• Der Beschluss des SED-Politbüros vom 16. Juni 1953 nimmt eine Ende Mai 1953 beschlossene Erhöhung der Arbeitsnorm um 10,3 Prozent zurück.

Dokument Erklärung des SED-Politbüros zur Arbeitsnorm

Die Erklärung des Politbüros der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) vom 16. Juni 1953 nimmt eine Ende Mai 1953 beschlossene Erhöhung der Arbeitsnorm um 10,3 Prozent zurück.

Um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zu verbessern, beschließt das SED-Regime am 28. Mai 1953 eine Erhöhung der Arbeitsnorm. Dies kommt einer Lohnkürzung um 25 bis 30 Prozent bei höherer Arbeitsbelastung gleich. Die Unzufriedenheit unter den Menschen in der DDR steigt, besonders in der Arbeiterschaft. Trotz Zugeständnissen des SED-Regimes in Form des "Neuen Kurs" kommt es am 15. und 16. Juni zu Streiks von Arbeitern, vor allem gegen die Normerhöhung. Der Versuch des Politbüros, die Stimmung zu besänftigen, indem es die Normerhöhung am 16. Juni 1953 rückgängig macht, bleibt erfolglos. Am 17. Juni 1953 kommt es zu einem Volksaufstand in der DDR gegen das SED-Regime.

Ort und Zeit:
DDR, Berlin-Ost, 16.06.1953
Objektart:
Dokument
Bildnachweis:
Bundesarchiv
Urheber:
Politbüro der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands

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Anlässlich von Anfragen der Arbeiter einer Reihe von Betrieben und Baustellen zur Frage der Erhöhung der Arbeitsnormen hält es das Politbüro des ZK der SED für erforderlich, zu erklären:

1.) Der Aufbau eines neuen Lebens und die Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter sowie der gesamten Bevölkerung sind einzig und allein auf der Grundlage der Erhöhung der Arbeitsproduktivität und der Steigerung der Produktion möglich. Nur die Verwirklichung der alten Losung unserer Partei "Mehr produzieren - besser leben" hat zur Wiederherstellung und zur schnellen Entwicklung der Volkswirtschaft der DDR nach dem Kriege geführt. Dieser Weg war und bleibt der einzig richtige Weg.

Deshalb ist das Politbüro der Auffassung, daß die Initiative der fortgeschrittensten Arbeiter, die freiwillig zur Erhöhung der Arbeitsnormen übergegangen sind, ein wichtiger Schritt auf dem Wege zum Aufbau eines neuen Lebens ist, der dem gesamten Volk den Ausweg aus den bestehenden Schwierigkeiten weist.

Das Politbüro ist dabei der Meinung, daß eine der wichtigsten Aufgaben der Betriebsleiter, der Partei- und Gewerkschaftsorganisationen darin besteht, Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsorganisation und der Produktion zu ergreifen, damit in der nächsten Zeit der Lohn der Arbeiter, die ihre Normen erhöht haben, gesteigert werden kann.

2.) Das Politbüro hält es zugleich für völlig falsch, die Erhöhung der Arbeitsnormen in den Betrieben der volkseigenen Industrie um 10 % auf administrativem Wege durchzuführen.

Die Erhöhung der Arbeitsnormen darf und kann nicht mit administrativen Methoden durchgeführt werden, sondern einzig und allein auf der Grundlage der Überzeugung und Freiwilligkeit.

3.) Es wird vorgeschlagen, die von den einzelnen Ministerien angeordnete obligatorische Erhöhung der Arbeitsnormen als unrichtig aufzuheben. Der Beschluß der Regierung vom 28. Mai 1953 ist gemeinsam mit den Gewerkschaften zu überprüfen.

Das Politbüro fordert die Arbeiter auf, sich um die Partei und um die Regierung zusammenzuschließen und die feindlichen Provokateure zu entlarven, welche versuchen, Unstimmigkeiten und Verwirrung in die Reihen der Arbeiterklasse hineinzutragen.

den 16.6.53

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