Fritz Hellwig geb. 1912

Fritz Hellwig ist ein deutscher CDU-Politiker, Ökonom und der älteste noch lebende ehemalige Abgeordnete des Deutschen Bundestags. Er ist als einer der frühen Europa-Politiker bekannt, zeitweise Mitglied der Hohen Behörde der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) und Vizepräsident der EG-Kommission. Hellwig setzt sich besonders für die Idee des Gemeinsamen Marktes zur politischen Einigung Europas ein.

  • 1912

    3. August: Hellwig wird in Saarbrücken geboren. Sein Vater Friedrich Hellwig ist Schulrat und Gründungsmitglied der deutsch-saarländischen Liberalen Volkspartei. Auch Hellwig ist in einer Jugendgruppe der Partei aktiv.

  • 1918-1921

    Jungenschule in Saarbrücken

  • 1930

    Hellwig legt das Abitur am städtischen Reform-Realgymnasium in Saarbrücken ab.

    In Marburg, Wien und Berlin studiert er anschließend Philosophie, Volkswirtschaft, Erdkunde, englische Philologie, Staatenkunde und Geschichte.

  • 1933

    Promotion zum Dr. phil in Berlin mit der Arbeit "Der Kampf um die Saar 1860-1870. Beiträge zur Rheinpolitik Napoleons des Dritten".

    Eintritt in die NSDAP, kurze Zeit Dienst für die SA.

  • 1933-1939

    Anstellung bei der Saarbrücker Industrie- und Handelskammer, nachdem er zuvor bereits als unbezahlter Volontär dort gearbeitet hat. Er ist zunächst Presse-Referent, steigt schließlich zum Geschäftsführer auf und leitet das Saar-Wirtschaftsarchiv.

  • 1936

    Habilitation in Heidelberg mit einer Biografie über den Stahlindustriellen Carl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg.

  • 1937-1938

    Dozent an der Hochschule für Lehrerbildung in Saarbrücken.

  • 1939

    Hellwig geht nach Düsseldorf zur Organisation der Eisenhüttenindustrie.

    Nach einem Jahr kehrt er als Geschäftsführer der Bezirksgruppe Südwest der Wirtschaftsgruppe "Eisenschaffende Industrie" zurück nach Saarbrücken.

    Hellwig heiratet die Chef-Archivarin der Firma Krupp, Dr. Margarete Werners.

  • 1940

    Geburt des ersten Sohns, Hans-Jürgen Hellwig.

  • 1941

    Hellwig wird das erste Mal einzogen. Er ist in der Verwaltung der besetzten sowjetischen Eisenindustrie eingesetzt.

  • 1942

    Ernennung zum Kriegsverwaltungsrat in der Wirtschaftsinspektion Mitte der Ostfront.

    Geburt der Tochter Antje Hellwig.

  • 1943

    Februar: Hellwig wird als Panzergrenadier zur Wehrmacht eingezogen. Nach der Ausbildungszeit ist er zur Frontbewährung in Italien.

    In Süditalien gerät er Ende 1943 in britische Kriegsgefangenschaft, wird dann in amerikanische Gefangenschaft übergeben und in die USA gebracht. Dort durchläuft er verschiedene Kriegsgefangenenlager, darunter Camp-Alva und das Straflager Fort Reno in Oklahoma, wo er als Director of Studies eine Lageruniversität organisiert.

  • 1947

    Im März 1947 kommt er in das Umerziehungslager Wilton Park in Großbritannien. Von dort aus kehrt er zu seiner Familie nach Düsseldorf zurück.

    Dezember: Eintritt in die CDU sowie Tätigkeit in Düsseldorf und Duisburg als Wirtschaftsberater.

  • 1949

    Hellwig gehört zu den Mitverfassern der Düsseldorfer Leitsätze der CDU, die das Programm der Sozialen Marktwirtschaft als das wirtschaftspolitische Programm der CDU definieren.

    Geburt des Sohns Martin Hellwig.

  • 1949-1951

    Hellwig ist Geschäftsführer des Arbeitskreises für die Neuordnung der Eisen- und Stahlindustrie.

  • 1950

    Hellwig unterstützt mit einem Memorandum zum Schuman-Plan die Bildung eines europäischen Markts.

  • 1951-1959

    Hellwig arbeitet als Geschäftsführender Direktor des Deutschen Industrieinstituts in Köln, dem heutigen Institut der Deutschen Wirtschaft.

    Er unterstützt weiterhin die neue Europapolitik. In dieser Zeit ist er auch Vorsitzender des Deutschen Saarbundes und verfasst einige Wirtschaftsanalysen, die für die Saarpolitik von Bundeskanzler Konrad Adenauer entscheidend sind.

  • 1953-1959

    Im September 1953 wird Hellwig für den Wahlkreis Remscheid-Solingen in den Deutschen Bundestag gewählt. 1959 scheidet er aus dem Bundestag aus.

  • 1959

    Hellwig ist Mitglied der Hohen Behörde der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, der Montanunion, in Luxemburg. Er leitet die Arbeitsgruppe für den Kohle- und Stahlmarkt.

  • 1967-1970

    Juli: Hellwig ist Vizepräsident der neuen Kommission der Europäischen Gemeinschaften. Er ist für den Forschungssektor zuständig.

  • 1969

    Hellwig scheidet aus dem Bundestag aus. Überraschenderweise verliert er seinen Wahlkreis.

  • 1970-1973

    Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Verbandes Deutscher Reeder

  • 1971

    Hellwig bekommt das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband verliehen.

  • 1990

    Honorarprofessur an der Universität Trier mit einem Lehrauftrag zu "Geschichte der Kartographie und Wirtschaftsgeographie".

  • 2004

    Veröffentlichung eines ausführlichen Zeitzeugengesprächs mit dem Historiker Michael Gehler für das Zentrum für Europäische Integrationsforschung in Bonn zum Thema "Europäische Integration aus historischer Erfahrung".

  • 2012

    3. August: Zu seinem 100. Geburtstag erscheint die Festschrift "Fritz Hellwig. Saarländer, Deutscher, Europäer." mit einem Vorwort von Helmut Kohl.

    Hellwig ist leidenschaftlicher Sammler von kartographischem Material und Kupferstichen. Zu seinem Geburtstag präsentiert die Universitätsbibliothek der Uni Trier die Ausstellung "100 Jahre Sammlerleben – 500 Jahre Kartenschätze", die Landkarten und Atlanten aus der Sammlung Hellwig zeigt.

  • 2015

    Mai: Der von Fritz Hellwig gestiftete "Wissenschaftspreis Bürokratie" wird in seiner Anwesenheit im Institut der deutschen Wirtschaft in Köln erstmals verliehen. Mit diesem Preis möchte Hellwig Projekte der Bürokratieforschung fördern, die zeigen, wie Bürokratien funktionieren und welche Gefahren ihre Tätigkeit für die Freiheit von Wirtschaft und Gesellschaft mit sich bringen können.

 

(vva) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Stand: 12.10.2016
Text: CC BY NC SA 4.0

Empfohlene Zitierweise:
Vargas Gonzalez, Veronica: Biografie Fritz Hellwig, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/fritz-hellwig.html
Zuletzt besucht am 17.11.2018

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