geb. 1938

 

Kofi Annan


Photo: Kofi Annan

Politiker

1938
8. April: Kofi Annan wird in Kumasi in der britischen Kolonie Goldküste, dem heutigen Ghana, geboren. Er stammt aus einer einflussreichen Familie: Sein Vater, ein traditionelles Oberhaupt des Fante-Stammes, ist Provinzgouverneur der britischen Kolonialregierung.
1961
Nach einem Studium an der Universität für Wissenschaft und Technik in Kumasi und am Macalester College in St. Paul, Minnesota, erwirbt Kofi Annan einen Bachelor´s Degree im Fach Wirtschaftswissenschaften.
1961-1962
Weiterführendes wirtschaftswissenschaftliches Studium am Institut universitaire des hautes études internationales in Genf.
1962
Kofi Annan beginnt seine Laufbahn bei den Vereinten Nationen (UNO). In den folgenden Jahren ist er in verschiedenen Unterorganisationen der UNO tätig. Er arbeitet als Verwaltungs- und Budgetreferent in der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf, in der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Afrika (ECA) in Addis Abeba, bei den Notfallstreitkräften der Vereinten Nationen (UNEF II) in Ismailia und im Büro des Hohen Flüchtlingskommissars (UNHCR) in Genf.
1972
Erwerb eines Masters of Science im Fach Management am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge/USA, als Teilnehmer des renommierten Sloan Fellows Program für internationale Führungskräfte.
1984
Kofi Annan heiratet die schwedische Juristin und Künstlerin Nane Lagergren. Das Paar hat aus früheren Ehen drei Kinder.
1987-1990
Beigeordneter Generalsekretär für Personalverwaltung und Sicherheitskoordinator der Vereinten Nationen in New York.
1990-1992
Beigeordneter Generalsekretär für Programmplanung, Budget und Finanzen der Vereinten Nationen in New York.
1990
Nach der Invasion Kuwaits durch den Irak organisiert Kofi Annan im Auftrag des UNO-Generalsekretärs die Ausreise von über 900 internationalen Fachkräften und Angehörigen westlicher Nationen aus dem Irak. Er leitet die Verhandlungen mit dem Irak über die Freilassung der westlichen Geiseln und die Finanzierung humanitärer Hilfe im Rahmen des "Öl-für-Lebensmittel"-Programms der UNO.
1992-1996
Zunächst als Beigeordneter Generalsekretär, seit März 1993 als Untergeneralsekretär ist Kofi Annan für Friedenssicherungseinsätze der Vereinten Nationen zuständig.
Seine Zeit als Untergeneralsekretär geht mit einer starken Ausweitung der Aufgabenbereiche der UNO-Operationen zur Friedenssicherung einher.
Nach dem Friedensabkommen von Dayton fungiert Annan zwischenzeitlich (November 1995-März 1996) als Sonderbeauftragter des Generalsekretärs für Jugoslawien. Er koordiniert den Übergang der UNO-Schutztruppen im ehemaligen Jugoslawien (UNPROFOR) zur multinationalen Durchführungstruppe unter Führung der NATO (IFOR).
17. Dezember: Auf Vorschlag des UNO-Sicherheitsrats wird Kofi Annan von der Generalversammlung zum Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt.
1997
1. Januar: Kofi Annan tritt sein Amt als 7. Generalsekretär der Vereinten Nationen an. Im Juli stellt er den Mitgliedsstaaten seinen Reformplan zur "Erneuerung der Vereinten Nationen" vor, der zur Grundlage einer weitreichenden Umstrukturierung wird.
1998
April: Annan präsentiert dem Sicherheitsrat einen Bericht über die "Ursachen von Konflikten und die Förderung von dauerhaftem Frieden und nachhaltiger Entwicklung in Afrika", um das Engagement der internationalen Gemeinschaft in Afrika aufrechtzuerhalten.
Annan trägt wesentlich zur Bewältigung schwieriger politischer Situationen bei: Er bemüht sich um die Zustimmung des Irak zu den Resolutionen des Sicherheitsrats. Weiterhin unterstützt er mit einer Mission den Übergang zu einer Zivilregierung in Nigeria.
1999
Januar: Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos stellt Annan die Initiative "Globaler Pakt" vor. Ziel ist es, den Herausforderungen der Globalisierung in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen und Umwelt zu begegnen. Internationale Konzerne, Wirtschaftsvereinigungen, Gewerkschaftsverbände sowie Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen sollen in enger Zusammenarbeit bei der Erweiterung des Weltmarkts vor allem sozialen Erfordernissen Rechnung tragen.
September: Nach der Unabhängigkeitserklärung Ost-Timors und den darauffolgenden Terrorakten indonesischer Milizen wird eine Mission der Vereinten Nationen (UNAMET) als Übergangsverwaltung damit beauftragt, Ost-Timor zur Gründung eines unabhängigen Staates zu verhelfen.
2000
April: Veröffentlichung des Millenniumsberichts "Wir, die Völker: Die Rolle der Vereinten Nationen im 21. Jahrhundert". In dem Bericht fordert Annan die Mitgliedsstaaten dazu auf, sich auf einen Aktionsplan zu verpflichten, um Armut und Ungleichheit zu bekämpfen, Bildung zu verbessern, die Ausbreitung von HIV/Aids einzudämmen, die Umwelt zu schützen und die Menschen vor Gewalt und tödlichen Konflikten zu bewahren. Sein Bericht wird zur Grundlage der Anfang September auf dem Millenniumsgipfel in New York von den Staats- und Regierungschefs verabschiedeten Erklärung.
September: Annan verifiziert den Abzug Israels aus dem Libanon. Seit dem erneuten Gewaltausbruch im Nahen Osten unternimmt er weitere Anstrengungen, Israelis und Palästinenser zu neuen Verhandlungen zu bewegen. Resolutionen des Sicherheitsrats und Maßnahmen nach dem Prinzip "Land für Frieden" sollen zu einer friedlichen Lösung des Konflikts beitragen.
2001
April: Veröffentlichung eines 5-Punkte-Plans gegen die Verbreitung von HIV/Aids.
29. Juni: Annan wird in seinem Amt bestätigt und für weitere fünf Jahre zum Generalsekretär gewählt.
Juli: Verleihung der Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Politik- und Sozialwissenschaften der Freien Universität Berlin.
Nach den Anschlägen vom 11. September fordert Annan die Umsetzung bestehender Rechtsinstrumente zur entschlossenen Terrorismusbekämpfung und weist auf die Möglichkeiten der Vereinten Nationen in der Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terrorismus hin.
10. Dezember: Die Vereinten Nationen und ihr Generalsekretär werden mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Das Nobel-Komitee würdigt Kofi Annan, der die Vereinten Nationen mit seinen Initiativen neu belebt habe und der neuen Herausforderungen, wie dem Kampf gegen HIV/Aids und dem internationalen Terrorismus, begegnet sei.
2002
1. Januar: Beginn seiner zweiten Amtszeit als Generalsekretär der Vereinten Nationen.
November: Der Irak akzeptiert eine Resolution des UNO-Sicherheitsrats, die den ungehinderten Zugang von Waffeninspekteuren zu vermuteten Lagern und Produktionsstätten von Massenvernichtungswaffen fordert. Zur Verhinderung eines militärischen Konflikts in der Region fordert Kofi Annan den Irak zu einer umfassenden und rückhaltlosen Zusammenarbeit auf.
2003
Verleihung des Andrej-Sacharow-Preises für geistige Freiheit, einer Auszeichnung des Europäischen Parlaments.
2004
Ehrendoktorwürde der Universitäten Carleton/Ottawa und Ottawa.
2005
Friedenspreis der Münchner Sicherheits-Konferenz, zu der einmal jährlich Verteidigungsexperten aus der ganzen Welt zusammenkommen.

(nc) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland

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