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Politikerin
- 1896
- 22. September: Martha Elisabeth Rohde wird in Kassel geboren. Ihr
Vater, Georg Rohde, arbeitet als Gefangenenaufseher in einer Kasseler
Jugendstrafanstalt. Ihre Mutter, Eva Elisabeth Rohde, geb. Sauer, sorgt
für den Haushalt und die vier Töchter. Die Familie ist kleinbürgerlich
und streng protestantisch geprägt.
- 1903-1907
- Besuch der Volksschule.
- 1907-1912
- Wechsel zur Realschule. Aufgrund ihrer guten Leistungen wird Selbert
von der Schulgeldzahlung befreit.
- 1912-1913
- Wie alle Mädchen muss Selbert die Realschule ohne Zeugnis und
Mittlere Reife verlassen. Da die höhere Mädchenschule für
die Familie nicht bezahlbar ist, besucht sie für ein Jahr die Kasseler
Gewerbe- und Handelsschule des Frauenbildungsvereins.
- 1913-1914
- Auslandskorrespondentin bei der Kasseler Import- und Exportfirma
Salmann&Co. Unmittelbar nach Beginn des Ersten
Weltkrieges verliert Selbert ihre Arbeit.
- 1916-1921
- Durch den kriegsbedingten Mangel an Arbeitskräften werden immer
mehr Frauen in zuvor männlich dominierten Berufen beschäftigt.
Selbert findet eine Anstellung als Postgehilfin im Telegrafendienst.
- 1918
- Während der Novemberrevolution
lernt Selbert den sozialdemokratischen Kommunalpolitiker Adam Selbert
kennen. Nach mehreren Besuchen politischer Veranstaltungen der Sozialdemokratischen
Partei Deutschlands (SPD) tritt Selbert in die Partei ein.
- 1918-1933
- Mitglied des SPD-Bezirksvorstandes in Kassel.
- 1919-1925
- Mitglied im Gemeindeparlament Niederzwehren. Um als Frau nicht automatisch
auf den klassischen weiblichen Bereich der Fürsorge festgelegt
zu werden, lässt sie sich in den Finanz- und Steuerausschuss wählen.
- 1920
- 2. Oktober: Heirat mit Adam Selbert.
9.-16. Oktober: Delegierte der SPD-Frauenkonferenz und des SPD-Parteitages
in Kassel. Selbert tritt für eine konsequente Gleichberechtigung
von Männern und Frauen ein, die ihrer Meinung nach "immer
noch eine papierne" ist.
- 1921
- 25. September: Geburt des Sohnes Gerhart.
- 1922
- 11. November: Geburt des Sohnes Herbert.
- 1924
- Delegierte der SPD-Frauenkonferenz in Berlin. Selbert äußert
sich besorgt über die Wahlerfolge der antidemokratischen Deutschnationalen
Volkspartei (DNVP), in der sie eine Gefahr für das Frauenwahlrecht
sieht.
- 1925-1926
- Selbert bereitet sich auf das Abitur vor und legt als Externe die
Reifeprüfung in der Luisenschule in Kassel ab.
- 1926-1930
- Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten
Marburg und Göttingen, wo sie eine von fünf Frauen unter 300
Studenten ist. Nach dem Ersten Juristischen Staatsexamen promoviert
sie über das Thema "Ehezerrüttung als Scheidungsgrund"
zum Dr.jur. Die Abkehr vom Verschuldungs- und die Anerkennung des Zerrüttungsprinzips,
die Selbert fordert, wird in der Bundesrepublik erst 1977 festgeschrieben.
- 1933
- 5. März: Adolf Hitler
wird zum Reichskanzler ernannt. Bei den Reichstagswahlen kandidiert
Selbert für die SPD, doch der Einzug in das Parlament gelingt ihr
nicht.
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1934
- Oktober: Zweites Juristisches Staatsexamen.
Dezember: Kurz bevor das nationalsozialistische Regime Frauen den Zugang
zum Anwaltsberuf verwehrt, wird Selbert zur Rechtsanwaltschaft zugelassen.
In Kassel übernimmt sie die Kanzlei zweier jüdischer Rechtsanwälte.
In der Folgezeit bearbeitet sie Wirtschaftsstrafsachen, Meineidverfahren
und Jugendgerichtsdelikte. Selbert arbeitet mit einer Gruppe von Anwälten
zusammen, die die Möglichkeiten des Justizsystems nutzen, um Menschen
vor Verfolgung, Zwangsarbeit, Dienstverpflichtung und Konzentrationslager
zu schützen.
- 1943
- 22. Oktober: Bei einem
alliierten Luftangriff auf Kassel wird die Kanzlei zerstört.
- 1945
- Nach Kriegsende arbeitet
Selbert im Ausschuss zur Neuordnung der Justizverwaltung in Kassel mit.
- 1945-1953
- Mitglied des SPD-Bezirksvorstands
Hessen-Nord.
- 1946
- Mitglied der Verfassungsberatenden
Landesversammlung in Hessen.
- 1946-1952
- Stadtverordnete in Kassel.
- 1946-1955
- Mitglied des zentralen
Parteivorstandes der SPD.
- 1946-1958
- Mitglied im Hessischen Landtag.
- 1948-1949
- Vertreterin Niedersachsens
im Parlamentarischen
Rat. Selbert ist eine von vier Frauen unter insgesamt 65 Abgeordneten.
Ihr Antrag, die Formulierung "Frauen und Männer sind gleichberechtigt"
ins Grundgesetz
aufzunehmen, wird vom Hauptausschuss des Parlamentarischen Rates abgelehnt.
Daraufhin wendet sich Selbert an Presse und Öffentlichkeit. Die
Folge ist ein Beschwerdeansturm von Frauen beim Parlamentarischen Rat,
der schließlich dem öffentlichen Druck nachgibt und am 18.
Januar 1949 den Gleichheitsgrundsatz als unveräußerliches
Grundrecht in die Verfassung aufnimmt.
- 1949
- 14. August: Bei den Wahlen
zum Ersten
Deutschen Bundestag scheitert Selbert knapp. Sie konzentriert sich
von nun an auf ihre Arbeit im Hessischen Landtag. Dort setzt sie sich
für ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung
und die Humanisierung des Strafvollzugs ein.
- 1956
- Verleihung des Großen
Bundesverdienstkreuzes.
- 1958
- Selbert zieht sich aus
der Poltik zurück.
- 1968
- 17.Mai: Tod Adam Selberts.
- 1969
- Auszeichnung mit dem Wappenring
der Stadt Kassel.
- 1978
- Verleihung der Wilhelm-Leuschner-Medaille
durch den hessischen Ministerpräsidenten.
- 1983
- Einrichtung des Elisabeth-Selbert-Preises
für journalistische Arbeiten, die das Verständnis für
die Situation der Frau und die Notwendigkeit ihrer Gleichstellung in
der Gesellschaft fördern.
- 1984
- Ernennung zur Kasseler
Ehrenbürgerin.
- 1986
- 9. Juni: Elisabeth Selbert
stirbt in Kassel.
(str/reh)
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