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Schriftstellerin und Philosophin
- 1908
- 9. Januar: Simone Lucie Ernestine Marie Bertrand de Beauvoir wird
in Paris als Tochter des Anwalts Georges de Beauvoir und der Bibliothekarin
Françoise de Beauvoir geboren. Sie erhält eine streng katholische
Erziehung.
- 1913-1925
- Schulausbildung am katholischen Mädcheninstitut Cours Désir
in Paris.
Abschluss Abitur.
- 1914
- Beginn der engen Freundschaft mit Elizabeth Le Coin, geborene Mabille,
genannt Zaza (1908-1929).
- 1925/26
- Studium der Philologie am Institut Sainte-Marie in Neuilly und der
Mathematik am Institut Catholique in Paris.
- 1926/27
- Beginn des Philosophiestudiums an der Pariser Sorbonne.
- 1928/29
- Diplomarbeit über den Philosophen und Universalgelehrten Gottfried
Wilhelm Leibniz (1646-1716).
Vorbereitung auf die agrégation (Lehrerlaubnis) an der Sorbonne
und der Ecole Normale Supérieure (ENS).
Probezeit als Lehramtskandidatin am Lycée Janson-de-Sailly.
- 1929
- Bekanntschaft mit Jean-Paul
Sartre und Beginn ihrer Beziehung.
De Beauvoir besteht als Zweitbeste - hinter Sartre - die agrégation.
Tod ihrer Freundin Zaza.
- 1929-1931
- Zwei Jahre begnügt sich de Beauvoir damit, Privatstunden zu
geben und einer halben Lehrverpflichtung in Paris nachzugehen, um in
der Nähe Sartres bleiben zu können.
- 1931/32
- Erste volle Lehrverpflichtung als Philosophielehrerin in Marseille.
Sartre ist im 800 Kilometer entfernten Le Havre angestellt. Da es für
Ehepaare im öffentlichen Dienst die Möglichkeit gibt, in räumlicher
Nähe voneinander beschäftigt zu werden, bietet Sartre ihr
die Heirat an. De Beauvoir lehnt dies aus Abneigung gegen die Ehe als
"beschränkende Verbürgerlichung und institutionalisierte Einmischung
des Staates in Privatangelegenheiten" ab. Sartre und de Beauvoir beschließen
eine dauernde Verbindung, in der jeder seine Unabhängigkeit behalten
und dem anderen ein völlig gleichberechtigter Partner sein soll.
- 1932-1936
- Lehrerin in Rouen.
Auseinandersetzung mit der Phänomenologie Edmund Husserls (1858-1938).
- 1936-1943
- Lehrerin in Paris, zuerst am Lycée Molière, dann am
Camille Sée.
- 1940-1944
- Während der deutschen Besatzungszeit bleibt sie in Paris.
Freundschaft mit Albert
Camus, Bekanntschaft mit Jean Genet (1910-1986), Alberto Giacometti
(1901-1966), Pablo
Picasso und anderen Künstlern, mit denen sich Beauvoir und
Sartre häufig in ihrem Stammcafé, dem Café Flore
am Boulevard St. Germain-des-Prés treffen.
- 1941
- Rückkehr Sartres aus der deutschen Kriegsgefangenschaft.
Gründung der Résistance-Gruppe "Socialisme et Liberté".
Tod ihres Vaters.
- 1943
- Entlassung aus dem Schuldienst wegen "Verführung Minderjähriger",
weil sie die Beziehung einer Schülerin zu einem spanischen Juden
verteidigt.
Veröffentlichung von de Beauvoirs erstem Roman, "L'Invitée"
(Sie kam und blieb). In dem vom Existentialismus geprägten Roman
verarbeitet sie die Dreiecksbeziehung zwischen Sartre, ihr selbst und
einer Frau aus der Zeit in Rouen.
De Beauvoir ist fortan als freie Schriftstellerin tätig.
- 1943/44
- Programmgestalterin bei Radio Nationale.
- 1944
- Veröffentlichung ihres ersten philosophischen Essays "Pyrrhus
et Cinéas" (Pyrrhus und Cineas).
- 1945
- Veröffentlichung des Romans "Le Sang des autres" (Das Blut der
anderen), der sich mit Okkupation und Widerstand auseinandersetzt.
Beauvoirs einziges Drama, "Les Bouches inutiles" (Die unnützen
Mäuler), das sich thematisch an "Le Sang des autres" anschließt,
wird uraufgeführt.
- ab 1945
- Mitarbeiterin der von Sartre gegründeten politisch-literarischen
Zeitschrift "Les Temps Modernes". In der Zeitschrift publiziert sie
ihre philosophischen Aufsätze, die später auch einzeln veröffentlicht
werden: "Pour une morale de l'ambiguité" (Für eine Moral
der Doppelsinnigkeit), (veröffentlicht 1947), "L'Existentialisme
et la sagesse des nations" (Der Existentialismus und die Volksweisheit),
"L'Idéalisme morale et réalisme politique (Moralischer
Idealismus und politischer Realismus), "L'oeil pour l'oeil (Auge um
Auge) und "Littérature et Métaphysique" (Literatur und
Metaphysik), die gesammelt 1948 unter dem Titel "L'Existentialisme et
la sagesse des nations" veröffentlicht werden.
- 1946
- Veröffentlichung des historischen Romans "Tous les Hommes sont
mortels" (Alle Menschen sind sterblich), dessen Protagonist Fosca sich
im 16. Jahrhundert für die Unsterblichkeit entscheidet, um all
seine Pläne verwirklichen zu können.
- 1947
- Erste Reise in die USA. Dort lernt sie den amerikanischen Schriftsteller
Nelson Algren (1909-1981) kennen und lieben.
- 1948
- "L'Amérique au jour le jour" (Amerika - Tag und Nacht) berichtet
in Form eines Reisetagebuchs von der Ankunft am 25. Januar 1947 bis
zur Abfahrt am 20. Mai 1947 über ihre erste Reise in die USA.
- 1949
- Nelson Algren kommt nach Paris.
Veröffentlichung der Schrift "Le Deuxième Sexe" (Das andere
Geschlecht) mit dem berühmt gewordenen Satz "Man kommt nicht als
Frau zur Welt, sondern wird dazu gemacht". Das Buch, das Thesen zur
Selbstverwirklichung der Frau historisch-sozial begründet und radikale
gesellschaftliche Veränderungen fordert, löst heftige Diskussionen
aus. Es wird später zu einer Art Bibel der Neuen
Frauenbewegung, obwohl sich de Beauvoir selbst nie ausdrücklich
als Feministin bezeichnet.
- 1950
- Reise in die USA. Dort verbringt sie zwei Monate mit Algren.
- 1951
- Ende der Beziehung mit Nelson Algren.
- 1952
- Beginn der Beziehung zu Claude Lanzmann (geb. 1925), Mitarbeiter
und später Herausgeber der "Temps Modernes".
- 1954
- Sie erhält den Prix Goncourt für "Les Mandarins" (Die Mandarins
von Paris), einen Schlüsselroman über die französischen
Linksintellektuellen um Sartre, in dem sie dem Existentialismus ein
literarisches Denkmal setzt.
Beginn des Algerien-Krieges und ihrer Opposition gegen ihn.
- 1955
- Veröffentlichung von "Privilèges" (Privilegien), einer
Sammlung von Aufsätzen, die in "Les Temps Modernes" erschienen
waren. Darin unter anderem: "Faut-il brûler Sade? (Soll man de
Sade verbrennen?), eine Literaturkritik in Form der Mischung aus Psychoanalyse
und Gesellschaftskritik, "La pensée de Droite, aujourd'hui" (Das
Denken der Rechten, heute), der in der Darstellung des Hasses der Rechten
auf den Kommunismus die Russland-freundliche Linke verteidigt und "Merleau-Ponty
- et le Pseudo-Sartrisme" (Merleau-Ponty und der Pseudo-Sartre), der
sich gegen den alten Freund und dessen Angriff auf Sartres "Ultrabolschewismus"
richtet.
Mit Sartre Reisen nach Russland und China.
- 1957
- Veröffentlichung von "La longue Marche" (China - das weitgesteckte
Ziel), ein mit historischen, soziologischen und ökonomischen Informationen
sowie zahlreichen Statistiken bestückter Essay, in dem sie ihre
Eindrücke aus der China-Reise des vergangenen Jahres darlegt.
Kampf für die algerische Unabhängigkeit.
- 1958
- Trennung von Claude Lanzmann.
- 1958-1972
- In ihren autobiographischen Schriften legt sie schonungslos offen
Zeugnis ab über ihr Leben und Denken: "Mémoires d'une jeune
fille rangée", 1958 (Memoiren einer Tochter aus gutem Hause),
"La Force de l'âge", 1960 (In den besten Jahren), "La Force des
choses", 1963 (Der Lauf der Dinge) und "Tout compte fait", 1972 (Alles
in allem).
- 1959
- "Brigitte Bardot and the Lolita Syndrome" (Brigitte Bardot - ein
Symptom) wird in der Zeitschrift "Esquire" abgedruckt.
- 1960
- Mit Sartre Reisen nach Brasilien und Kuba.
Kampagne zugunsten von Djamila Boupacha, einer Agentin der FNL (Front
de Libération National/algerische Befreiungsfront), die von französischen
Soldaten gefoltert und vergewaltigt worden war, um ein Geständnis
zu erpressen.
- 1963
- Krebstod ihrer Mutter. In "Une Mort très douce" (Ein sanfter
Tod) von 1964 beschreibt de Beauvoir knapp, mit klinischer Genauigkeit,
das Leiden der Mutter, die unnachgiebige Lebensgier und die physische
Auflösung der alten Frau.
- 1966
- Veröffentlichung des Romans "Les Belles Images" (Die Welt der
schönen Bilder), in dem sich de Beauvoir mit der wohlhabenden,
"konsumversessenen" Pariser Gesellschaft der unmittelbaren Gegenwart
auseinandersetzt.
Mit Sartre Reisen nach Moskau und Japan.
- 1967
- Veröffentlichung von "La Femme rompue" (Eine gebrochene Frau),
drei Erzählungen von Frauen über vierzig.
Reise in den Nahen Osten.
Mitglied des Russell-Tribunal gegen die Kriegsverbrechen in Vietnam.
- 1970
- "La Vieillesse" (Das Alter), ein Essayband, der sich soziologisch
und literarisch mit dem Altern auseinandersetzt, erscheint.
- 1971
- De Beauvoir unterschreibt im Kampf um ein neues Abtreibungsgesetz
in Frankreich zusammen mit anderen prominenten Frauen eine öffentliche
Erklärung "J'ai avorté" (Ich habe abgetrieben).
- 1974
- Präsidentin der "Liga für Frauenrechte" in Frankreich.
- 1975
- Preis von Jerusalem.
- 1978
- Auszeichnung mit dem Großen österreichischen Staatspreis
für europäische Literatur.
- 1979
- Herausgabe ihrer frühen, bisher unveröffentlichten Erzählungen
"Quand prime le spirituel" (Marcelle, Chantal, Lisa...).
- 1980
- Tod Jean-Paul Sartres.
Beauvoir adoptiert die Philosophielehrerin und langjährige Freundin
Sylvie Le Bon (geb. 1942).
- 1981
- "La Cérémonie des adieux, suivi de Entretiens avec
Jean-Paul Sartre (août-septembre 1974) (Die Zeremonie des Abschieds
und Gespräche mit Jean-Paul Sartre). In dem Buch berichtet sie
mit schonungsloser Authentizität über die letzten Lebensjahre
und das Siechtum Sartres.
- 1983
- Herausgabe von Sartres Briefen unter dem Titel "Lettres au Castor
et à quelques autres" (Briefe an Simone de Beauvoir und andere).
De Beauvoir übernimmt den Vorsitz in einer Kommission, die im Auftrag
der Regierung eine "Kulturpolitik für die Frauen" entwerfen soll.
Alice Schwarzer
veröffentlicht "Simone de Beauvoir heute", eine Sammlung von Interviews
mit de Beauvoir aus den Jahren 1972-1982.
Auszeichnung mit dem dänischen Sonning-Preis.
- 1986
- 14. April: Simone de Beauvoir stirbt in Paris.
Sie wird neben Jean-Paul Sartre auf dem Pariser Friedhof Montparnasse
beigesetzt.
- 1990
- Sylvie le Bon de Beauvoir gibt Simone de Beauvoirs Briefe an Sartre
(Lettres à Sartre, 1930-1963) und ihr Kriegstagebuch (Journal de guerre,
Septembre 1939-Janvier 1941) heraus.
- 1999
- Ihre Adoptivtochter Sylvie Le Bon de Beauvoir gibt "Eine transatlantische
Liebe. Briefe an Nelson Algren 1947-1964" heraus.
(db)
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