. Verarmt hatte er sich nach Wien zurückgezogen.

 

(iz) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 12.02.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Zündorf, Irmgard: Biografie Wolfgang Schnur, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/wolfgang-schnur.html
Zuletzt besucht am 21.06.2018

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