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Dorothea Günther: Erlebnisse mit den russischen Soldaten

Dieser Beitrag wurde von Dorothea Günther geb. Preuß (1914–2010) aus Berlin verfasst.

[Dieser Zeitzeugenbericht enthält Inhalte, die einige Menschen möglicherweise als verstörend oder belastend empfinden können.]

Wiedersehen mit Mutter

Allmählich fühlte ich mich stark genug, mit dem Fahrrad nach Berlin zu fahren. Der schwierigste Teil der Fahrt war das Balancieren mit dem Rad über die Trümmer der Glienicker Brücke. Obwohl noch recht schwach, quälte ich mich durch bis nach NO 55. Dort traf ich Mutter nicht an und fuhr weiter nach Buchholz (Dort besaß die Familie einen Schrebergarten mit einer Laube.). Es war ein trauriges Wiedersehen. Mutter war total abgemagert und sah sehr alt aus.

Meine Mutter lebte zunächst ganz ohne Einkünfte. Später erhielt sie Sozialunterstützung, von der sie das, was es auf Marken gab, kaufen konnte. Aber davon konnte man nicht leben. So versuchte sie sich mit ihren 58 Jahren als Trümmerfrau. Der Sommer 1945 mit seinen vielen sehr heißen Tagen wurde zur Qual für viele Trümmerfrauen. Den ganzen Tag hieß es: Tempo, Tempo! Wenn Mutter erschöpft nach Hause kam, gab es wenig Erholung, denn in ihrer Vierzimmerwohnung waren in drei Zimmern fremde Familien einquartiert und es gab ständig Zank und Streit, weil jeder jeden bestahl bzw. des Diebstahls verdächtigte. Wenn Mutter aus dem Haus ging, trug sie alles Wertvolle und Wichtige in einer Tasche bei sich.

Als sie eines Tages bei der Arbeit zusammenbrach, wurde sie entlassen. Sie versuchte sich dann als Näherin in einer Fabrik, war aber dem Tempo nicht gewachsen und wurde nach drei Tagen gefeuert. Nun widmete sie sich ganz dem Garten. Im Frühling verkaufte sie vor den Krankenhäusern in Pankow und in Friedrichshain Sträuße mit Vergissmeinnicht und Goldlack. Der Fliederverkauf im Mai wurde wegen der großen Hitze kein Erfolg. Maiglöckchen brachte sie zum Blumenhändler, der drei Pfennig für den Stengel zahlte. Als die Erntezeit im Garten in Buchholz begann, ging es etwas besser. Allerdings musste sie beim Ernten schneller sein als die Diebe. Deshalb ging sie dazu über, das Obst unreif zu ernten. Kam jemand am Zaun vorbei, dem die Not ins Gesicht geschrieben stand, verschenkte sie Obst. So hatte es die Familie immer gehalten.

Jemand riet Martin [Anm. d. Red.: Ehemann von Dorothea Günther], Portraitaufnahmen von den Russen zu machen. Sie waren ganz erpicht darauf und zahlten mit Fleisch und Butter. Ich war begeistert von dieser Aussicht, aber Martin zögerte, er mochte den Kontakt zu den Russen nicht.

Es setzte eine tagelange Regenperiode ein, unentwegt mussten wir im Stockwerk über uns schöpfen, damit unsere Küche nicht schwamm.

Mit russischen Soldaten unter einem Dach

Eines Tages brachten die Russen etwas ganz Besonderes mit, ein Paket Wurst „klein krank“, d.h. angeschimmelt. Ich sollte sie braten, denn es wurden Gäste erwartet. Einer der Gäste, ein Offizier in einem roten Hemd, kam aus Dresden. Als ich den Tisch deckte, bemerkte ich, dass die Russen vor der Bücherwand standen und darin kramten. Schon bald kam Alexejew, so hieß der mit dem roten Hemd, mit ernster Miene in die Küche und befahl mich ins Zimmer. In der Bücherwand hatten sie eine alte Postkarte entdeckt, die mir Jahre zuvor mein Bruder aus Nürnberg vom Reichsparteitag geschickt hatte. Man sah ein Meer von Hakenkreuzfahnen und Männer in SA- und SS-Uniformen. Und diese vermaledeite Karte hatte ich aufgehoben! Empört redeten die Russen durcheinander: Wir hätten verheimlicht, dass wir Faschisten gewesen seien. Martin hätte doch immer wieder versichert, dass er ein Hitler-Gegner gewesen sei. Nun sollte er zur Strafe nach Sibirien. Einer der Gäste, ein gut aussehender, großer Russe, bemerkte meine Verzweiflung und zeigte Mitgefühl. Er bot mir an, ich könne mich für meinen Mann einsetzen: Wenn ich bereit wäre, diese Nacht mit ihnen zu feiern, dann könne Martin zu Hause bleiben. Ich willigte ein und schon begann eine große Sauferei. Es gab Wodka glasweise und ich merkte schnell, wie betrunken ich wurde. Ich sagte dem großen Russen, der neben mir saß, ich würde nicht viel vertragen, da ich an Alkohol nicht gewöhnt sei. Er antwortete: „Da, da!“ (ja, ja) und goss mir erneut ein. Irgendwann schaffte ich es, aus dem Zimmer zu wanken und ins Badezimmer zu gelangen. Dort schloss ich mich ein und saß dann hilflos auf dem Badewannenrand. Martin hatte das bemerkt und rief mir hinter der Badtür zu, ich solle doch aufschließen, aber ich bekam nicht einmal mehr die Hand hoch.

Irgendwie bin ich dann doch ins Bett gelangt. Mir war so übel wie noch nie in meinem Leben, ich muss wohl eine schwere Alkoholvergiftung gehabt haben. Nach diesem Ereignis hatte ich eine starke Aversion gegen Alkohol, ich konnte ihn jahrelang nicht riechen, geschweige denn trinken. Erst nach zwölf Jahren habe ich wieder einen Schluck getrunken.

Eines Tages kam der Offizier mit dem roten Hemd wieder zu uns. Die anderen Russen waren noch nicht da, also vertrieb er sich die Zeit, indem er mit mir plauderte. Ich sprach inzwischen so viel Russisch, dass wir uns rudimentär verständigen konnten. Er fragte mich, ob ich gern ‚spazeeren gehe’, ob ich es mit meinem Mann täte und wie oft. Ich gab Auskunft, aber als er anfing, in das Oberteil meines Kleides zu greifen und versuchte, mich in das angrenzende Zimmer zu ziehen, ahnte ich, dass ich ihn missverstanden hatte und er keineswegs von Spazieren gehen gesprochen hatte. Es kam zu einer Rangelei. Der deutsche Chauffeur, der draußen stand und wohl ahnte, was vor sich ging, schaute ins Zimmer. Er erfasste die Situation sofort und rannte zu meiner Mutter, die in der Küche Kartoffeln schälte. Sie kam ins Zimmer gerannt und rief mir zu: „Du musst jetzt schnell los, du bist doch mit Herrn W. verabredet!“ Ich wand mich los und verließ fluchtartig das Haus. Ich rannte zu Herrn W., für den ich jeden Tag kleine Geschichten a la Courts-Mahler tippte. Seine Frau war nicht zu Hause. Ich erzählte ihm noch ganz aufgeregt, was mir widerfahren war. Und nun begann er, unter dem Vorwand mich trösten zu wollen, mich auch zu begrapschen! Nur mit Mühe konnte ich mich losmachen.

Am Abend desselben Tages hatte Martin eine wichtige Parteiversammlung (er war SPD-Mitglied). Mutter musste wieder zurück nach Berlin. So war ich allein in der Wohnung, allein mit dem Russen im roten Hemd. Voller Angst schloss ich die Tür unseres Zimmers ab. Schon bald wurde an der Tür geklopft und gerufen. Ich kroch unter das Bett. Der Lärm vor der Tür wurde immer lauter und mir wurde klar, dass ich einen schrecklichen Fehler gemacht hatte. Ich hatte vergessen, den Zimmerschlüssel abzuziehen, deshalb wusste der Russe, dass ich in dem Zimmer war. Bevor er gewalttätig werden und die Tür eintreten konnte, kamen die anderen Russen nach Hause.

In dieser Nacht wurde besonders ausschweifend gefeiert und es wurden noch mehr Mädchen als sonst hoch geholt. Martin und ich konnten kein Auge zutun bei dem ständigen Gerenne zwischen Bad und Wohnzimmer. Plötzlich hörten wir ein uns unbekanntes Geräusch, aber wir hüteten uns, der Sache auf den Grund zu gehen. Am nächsten Morgen, als ich ins Badezimmer gehen wollte, fand ich dort Dima, einen Soldaten, der sehr nett war. Er versuchte, die Tür zu putzen, die von oben bis unten bespien war.

Einige Zeit später eröffnete mir der ranghöchste Offizier, dass seine Familie nachkommen würde. Er beschwor mich, seiner Frau nichts von dem zu erzählen, was sich bei uns in der Wohnung abgespielt hatte. Als Frau und Kind eingezogen waren, war abrupt Schluss mit den Exzessen. Bald zog die Familie in eine andere Unterkunft und so blieb nur noch Dima für einige Zeit bei uns. Er mochte mich. Einmal schrieb er mir einen Liebesbrief auf Deutsch, die Wörter hatte er alle einzeln im Lexikon nachgesehen.

Kontakt zur Familie und neue Mitbewohner

Anfang September kam endlich eine Verkehrsverbindung nach Berlin zustande. Ein Dampfer fuhr von Potsdam nach Wannsee. Mutter konnte uns nun öfter besuchen und ich konnte nach Buchholz fahren, um Obst zu holen.

Inzwischen hatten wir im Haus neue Mitbewohner. Apothekers in der Wohnung gegenüber mussten ein Zimmer an einen alten Freund, einen Buchhändler, abgeben. Dieser Mann lebte in geistigen Welten und war der harten Realität nicht gewachsen. Jeden Abend holten wir ihn in unsere Küche und ließen ihn an unserer Suppe aus markenfreiem Pulver teilhaben. Seine Brotration maß er allabendlich mit einem Zentimetermaß ab. An ihm konnten wir den langsamen Prozess des Verhungerns verfolgen, Weihnachten erlebte er nicht mehr. So sah sie also aus, unsere bessere Welt, auf die wir in den Bombennächten gehofft hatten!

Ein Zimmer unserer Wohnung wurde beschlagnahmt, eine junge Frau zog mit ihrem Sohn ein. Ihr Mann war noch in Gefangenschaft. Auf einer elektrischen Herdplatte bereitete sie köstlich duftende Fleischgerichte, uns lief das Wasser im Mund zusammen! Bald kam es zu Streitereien, weil sie zu viel Strom verbrauchte. Lulu und ihre Mutter fanden heraus, wo sie das Fleisch herbekam: Sie war ein Russenliebchen. Dann kehrte der Ehemann aus der Gefangenschaft heim, so dass sie nun zu dritt in dem Zimmer wohnten. Ich verstand mich recht gut mit dem Mann. Von Beruf Handwerker, war er nun Polizist. Man beauftragte ihn mit der Durchsicht und Säuberung der Bibliotheken in den Villen alter Potsdamer Familien, die geflohen waren. Damit war er heillos überfordert; abends kam er zu mir mit einer Liste von Buchtiteln und ich sagte ihm, ob es sich um wertvolle Bücher handelte oder ob er sie vernichten sollte.

11.09.1945 Erstes Lebenszeichen von Rudi [Anm. d. Red.: Bruder von Dorothea Günther], der in der Nähe von Bad Godesberg bei einem Bauern arbeitet.

Ich bin inzwischen wegen einer Magenschleimhautentzündung bei einem Homöopathen in Behandlung. Da es keine Medikamente gibt, behandelt er mich mit Eigenblutspritzen, aber es hilft nicht viel. Ich lerne jetzt konsequent und fleißig Russisch.

Tauschgeschäfte nach Fahrraddiebstahl

17.09.1945 Ich bin mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, stelle es nur kurz im Hausflur ab und renne schnell in die Wohnung rauf, um den Kellerschlüssel zu holen. Als ich runterkomme, ist das Rad weg! Das ist sehr schlimm, denn alle Wege zu Fuß zurückzulegen kostet Zeit und Energie. Martin regt sich furchtbar auf, mich kann es kaum erschüttern, weil ich mich ohnehin so schlecht fühle. Ich kann nun nicht mehr nach Buchholz fahren, um Obst zu holen.

Wir machten einen Tausch: Matthias´ Kinderwagen gegen ein Fahrrad. Bei der Gelegenheit tausche ich auch ein Paar silberne Sandaletten gegen 750 Milliliter Öl.

Martin hat Gelbsucht (hat er sich so über das gestohlene Fahrrad geärgert?). Überraschend kommt Rudi zu uns. Große Freude! Weil er in der englischen Zone lebte, darf er sich in der sowjetischen Zone nicht erwischen lassen. Er will nicht nur die Familie, sondern auch seine Freundin in Spandau besuchen.

Überfälle auf dem Heimweg

03.10.1945 Ich mache mich mit Martins Fahrrad auf, um [meiner Mutter] Nachricht von Rudi zu bringen. Es ist eine weite, gefährliche Fahrt. Versorgt mit vielen guten Ratschlägen fahre ich los, vor Einbruch der Dunkelheit muss ich wieder zurück sein. Alles dauert länger als gedacht. Als ich das letzte Waldstück vor Potsdam durchfahre, ist es bereits dunkel. In der Ferne sehe ich schon die Lichter der Stadt, als plötzlich zwei Rotarmisten mit Maschinenpistolen aus dem Dunkel auftauchen und sich mir in den Weg stellen. „Augen zu und durch!“ denke ich und trete kräftig in die Pedale – und schon fliege ich in hohem Bogen durch die Luft. Im Fliegen höre ich meine Kostümjacke, mein bestes Stück, reißen, dann knalle ich hart auf. Als ich mich mühsam aufrappele, sehe ich, wie die beiden sich mit dem Rad davonmachen. Ich fange an, aus Leibeskräften zu schreien. Unser letztes Rad darf nicht verloren gehen. Die Russen bleiben verblüfft stehen. Da kommen Deutsche angelaufen, sehen die Russen mit dem Rad und beginnen, fürchterlich zu schimpfen. Nun kommen russische Offiziere und fragen, was los sei. Die beiden Soldaten sagen – so viel Russisch verstehe ich inzwischen – ich hätte ihnen das Rad klauen wollen! Nach einigem Palaver bekomme ich das Rad zurück. Die Deutschen begleiten mich bis zum Stadtrand.

08.10.1945 Hamsterfahrt nach Michendorf, ca. 18 Kilometer von Potsdam entfernt. Es muss Vorrat für den Winter angelegt werden. Martin fällt aus wegen Krankheit. So fahren Elfriede [Anm. d. Red. Schwägerin von Dorothea Günther] und ich auf Martins Rad. Am frühen Morgen machen wir uns auf, um vor Einbruch der Dunkelheit wieder in Potsdam zu sein. Es ist eine herrliche Fahrt durch die herbstlich bunten Wälder. Das Tauschgeschäft verläuft günstig: Ich bekomme für den bei Karstadt erbeuteten Anzugstoff einen Puter, einen Zentner Kartoffeln und Wintergemüse. Schwer beladen treten wir den Heimweg an.

Wir sind noch weit von Potsdam entfernt, da entweicht plötzlich unter grässlichem Zischen die Luft aus meinem Vorderreifen. Nun muss ich schieben. Elfriede schwingt sich aufs Rad und macht sich davon. Ich beginne einen Wettlauf mit der Sonne. Das beladene Rad lässt sich schwer schieben und die Sonne sinkt immer schneller. Als sie endgültig am Horizont verschwindet, habe ich gerade die Havelbrücke bei Werder vor mir. Nun noch das letzte Waldstück, dann bin ich gerettet.

Bald stelle ich fest, dass Elfriede auf mich gewartet hat. Eine andere Radfahrerin hat sich zu ihr gesellt, ich höre ihre Stimmen in der Dunkelheit. Sie überlegen laut, was zu tun sei, denn sie sind gewarnt worden, dass in dem Waldstück Russen herumlungern und Deutsche überfallen. Aber zu dritt fühlen wir uns stark genug, den Wald, die Räder schiebend, zu durchqueren. Was bleibt uns auch anderes übrig? Wir unterhalten uns laut und lebhaft, damit die Russen denken, es käme eine größere Gruppe. Mir scheint plötzlich, als ob die Bäume sich bewegten, und als ich mich umschaue, sehe ich erst einen Schatten, dann einen Russen, der, einen Knüppel schwingend, auf mich zuläuft. Ich beginne, um mein Leben zu schreien. Die beiden anderen schwingen sich auf die Räder und fahren davon. Vor Aufregung komme ich nicht auf das Rad, es ist ja ein Herrenrad, schwer beladen und außerdem ist ein Reifen platt. Schreiend haste ich weiter. Als mich nach einer Weile niemand eingeholt und auf mich eingeschlagen hat, sehe ich mich um. Niemand zu sehen! Hat ihn mein Geschrei vertrieben? Am Ende des Waldes warten meine Begleiterinnen. Sie haben den Knüppel schwingenden Russen gar nicht gesehen! Elfriede fährt schnell nach Hause und schickt mir Martin entgegen. Ich nehme mir vor, niemals wieder mit dem Rad über Land zu fahren. Das Bild des Knüppel schwingenden Russen bin ich mein Leben lang nicht wieder losgeworden.

15.10.1945 Rudi gelingt es, den Diebstahl meines Fahrrades zu rächen. Im Erdgeschoss unseres Hauses wohnt und praktiziert ein Zahnarzt, der viele Russen behandelt. Einer von ihnen hat sein Fahrrad unabgeschlossen im Hausflur abgestellt. Rudi hat es gesehen und klaut das Rad; er trägt es über den Dachboden unseres Hauses durch eine Tür ins Nachbarhaus und fährt zu Elfriede, wo es gut versteckt wird. Als der Russe beim Zahnarzt rauskommt und sein Rad nicht findet, gibt es ein ungeheures Geschrei. Suchend rast er durch die Keller und durch alle Wohnungen, schaut in alle Ecken. Am liebsten hätte er uns ausgeräuchert. Ich habe ganz schön gezittert!

Zur Person

Dorothea Günther (geb. Preuß) wird am 1. Juni 1914 als Tochter des Gewerbeoberlehrers Paul Preuß in Berlin geboren. Als 14-Jährige Schülerin nimmt sie 1929 am ersten deutsch-französischen Jugendaustausch der „Deutschen Liga für Menschenrechte“ teil, sie lebt sechs Wochen bei einer französischen Familie in Paris. Nach der Mittelstufe besucht Dorothea Günther das Lette-Haus, eine Höhere Handelsschule für Mädchen, wo sie intensiv Fremdsprachen lernt, ebenso Stenographie und Schreibmaschine. Sie arbeitet als Büroangestellte, später auch als Fremdsprachenkorrespondentin. Von 1941 bis Januar 1945 ist sie beim Auswärtigen Amt als Übersetzerin tätig. Sie tritt 1941 in die NSDAP ein, um die Stelle im Auswärtigen Amt zu bekommen. 1943 heiratet sie den Diplom-Ingenieur Martin Günther und zieht nach Potsdam. Ihr erstes Kind stirbt 1945 wenige Wochen nach der Geburt. 1948 und 1951 werden zwei weitere Kinder geboren. Anfang 1949 verlässt die Familie die Sowjetische Besetzungszone. Sie wohnen zunächst in Braunlage und ab 1950 in Hannover. 1959 beginnt Dorothea Günther eine Kurzausbildung zur Grundschullehrerin und arbeitet bis zu ihrer Rente in diesem Beruf. Sie stirbt im Jahr 2010.

Empfohlene Zitierweise:
Günther,Dorothea: Erlebnisse mit den russischen Soldaten, in: LeMO-Zeitzeugen, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, URL: http://www.hdg.de/lemo/zeitzeugen/dorothea-guenther-erlebnisse-mit-den-russischen-soldaten.html
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