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Hans und Luise Füllmann: Großglocknerfahrt

Dieser Beitrag wurde von Hans und Luise Füllmann aus Köln verfasst.

Von Köln Richtung Süden

Fahrzeug war ein Goggoroller 150 ccm, 6,7 PS, Hersteller Firma Glas Dingolfing. Die Anreise erfolgte von Köln über Reit im Winkel. Zwei Tage über Autobahn, Straßenzustand schlecht (Kriegsschäden). Mehrmaliges Abfahren von der Autobahn wegen gesprengter Brückenbauwerke. Reiseschnitt 40 km pro Stunde. Übernachtung mit Frühstück in Reit im Winkel 2,20 DM. Keiner der motorisierten Pensionsgäste wagte damals die Fahrt über die Grenze zum Großglockner. Für Österreich gab es Visumzwang, das Visum galt nur drei Tage. Die Geldmenge österreichischer Schillinge war begrenzt. Alle Gäste schüttelten den Kopf über unser Vorhaben. Die Wirtin sprich uns Mut zu, diese hatte ein eigenes Fahrgeschäft vor dem Kriege mit Autotyp Horch Achtsitzer.

Mit dem Goggoroller auf den Großglockner

Am 24. Juli 1953 machten wir uns 6 Uhr morgens auf den Weg. Fahrt über Kössen, Lofer, Saalfelden, Zell am See, Fusch, damals Mautstation. Im ersten und zweiten Gang ging es zügig bis zur Edelweißspitze, bei den ersten Kilometern noch von allen Autofahrern belächelt. Mit zunehmender Höhe wurde die Anzahl der liegengebliebenen Autos immer größer. Die Fahrer liefen zu den markierten Wasserstellen, an die Gießkannen angekettet waren, um Kühlwasser nachzufüllen. Beim hastigen Öffnen des Kühlers gab es manche Verbrühung. Aber der Goggoroller mit Luftkühlung und halben Gas gefahren, zog mit zwei Personen besetzt an allen vorbei. Auch nach Fotopausen auf der Strecke startete er wieder. Mit zunehmender Höhe und wolkenfreiem Himmel waren unsere Eindrücke überwältigend, besonders als wir an den Pasterzegletscher kamen. Dieses Landschaftserlebnis hat uns unser Leben lang begleitet. Gegen 22.00 Uhr trafen wir abends wieder in Reit im Winkel ein. Am nächsten Tag mußten wir unsere Eindrücke den Gästen schildern. Doch keiner hatte den Mut, es uns nachzumachen. Nach einem Abschmieren des Rollers und Überprüfen der Bremsen sind wir einige Tage danach über lnnsbruck, Zirler Berg (dieser noch ohne Straßenbelag) und Mittenwald nach Hause gefahren.

Empfohlene Zitierweise:
Füllmann, Hans/Füllmann, Luise: Erinnerungen an eine Großglocknerfahrt 1953, in: LeMO-Zeitzeugen, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/zeitzeugen/hans-und-luise-fuellmann-grossglocknerfahrt.html
Zuletzt besucht am: 19.01.2018

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