Martin Walser geb. 1927

  • 1927

    24. März: Martin Johannes Walser wird als zweites von drei Kindern in Wasserburg/Bodensee als Sohn des Gastwirtes Martin Walser und seiner Frau Augusta (Geburtsname: Schmid) geboren.

    Als Zehnjähriger verliert er den Vater.

  • seit 1939

    Walser liest Dostojewski, Schiller und Nietzsche.

    Erste eigene Gedichte.

  • 1943-1945

    Teilnahme am Zweiten Weltkrieg.

  • 1944

    Nach Heimatflak und Arbeitsdienst meldet sich Walser freiwillig zu den Gebirgsjägern, wird als Reserveoffiziersbewerber aber abgelehnt.

  • 1945

    Walser gerät in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

  • 1946

    Abitur an der Lindauer Oberrealschule.

  • 1946-1951

    Studium der Literatur, Geschichte und Philosophie an der Theologisch-Philosophischen Hochschule Regensburg und in Tübingen.

    Beginn einer jahrzehntelangen Freundschaft mit der Schriftstellerin Ruth Klüger.

    Promotion mit einer Arbeit über Franz Kafka.

  • 1949-1957

    Reporter, Regisseur und Hörspielautor beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart. In dieser Zeit unternimmt Walser für Funk und Fernsehen Reisen nach Italien, Frankreich, England, Polen und in die CSSR.

  • 1950

    Heirat mit Katharina Neuner-Jehle. Aus der Ehe gehen vier Töchter hervor.

  • 1953

    Walser wird Mitglied der "Gruppe 47". Dieser Zusammenschluss von Schriftstellern und Publizisten setzt sich für ein neues, demokratisches Deutschland ein und bestimmt das Bild der westdeutschen Literatur bis in die 60er Jahre hinein.

  • 1955

    Das literarische Schaffen Walsers wird mit Erscheinen des Erzählungenbandes "Ein Flugzeug über dem Haus" erstmals von der Öffentlichkeit wahrgenommen.

    Preis der "Gruppe 47" für die Erzählung "Templones Ende".

  • 1957

    Walser lebt und arbeitet fortan als freier Schriftsteller in Friedrichshafen/Bodensee.

    Für seinen ersten Roman, "Ehen in Philippsburg", wird Walser mit dem Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet.

  • 1958

    Dreimonatiger USA-Aufenthalt. Teilnahme am Harvard-International-Seminar.

  • 1960

    Veröffentlichung des Romans "Halbzeit", des ersten Teils der Anselm-Tristlein-Trilogie.

  • 1961

    Walser startet als erster Publizist in der Bundesrepublik eine Wahlinitiative für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD).

  • 1962

    Uraufführung des Dramas "Eiche und Angora". Auszeichnung mit dem Gerhart-Hauptmann-Preis.

  • 1966

    Veröffentlichung des zweiten Teils der Anselm-Tristlein-Trilogie: "Das Einhorn".

  • 1973

    Abschluss der Anselm-Tristlein-Trilogie mit dem Roman "Der Sturz".

  • 1975

    Uraufführung des Stückes "Das Sauspiel" in Hamburg.

  • 1978

    Veröffentlichung der Novelle "Ein fliehendes Pferd", welche die Problematik der Midlife-Crisis schildert.

  • 1979

    Veröffentlichung des Romans "Seelenarbeit".

  • 1981

    Auszeichnung mit dem Georg-Büchner-Preis.

    Veröffentlichung der Frankfurter Poetik-Vorlesungen unter dem Titel "Selbstbewusstsein und Ironie".

  • 1983

    Viermonatiger USA-Aufenthalt als Gastdozent an der University of California, Berkeley.

  • 1985

    Veröffentlichung des Romans "Brandung".

  • 1987

    Auszeichnung mit dem Großen Bundesverdienstkreuz.

  • 1988

    November: Bei einem Auftritt in der Reihe "Reden über das eigene Land: Deutschland" erregt Walser mit dem Bekenntnis Aufsehen, dass er sich mit der deutschen Teilung nicht abfinden könne.

  • 1990

    Auszeichnung mit der Carl-Zuckmayer-Medaille, dem Ricarda-Huch-Preis und dem Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

  • 1991

    Veröffentlichung des Romans "Die Verteidigung der Kindheit", dessen Thema in direkter Beziehung zur deutschen Einheit steht. Walser verbindet in diesem Roman die politische Geschichte des Zweiten Weltkriegs und der aus ihm folgenden deutschen Teilung mit der Lebensgeschichte des Alfred Dorn, einem der typischen Walserschen Antihelden.

  • 1993

    Veröffentlichung des Familienromans "Ohne einander".

    Auszeichnung mit dem Orden "Pour le mérite".

  • 1996

    Veröffentlichung des Romans "Finks Krieg", der den deutschen Politikalltag beleuchtet und dem eine reale Auseinandersetzung in der hessischen Staatskanzlei ("Affäre Gauland") zu Grunde liegt.

  • 1997

    Anlässlich des 70. Geburtstags Walsers bringt der Suhrkamp Verlag eine große Werkausgabe in 12 Bänden heraus.

  • 1998

    Veröffentlichung des Romans "Ein springender Brunnen".

    11. Oktober: Auszeichnung mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In seiner Dankesrede kritisiert Walser die "Instrumentalisierung" von Auschwitz und behauptet, die permanente Thematisierung des Holocaust erziele letztlich den Effekt des Wegschauens. Die Rede löst eine öffentliche Kontroverse mit Ignatz Bubis, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, aus, in deren Verlauf Bubis Walser "geistige Brandstiftung" vorwirft.

    26. November: Erste öffentliche Stellungnahme Walsers zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Er betont, nicht von einem unter die Geschichte zu ziehenden "Schlussstrich" gesprochen zu haben.

    In der weiteren Debatte wirft Bubis Walser und dem früheren Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (geb. 1928), der den Schriftsteller verteidigt hatte, "latenten Antisemitismus" vor.

    12. Dezember: Walser und Bubis treffen sich zu einem Gespräch, in dem sie den Streit um Walsers Friedenspreisrede beilegen. Bubis nimmt den Vorwurf der "geistigen Brandstiftung" zurück, betont aber die Missverständlichkeit der Walserschen Äußerungen. Walser besteht auf der Unmissverständlichkeit seiner Rede. Übereinstimmung finden beide in der Auffassung, dass für den Umgang mit der deutschen Vergangenheit noch keine angemessene Sprache gefunden sei.

  • 1999

    Januar: Die deutschen Buchhändler wählen Walser zum "Autor des Jahres 1998".

  • 2001

    Erscheinen des Romans "Lebenslauf der Liebe".

  • 2002

    Juni: Der Roman "Tod eines Kritikers", den Walser selbst als satirischen Blick auf den Kulturbetrieb versteht, löst bereits vor seinem Erscheinen einen Skandal aus: Die zentrale Figur des Romans zeigt starke Ähnlichkeiten mit dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher verweigert den Vorabdruck des Romans und hält ihm die Verwendung antisemitischer Klischees vor. Auch Reich-Ranicki unterstellt Walser Antisemitismus. Walser betrachtet die Kritik als "Hinrichtung", räumt aber "geschmacklose" Passagen ein. Trotz der zahlreichen kritischen Stimmen verlegt der Suhrkamp Verlag das Buch.

  • 2004

    Walser wechselt vom Suhrkamp-Verlag, in dem er in 49 Jahren 136 Werke veröffentlicht hat, zum Rowohlt-Verlag.

    Veröffentlichung des Romans "Augenblick der Liebe". Walser erzählt darin die Geschichte des alternden Ehemannes Gottlieb Zürn - bereits aus den beiden früheren Romanen "Das Schwanenhaus" und "Jagd" bekannt - und seiner jungen Geliebten.

  • 2005

    Erscheinen des Buches "Leben und Schreiben - Tagebücher 1951-1962, in dem Walser sich mit seinem Werdegang als Schriftsteller und seinem literarischen Schaffensprozess befasst.

 

(cwg) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 19.01.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Wagner, Claudia: Biografie Martin Walser, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/martin-walser.html
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