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Politiker
- 1931
- 2. März: Michail Sergejewitsch Gorbatschow wird in Priwolnoje
im Gebiet Stawropol im Nordkaukasus als Kind einer Bauernfamilie geboren.
- 1938-1948
- Besuch der Grund- und Mittelschule,
die er mit Auszeichnung abschließt. Beitritt zum Jugendverband
Komsomol.
- 1944-1950
- Arbeit in der Maschinen-Traktoren-Station einer Kolchose. 1948 wird
er für seine Leistungen mit dem Orden des Roten Banners der Arbeit
ausgezeichnet.
- 1950-1955
- Studium der Rechtswissenschaft in Moskau.
- 1952
- Eintritt in die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU).
- 1953
- Heirat mit der Soziologiestudentin Raissa Maximowa Titorenko. Aus
der Ehe geht eine Tochter hervor.
- 1955-1962
- Erster Sekretär des Stadtkomitees des Komsomol in Stawropol.
Ab 1958 wird er zunächst Zweiter Sekretär, später Erster
Sekretär des Komsomolkomitees der Region Stawropol.
- 1962-1971
- Mitglied des Regionalkomitees Stawropol der KPdSU.
- 1963-1966
- Leiter der Abteilung Parteiorgane des Regionalkomitees Stawropol
der KPdSU.
- 1966-1968
- Erster Sekretär der KPdSU im Stadtkomitee Stawropol.
- 1967
- Gorbatschow schließt sein Zweitstudium am Agrar-Institut in
Stawropol/Nordkaukasus als Diplomagraringenieur ab. Mit verschiedenen
Landwirtschaftsexperimenten, die zu erheblichen Ertragssteigerungen
führen, erwirbt er sich den Ruf eines Agrar-Experten.
- 1968-1970
- Zweiter Sekretär der KPdSU des Regionalkomitees Stawropol.
- 1970-1978
- Erster Sekretär der KPdSU des Regionalkomitees Stawropol.
- seit 1970
- Mitglied des Obersten Sowjet. In dieser Funktion ist er ab 1974 Leiter
der Jugendkommission und ab 1979 der Gesetzgebungskommission.
- 1971-1991
- Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der KPdSU. Gefördert wird
Gorbatschow besonders von Jurij Andropow (1914-1984), dem ehemaligen
Chef des sowjetischen Geheimdienstes (KGB) und Generalssekretär
der KPdSU.
- 1975
- Gorbatschow sammelt seine erste Auslandserfahrung im Westen bei einem
Besuch in der Bundesrepublik Deutschland.
- 1978-1985
- Sekretär für Landwirtschaft im ZK der KPdSU.
- 1979-1980
- Kandidat des Politbüros der KPdSU. Er gehört damit zu den
14 wichtigsten Männern der Sowjetunion.
- 1980-1991
- Vollmitglied des Politbüros der KPdSU. Gorbatschow ist damit
erster Politiker der Nachkriegsgeneration in diesem Gremium. Als Mitglied
der außenpolitischen Komission unternimmt er verschiedene Auslandsreisen,
unter anderem nach Großbritannien und Kanada, wo er mit Margaret
Thatcher und Pierre Trudeau (geb. 1919) zusammentrifft.
- 1983
- Während der Erkrankung des Staats- und Parteichefs Andropow
übernimmt Gorbatschow in vielen Bereichen dessen Vertretung.
- 1984
- Nach dem Tod von Andropow wird Gorbatschow zuständig für
die Oberaufsicht der Sekretariatsarbeit im ZK der KPdSU. Er plädiert
für Ordnungspolitik und bezeichnet "die Sicherung des Weltfriedens
und die Stärkung der sowjetischen Verteidigungsmacht" als Grundpfeiler
sowjetischer Außenpolitik .
März: Ernennung zum Vorsitzenden des Außenpolitischen Ausschusses
des Obersten Sowjet.
Das Parteiorgan "Prawda" bezeichnet Gorbatschow als "Zweiten Generalsekretär".
Dezember: Als Anhänger des Wirtschaftsreformprogramms von Andropow
spricht Gorbatschow sich für "tiefgreifende Veränderungen"
der sowjetischen Wirtschaft aus, wobei "revolutionäre" Lösungen
in Wissenschaft und Technik Vorrang haben sollten.
- 1985
- 11. März: Nach dem Tod von Konstantin Tschernenko (1911-1985)
wird mit dem 54jährigen Gorbatschow erstmals ein relativ junges
Mitglied des Politbüros Generalsekretär der KPdSU.
Seine ersten Erklärungen und Maßnahmen zielen auf eine bessere
Arbeitsqualität in Landwirtschaft, Industrie und Verwaltung sowie
auf verstärkte Bekämpfung von Korruption und Alkoholismus
ab.
April: Bei der Unterzeichnung der Verlängerung des "Warschauer
Vertrages" betont Gorbatschow die "Einheit von Marxismus-Leninismus
und sozialistischem Internationalismus".
Mai: Bei den Feiern aus Anlass des 40. Jahrestages des Kriegsendes fordert
er eine "echte Rückkehr der Entspannung", kritisiert Anzeichen
von "amerikanischem Imperialismus" und westdeutschem Revanchismus" und
erklärt sich bereit, Verhandlungen über Rüstungskontrolle
in allen Bereichen zu führen.
Oktober: Gorbatschow stellt sein Programm einer wirtschaftlichen "Beschleunigung"
durch einen grundlegenden Umbau (Perestrojka) der sowjetischen Verhältnisse
vor. Dafür sollen Eigeninitiative und Eigenverantwortung gefördert
und marktwirtschaftliche Elemente eingeführt werden sowie eine
größere Ausrichtung der Produktion an der Nachfrage erfolgen.
November: Gorbatschow und der amerikanische Präsident Ronald
Reagan treffen in Genf zu Gipfelgesprächen zusammen, die Hoffnung
auf eine neue Entspannungspolitik wecken.
- 1985-1988
- Mitglied des Präsidiums des Obersten Sowjet.
- 1985-1991
- Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates der UdSSR.
- 1986
- 1. Januar: Der US-Präsident Reagan wendet sich in einer Fernsehansprache
an das sowjetische und Gorbatschow an das US-amerikanische Volk. Beide
Politiker unterstreichen in den Ansprachen ihren Willen zur Abrüstung.
15. Januar: Gorbatschow schlägt in Moskau einen Drei-Stufen-Plan
für den Abbau aller Atomwaffen bis zum Jahr 2000 vor. Der Westen
reagiert überwiegend positiv auf seine Vorschläge.
25. Februar: In Moskau wir der XXVII. Parteitag der KPdSU eröffnet.
Gorbatschow kündigt "radikale Reformen" in der Wirtschaft an.
14. Mai: In der ersten öffentlichen Stellungnahme zum Unfall im
Kernkraftwerk Tschernobyl vom 26. April des Jahres fordert Gorbatschow
zur internationalen Zusammenarbeit in Kernenergiefragen auf.
28. Juli: Gorbatschow kündigt in einer Grundsatzrede zur Innen-
und Außenpolitik in Wladiwostok einen Teilabzug der sowjetischen
Truppen aus Afghanistan an. Bis Ende 1986 sollen sechs Regimenter das
Land verlassen haben. Die Sowjetunion hatte 1979 in Afghanistan militärisch
interveniert.
11./12. Oktober: Gespräche zwischen US-Präsident Reagan und
Gorbatschow in Reykjavik/Island enden ohne Vereinbarungen. Beide Seiten
können sich nicht über das US-amerikanische SDI-Programm einigen.
- 1987
- Februar: Gorbatschow stellt ein Separatabkommen über einen Abbau
der Mittelstreckenraketen zur Diskussion und verzichtet darin auf eine
Verknüpfung mit dem Abbau anderer Waffensysteme, insbesondere mit
der Aufgabe des amerikanischen Weltraum-Abwehrsystems SDI. Damit gibt
Gorbatschow den Abrüstungsverhandlungen entscheidenden Anstoß
.
Dezember: Gorbatschow und Reagan unterzeichnen in Washington die weltweit
als historischer Durchbruch gefeierte "Nulllösung": die Beseitigung
aller Mittelstreckenraketen.
Veröffentlichung der Schrift "Perestrojka. Die zweite russische
Revolution". Das Buch wird von der Friedrich-Ebert-Stiftung 1988 als
"Politisches Buch des Jahres" ausgezeichnet.
Auszeichnung mit dem Internationalen Indira-Ghandi-Friedenspreis in
Delhi/Indien.
Das US-amerikanische Magazin "Time" wählt Gorbatschow zum "Mann
des Jahres".
- 1988
- 8. Februar: Gorbatschow kündigt den Abzug aller sowjetischen
Truppen aus Afghanistan an.
23. März: Gorbatschow setzt sich auf einem Kongress von Kolchosbauern
in Moskau für mehr Privatinitiative in der Landwirtschaft ein.
Er regt unter anderem eine begrenzte Gewinnbeteiligung der Bauern an.
29. Mai-2. Juni: In Moskau findet das vierte Gipfeltreffen zwischen
Reagan und Gorbatschow statt. Höhepunkt des Treffens ist der Austausch
der Ratifizierungsurkunden zum INF (Intermediate Nuclear Forces) -Vertrag.
Er verpflichtet die Vertragsparteien zum vollständigen Abbau aller
atomaren Mittelstreckenraketen.
7. Juli: In Prag endet die dreitägige 44. Jahrestagung des Rats
für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Die Regierungschefs der
zehn osteuropäischen Staaten diskutieren über die von Gorbatschow
geforderten Reformen der sozialistischen Wirtschaftsgemeinschaft. Mit
Ausnahme der DDR und Rumäniens begrüßen die Teilnehmer
Gorbatschows Vorschlag, eine stärkere Zusammenarbeit mit der Europäischen
Gemeinschaft (EG) anzustreben.
1. Oktober: Nach dem Rücktritt von Staatspräsident Andrei
Gromyko (1909-1989) wird Gorbatschow zum Vorsitzenden des Obersten Sowjet
und damit zum Staatsoberhaupt der Sowjetunion gewählt. Mit seiner
Politik der Verständigung und Transparenz versucht er, sein wirtschaftliches
Reformprogramm (Perestrojka) ebenso durchzusetzen wie die Öffnung
der Gesellschaft (Glasnost). Das schafft sowohl innenpolitisch als auch
außenpolitisch völlig neue Verhältnisse. Sein Bemühen,
die Reformen zwar rasch aber unter Vermeidung eines plötzlichen
Zusammenbruchs der bisherigen politischen und wirtschaftlichen Strukturen
durchzuführen, wird stark kritisiert: Einerseits von denen, die
die alte Ordnung erhalten wollen und andererseits von den Reformern,
denen die Veränderungen zu langsam vorangehen.
24.-27. Oktober: Bundeskanzler Helmut
Kohl reist mit führenden Vertretern der deutschen Wirtschaft,
der Gewerkschaftsbewegung, der Wissenschaft und der Kultur in die Sowjetunion.
Im Mittelpunkt der Reise stehen mehrere Gespräche mit Gorbatschow
über die deutsch-sowjetischen Beziehungen, Abrüstungs- und
Rüstungskontrollen, Umweltschutz, kulturelle Beziehungen und die
Aussiedlung von Russlanddeutschen.
7. Dezember: In einer Rede vor der UNO-Vollversammlung in New York kündigt
Gorbatschow einseitige Abrüstungsschritte seines Landes an. So
will er rund 500.000 Soldatenstellen abbauen und sechs Panzerdivisionen
aus der DDR, der CSSR und Ungarn abziehen.
- 1989
- 26. März: Nach den ersten Sowjetwahlen mit Kandidatenwettbewerb
scheiden 110 Spitzenfunktionäre aus dem ZK aus. Damit sind die
Altkommunisten, die sich gegen Gorbatschows Reformbestrebungen gestellt
haben, zum großen Teil entmachtet.
15. Mai: Nach dreißig Jahren findet zum ersten Mal wieder ein
Gipfeltreffen zwischen der Sowjetunion und China statt. Gorbatschows
Besuch in Peking wird von Studentendemonstrationen begleitet, bei denen
die Übernahme der Perestroika gefordert wird.
25. Mai: Gorbatschow wird vom neu geschaffenen Kongress der Volksdeputierten
zum Staatspräsidenten mit besonderen Vollmachten gewählt.
12.-15. Juni: Gorbatschow wird bei seinem Staatsbesuch in Bonn von der
Bevölkerung mit großem Jubel empfangen. Zum Abschluss seines
Besuchs erklärt er "Die Mauer kann wieder verschwinden, wenn die
Voraussetzungen entfallen, die sie hervorgebracht haben".
7. Juli: Gorbatschow gesteht auf der ersten Ostblock-Gipfelkonferenz
in Bukarest jedem sozialistischen Staat seine eigene Entwicklung zu.
Damit verliert die sogenannte Breschnew-Doktrin ihre Gültigkeit.
September: Gorbatschow einigt sich mit den USA auf den Abbau von C-Waffen.
7. Oktober: In Ost-Berlin nimmt Gorbatschow an den Festveranstaltungen
zum 40. Jahrestag der Gründung der DDR teil. Er betont vor der
Presse die Notwendigkeit von Reformen und äußert die berühmten
Worte: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben".
- 1990
- 10. Februar: Bei einem Treffen zwischen Bundeskanzler Kohl und Gorbatschow
in Moskau, wird die Zusicherung gegeben, dass die UdSSR einer Wiedervereinigung
Deutschlands nicht im Weg stehe.
Februar: Gorbatschow legt ein Reformpaket zur Erneuerung der Partei
vor, das den Verzicht auf das bisherige Machtmonopol der KPdSU vorsieht.
Er plädiert für die Einführung eines Präsidalsystems.
14. März: Nachdem der Oberste Sowjet und der Kongress den Reformvorschlägen
vom Februar zugestimmt hat, wird Gorbatschow der erste gewählte
Staatspräsident der Sowjetunion.
27. März: Gorbatschow kündigt den "kontrollierten Übergang"
zur Marktwirtschaft in der Sowjetunion an.
31. Mai-3. Juni: US-Präsident George Bush (geb. 1924) und Gorbatschow
erklären bei ihrem Gipfeltreffen, dass die Frage der Bündniszugehörigkeit
eines vereinten Deutschlands von den Deutschen selbst entschieden werden
muss.
Juni: Verleihung des Friedenspreises der Franklin-Roosevelt-Stiftung,
Washington/USA, der Martin-Luther-King-Medaille des Friedens World Colleges,
Washington/USA und der Ehrendoktorwürde der Providence-University
von Rhode Island/USA.
2.-13. Juli: Auf dem XXVIII. Parteitag der KPdSU in Moskau kann Gorbatschow
seine Machtstellung behaupten. Das Politbüro wird vollkommen umgestaltet
und die Trennung zwischen Partei- und Regierungsämtern vollzogen.
14.-16. Juli: Bundeskanzler Kohl trifft in der Sowjetunion mit Gorbatschow
zu Gesprächen zusammen. Dieser billigt einem vereinten Deutschland
die volle Souveränität und die freie Wahl der Bündniszugehörigkeit
zu.
24. September: In der UdSSR erhält Gorbatschow befristet bis zum
31. März 1992 Sondervollmachten. Er kann damit über Fragen
des Eigentums, der Wirtschafts- und Finanzpolitik, der Lohn- und Preisregelung
sowie der öffentlichen Ordnung allein entscheiden.
Oktober: Auszeichnung mit dem Spanischen Preis für Frieden und
internationale Zusammenarbeit "Prinz von Asturien" in Madrid/Spanien.
9. November: In Bonn unterzeichnen Bundeskanzler Kohl und Gorbatschow
den "Vertrag über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit".
17. November: Der Oberste Sowjet akzeptiert das von Gorbatschow angestrebte
Notstandsprogramm, das die Position des Präsidenten erheblich stärkt.
November: Verleihung der Otto-Hahn-Friedensmedaille der Bundesrepublik
Deutschland für Frieden und Völkerfreundschaft.
10. Dezember: Für die schrittweise marktwirtschaftliche Orientierung,
internationale Handelsabkommen, für Grenzöffnungen und Abrüstung,
die Auflösung des Warschauer Paktes und die Einführung eines
Präsidialsystems wird Gorbatschow der Friedensnobelpreis
verliehen.
25. Dezember: Der sowjetische Volkskongress der Volksdeputierten akzeptiert
mit großer Mehrheit die Erweiterung der Befugnisse von Gorbatschow.
Damit wird auch das Kabinett direkt dem Präsidenten unterstellt.
- 1991
- Februar: Gorbatschow verkündet das Ende des Warschauer Paktes
aufgrund der neuen Europa-Politik.
17. März: Gorbatschow stellt in einem unionsweiten Referendum klar,
dass allen Republiken freistehe, die Union zu verlassen, sofern sich
dies verfassungsgemäß vollziehe.
15. Juli: In London wird der dreitägige Weltwirtschaftsgipfel
eröffnet, an dem Gorbatschow als Gast teilnimmt.
31. Juli: US-Präsident Bush und Gorbatschow unterzeichnen in Moskau
den START-Vertrag (Strategic Arms Reduction Talks) zum Abbau der strategischen
Atomwaffen.
19. August: In der Sowjetunion versuchen reformfeindliche Kräfte
unter maßgeblicher Mitwirkung des KGB Gorbatschow zu stürzen.
Der russische Präsident Boris
Jelzin ruft die Bevölkerung zum Widerstand gegen die Putchisten
auf. Am 21. August bricht der Umsturzversuch zusammen.
24. August: Gorbatschow tritt als Generalsekretär der KPdSU zurück.
29. August: Der Oberste Sowjet hebt die dem Staatspräsidenten Gorbatschow
eingeräumten Sondervollmachten wieder auf.
5. September: Ernennung zum Vorsitzenden des Staatsrates der UdSSR.
18. Oktober: Vertreter von acht der zwölf Sowjetrepubliken sowie
Gorbatschow unterzeichnen in Moskau einen Vertrag zur Bildung eines
einheitlichen Wirtschaftsraumes.
17. Dezember: Der russische Präsident Jelzin und Gorbatschow als
sowjetischer Präsident vereinbaren die Auflösung der UdSSR
zum 21. Dezember 1991.
25. Dezember: Nach der Auflösung der UdSSR und mit der Gründung
der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) erklärt Gorbatschow
seinen Rücktritt und übergibt Russlands Präsident Jelzin
das Kommando über die strategischen Atomwaffen. Die EG und die
USA erkennen Russland als Rechtsnachfolger der UdSSR an.
Veröffentlichung der Schrift "Der Staatsstreich".
- 1992
- 1. Januar: Gorbatschow wird Präsident der Stiftung für
Politik, Wirtschaft und Sozialforschung.
Gorbatschow wird Kolumnist für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften,
darunter die "Komsomolskaja Prawda", die "New York Times", die Turiner
"La Stampa" und die deutsche Illustrierte "Bunte".
Gorbatschow wird mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin
für seinen Einsatz um die deutsche Einheit ausgezeichnet.
Veröffentlichung der Schrift "Der Zerfall der Sowjetunion", die
eine Sammlung von Reden, Interviews und Reminiszenzen enthält.
Da Gorbatschow sich weigert, in einem Prozess um die Rechtmäßigkeit
des KPdSU-Verbotes als Zeuge auszusagen wird sein Diplomatenpass gesperrt
und die Stiftung für Politik, Wirtschaft und Sozialforschung polizeilich
geschlossen.
Auszeichnung mit dem Albert-Schweitzer-Preis der Vereinten Nationen.
- 1995
- Veröffentlichung seiner "Erinnerungen", die Einsichten
in die Umstände von Gorbatschows Aufstieg zur Macht und das Scheitern
seines Demokratisierungs- und Liberalisierungsversuches geben.
- 1996
- 16. Juni: Bei den Präsidentschaftswahlen
siegt Amtsinhaber Jelzin. Gorbatschow erhält weniger als 0,5 %
der Stimmen.
- 1997
- Juni: Der "Club of Rome" zeichnet Gorbatschow mit dem "Preis für
planetarisches Bewusstsein" aus.
August: Gorbatschow mahnt in einem Interview eine langfristige und globale
Friedenspolitik an und empfiehlt den Vereinten Nationen die Einrichtung
eines ökologischen Sicherheitsrates.
September: Gorbatschow wird in Paris zum Kommandeur des "Ordre des Arts
es des Lettres" ernannt.
Dezember: Gorbatschow verkündet, dass er Reklame für eine
US-Pizza machen wird. Das Honorar soll der Stiftung für Politik,
Wirtschaft und Sozialforschung zukommen.
- 1998
- Bei einem Besuch in Brandenburg ruft Gorbatschow zu einer weltweiten
Abkehr vom Hegemoniestreben auf.
- 1999
- März: Gorbatschow kritisiert die Aufnahme von Polen, Ungarn
und Tschechien in die NATO. Die NATO-Erweiterung sei für Russland
erniedrigend.
Mai: Gorbatschow verurteilt die NATO-Angriffe auf Jugoslawien.
20. September: Gorbatschows Ehefrau Raissa Gorbatschowa stirbt in Münster
an Blutkrebs. An den Trauerfeierlichkeiten nehmen auch Altbundeskanzler
Helmut Kohl, Bundestagspräsident Wolfgang
Thierse und die Gattin des Bundeskanzlers, Doris Schröder-Köpf,
teil. In der russischen Presse löst der Tod Raissa Gorbatschowas
eine Welle der Sympathie und des Mitgefühls für ihre Familie
aus.
November: Gorbatschow wird zum Präsidenten der neuen Internationalen
Akademie für Nachhaltige Entwicklungen und Technologien an der
Universität Karlsruhe gewählt.
Deutsche Veröffentlichung der Schrift "Wie es war. Die deutsche
Wiedervereinigung", in der sich Gorbatschow gegen den Vorwurf wehrt,
er habe sich "übervorteilen lassen".
- 2000
- 11. März: Gorbatschow gründet in Moskau die Vereinigte
Russische Sozial-Demokratische Partei und wird von den Delegierten zum
Vorsitzenden gewählt.
Veröffentlichung der Schrift "Über mein Land", eine Geschichte
der Sowjetunion von der Oktoberrevolution bis zu ihrem Zerfall.
- 2003
- 17. Juli: Gorbatschow erhält den Umweltpreis der Stiftung Euronatur.
In seinem Buch "Manifest für die Erde" formuliert er
Grundsätze für einen umweltschonenden, nachhaltigen Lebensstil
und fordert eine gerechte Verteilung der Ressourcen als Voraussetzung
für einen globalen Frieden.
(iz)
© Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
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