Zeitzeugen > Nachkriegsjahre

Karl Deutmann: Flüchtlinge

Dieser Beitrag ist eine Aufzeichnung aus dem Tagebuch von Karl Deutmann aus Adlershof bei Berlin. Er wurde im Jahr 1945 verfasst.

1. September 1945

Um die Not in gesundheitlicher und ernährungstechnischer Hinsicht in dem Trümmerfeld Berlin nicht ins Uferlose zu steigern, um die Wohnungsnot mit allen hygienischen Mängeln nicht noch größer werden zu lassen, müssen alle Flüchtlinge ohne Rücksicht auf Geschlecht und Alter Berlin nach einer Ruhenacht bei Verwandten oder im Bunker am anderen Morgen wieder verlassen.

Die Herzen bluten uns, wenn wir sie sehen. Verhungert, ermattet, mit abgerissener Kleidung, zerfetzten Schuhen, schmutzige Bündel auf dem Rücken oder mit dem von Wind und Wetter verdorbenen Rest ihrer Habe auf Handwagen - so ziehen sie ihre Straße, als Wegweiser die letzte kleine Hoffnung, dem Schwersten entkommen zu sein und eine neue Heimat zu finden.

Empfohlene Zitierweise:
Deutmann, Karl: Zerstörtes Berlin, in: LeMO-Zeitzeugen, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: www.hdg.de/lemo/zeitzeugen/karl-deutmann-fluechtlinge.html
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